Monster-Truck-Fahrerin Geneva Keller
«Meine Eltern sind meine grössten Fans»

Mit sechs Jahren hat Geneva Keller ihren ersten Monster Jam gesehen und gewusst: Den will sie mal fahren. Nun ist sie als erste Schweizerin bei der Monster-Truck-Show dabei. Blick hat die Stuntfrau, die im September mit dem «Monster Jam» nach Zürich kommt, getroffen.
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Geneva Keller ist mit 20 Jahren die erste Schweizerin bei Monster Jam.

Egal wie viele PS dein Auto hat – ihres hat mehr: Geneva Keller ist die erste Schweizerin im Line-up des Monster Jam, der grössten Monster-Truck-Show der Welt. Ihr Truck hat 1500 PS und wiegt über 5 Tonnen. Dennoch legt die 20-Jährige damit Stunts hin, die den Verdacht erwecken, dass Schwerkraft eher ein Vorschlag als ein Naturgesetz ist.

Den Monster Jam gibt es seit 1992. Die Motorsport-Veranstaltungsreihe hat ihren Ursprung in den USA. Zu Beginn der 2000er schwappte der Hype dann nach Europa über, wobei wir uns hierzulande bis ins Jahr 2005 gedulden mussten. 

Das Konzept ist dabei simpel: Die furchtlosen Fahrerinnen und Fahrer steuern riesige Karren durch eine enge Arena, fahren auf zwei Rädern oder kredenzen Saltos und andere Kunststücke, die man den Trucks augenscheinlich kaum zutrauen würde. Seit dieser Saison ist auch Geneva Keller dabei.

Hallo Geneva, wo treffen wir Sie gerade an?
Daheim. Ich wohne seit einer Weile in Orlando, Florida. 

Sind Sie bereits akklimatisiert?
Ja und nein. Die letzten sechs Jahre habe ich in der Schweiz verbracht. Da bin ich auch heute noch oft, unterdessen lebe ich aber schon eine Weile hier, was sich noch etwas komisch anfühlt. Vielleicht auch weil meine Eltern so weit weg sind. Immerhin ist der Strand ein bisschen näher (lacht).

Haben Sie in der Monster-Jam-Crew eine neue Familie gefunden?
Ich wurde gut aufgenommen, aber ich bin auch jünger als alle anderen. Ausserdem ist der Sport immer noch eine Männerdomäne, als Ex-Go-Kart-Fahrerin bin ich mich das aber gewohnt. 

Gibt es einen Moment aus Ihrer ersten Saison, der Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?
Nur wie nervös ich bei meinem ersten Auftritt war. Ich komme in die Arena, und da warten 20’000 Leute. Als ich diese Menschenmasse gesehen habe, musste ich fast heulen (lacht).

Als einzige Schweizerin im Line-up sind Sie ja ohnehin die Exotin, auf die alle Augen gerichtet sind. Werden Sie da manchmal mit Klischees konfrontiert?
Oh Gott, ja! (Lacht.) Aber ich bin selbst schuld. Beim Summit, das ist ein Meeting, bei dem alle Fahrerinnen und Fahrer zusammenkommen, bin ich mit einem Stück Käse aufgetaucht. Ich hatte den ganzen Tag nichts gegessen und mir nichts dabei gedacht, bis mich die anderen als «Maus» bezeichneten und das Vorurteil der käseliebenden Schweizerin bestätigt sahen.

Dabei sind Sie ja eigentlich der Gegenentwurf zur sonst eher reservierten Schweizer Mentalität. Ihre Karriere als Rennfahrerin startete schon früh, oder?
Ja, ich war als Kind Go-Kart-Fahrerin, und meinen Hang zum Extremen habe ich wohl von meinen Eltern. Mein Vater ist Stuntman (Oliver Keller, Anm. d. Redaktion) und hat mich schon von klein auf an Sets und zu Drehs mitgenommen. Als ich sechs Jahre alt war, habe ich meinen ersten Monster Jam erlebt, und da wusste ich: Das will ich irgendwann machen. 

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Oliver Keller ist Stuntman in Hollywood und hat schon für viele Stars als Stuntdouble gearbeitet.
Foto: Serge Hoeltschi

Sie haben sich also Ihren Kindheitstraum erfüllt?
Absolut. Vor allem, dass Männer und Frauen gegeneinander antreten, hat mich fasziniert. Das gibt es in keinem anderen Motorsport. 

Als Tochter eines Stuntmans mussten Sie sich wahrscheinlich dafür auch nicht rechtfertigen.
Das stimmt. Meine Eltern sind ohnehin meine grössten Fans. Sie besuchen fast alle meine Shows, basteln Schilder und supporten mich, wo sie können. 

Sagen sie Ihnen trotzdem noch, dass Sie vorsichtig fahren sollen? Oder eher das Gegenteil?
(Lacht.) Nein, sie wünschen mir eher viel Spass. 

Und wie sieht es aus, wenn Sie jemandem ausserhalb der Szene erklären müssen, womit Sie Ihr Geld verdienen?
Viele glauben mir erst, wenn ich ihnen Videos zeige. Ich bin relativ klein, und die Tatsache, dass ich eine Frau bin, spielt sicher auch eine Rolle. 

Dabei gehören Frauen ja schon eine Weile dazu. Zeigt sich das unterdessen auch im Publikum?
Auf jeden Fall. Seit einigen Jahren gibt es einen neuen Truck namens Sparkle Smash. Der sieht aus wie ein Einhorn, und seit der im Einsatz ist, sind mehr Mädchen im Publikum, was ich schön finde. Die feiern natürlich auch, dass so viele Frauen hinter dem Steuer sitzen. 

Gründe, um sich die Monster-Jam-Shows anzusehen, gibt es genug. Welche heben Sie gern hervor?
Arena-Shows sind eine Ganzkörpererfahrung: Die Motoren dröhnen, und die Sitze vibrieren, es gibt keinen Sport, der vergleichbar ist, und das Erlebnis ist einzigartig. Die Interaktion zwischen Publikum und den Fahrerinnen und Fahrern finde ich zudem sehr cool – die Fans können uns nach dem Event treffen. 

Letzte Frage: In Amerika steht man oft im Stau. Wünschen Sie sich da manchmal, in Ihrem Truck zu sitzen und einfach loszubrettern?
Oh ja, daheim musste ich mich erst wieder an meinen winzigen Nissan gewöhnen, und manchmal denke ich wirklich: Mit meinem Truck könnte ich euch alle plattmachen (lacht). Aber ich spare mir das für die Arena.

Alle Informationen zur Show vom 5. und 6. September in Zürich und Tickets gibt es hier.

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