Darum gehts
- OG Keemo und Funkvater Frank in neuer ZDF-Doku über ihr Leben
- Doku zeigt intime Einblicke: Depressionen, Familie und künstlerische Krisen verarbeitet
- OG Keemo live: 10. Juli 2026 am Open Air Frauenfeld
Ein Mann liegt auf einem Sofa, das Handy in der Hand. Gelbes, warmes Licht schneidet durch den dunklen Raum. Im Hintergrund sitzt eine Gestalt am PC, direkt daneben eine grosse, breitblättrige Pflanze – eine Monstera.
«Geschrieben habe ich schon immer, aber gelernt habe ich das nirgendwo», ertönt die Stimme von OG Keemo (33) aus dem Off. Er spricht, als würde es seinen wuchtigen Körper viel Energie kosten: langsam, träge, leicht durch die Nase. Ganz anders als in vielen seiner Lieder, in denen er mit sehr viel Druck in der Stimme rappt. Sein Produzent ist das genaue Gegenteil. Er ist klein, hat ein ausdrucksstarkes, selbstbewusstes Gesicht und spricht schnell, voller Energie.
Zusammen fusionieren die beiden zu einem Duo, das Rap-Musik seit Jahren auf ein neues Level hebt – und das von der Kritik als etwas vom Besten gefeiert wird, was der deutsche Raum zu bieten hat.
Haftbefehl und Shirin David machten es vor
Nach Haftbefehl (40) und Shirin David (31) lässt nun das nächste Rap-Schwergewicht in einer Dokumentation die Hüllen fallen: Eine neue vierteilige Doku des ZDF zeigt OG Keemo und seinen Produzenten Funkvater Frank (33) ungeschönt und nah. Sie zeigt die Widersprüche, die auch den Sound des Duos dominieren: Die harten Rap-Lyrics, in denen OG Keemo Leute aus dem Gleichgewicht bringt und sie ausraubt, und gleich danach der intime Moment, in dem er mit seinem Sohn auf dem Schoss ein Bild malt – oder weint, weil er etwas zu persönlich nimmt.
Kennengelernt hat sich das Duo mit 14 Jahren in Mannheim. Die Dokumentation beleuchtet den gemeinsamen Weg des Rappers Karim Martin und des Produzenten Dominic D’Amato – so die bürgerlichen Namen der beiden – von ihren Anfängen bis zu ihrem heutigen Erfolg. Nachdem sie erste Songs auf Soundcloud geladen hatten, meldete sich das Label Chimperator bei ihnen, wo sie bis heute unter Vertrag stehen. Der endgültige Durchbruch gelang ihnen mit dem Album «Geist». Ihr letztes Album «Mann beisst Hund» wurde von Kritikern stark gelobt und als eines der besten Alben im Deutschrap überhaupt bezeichnet.
«Mittlerweile ist er ein Bruder»
«Es hat mit einer klassischen Freundschaft angefangen, mittlerweile ist er ein Bruder», sagt Funkvater Frank über die Beziehung der beiden in der ersten Folge. Der Produzent ist ein mindestens genauso grosser Teil des kreativen Prozesses wie OG Keemo. Die Kamera des ZDF begleitet das Duo von September 2024 bis Sommer 2025. Ursprünglich sollte dabei die Entstehung ihres neuen Albums «Tausend Huren» dokumentiert werden. Laut dem Produzenten war das Projekt als Verarbeitung von Keemos verdrehten Frauenbildern gedacht. «Ich will die Geschichte meiner Mutter und meines Vaters erzählen», erklärt der Rapper selbst.
Doch was als klassisches Making-of beginnt, entwickelt sich schnell zu einem tiefen Blick in die Psyche der beiden. Die Doku hält den sensiblen Moment fest, in dem das Duo mit seinem bisherigen Ansatz bricht. Keemo und Frank werfen im Verlauf ihr Konzept über den Haufen – der Titel «Tausend Huren» wandert in den Papierkorb. Stattdessen entsteht «Berserker». «Ein Berserker ist ein Krieger, der keinen Schmerz wahrnimmt. Es ist eine Metapher, um nicht kopf- und rücksichtslos durch die Welt zu gehen», sagt Keemo in die Kamera.
Kampf gegen die inneren Dämonen
OG Keemo begibt sich auf eine Spurensuche. Die Serie, aufgeteilt in die Kapitel «Tausend Huren», «Mütter», «Vater» und «Berserker», zeigt den Rapper von einer verletzlichen Seite. Der neue Albumtitel kommt nicht von ungefähr: Er steht für Keemos persönliche Dämonen, seine Depressionen, Ängste und den harten Kampf gegen sich selbst, gegen Überlebensschuld, Isolation und Bindungsängste.
Dabei gewährt der Rap-Star beispiellose Einblicke in sein Privatleben. Die durch stylische Comiczeichnungen untermauerte Doku zeigt nicht nur seinen aus dem Sudan stammenden Vater, sondern auch Keemos eigenen Sohn und dessen Mutter sowie die Babyshower seiner kleinen Schwester. Obwohl über seine Vergangenheit weiterhin einiges vage bleibt, ist es ein intimer Blick hinter die Kulissen eines Mannes, der zwischen Familie, mentaler Gesundheit und dem Druck der Musikindustrie balanciert. Eines Mannes, der einen dünnen, harten Panzer hat, hinter dem ein sensibler, reflektierter Mann zu stecken scheint.
Das perfekte Warm-up fürs Frauenfeld
Für Schweizer Hip-Hop-Fans kommt die Serie genau zur richtigen Zeit: Am Freitagabend des diesjährigen Open Air Frauenfeld werden OG Keemo und Funkvater Frank auf der Arena Stage spielen. Wer verstehen will, durch welche kreative Hölle die beiden für ihre neuen Songs gegangen sind, bekommt mit dieser Doku die perfekte Vorbereitung für den Moshpit.
OG Keemo spielt am 10. Juli 2026 am Open Air Frauenfeld. Tickets gibts auf der Website des Festivals.