Von der «Armutspornografie» in den St. Moritzer Luxus
Caroline Wahls neuer Roman sorgt abermals für Aufregung

Vom Berliner Frust in den Schweizer Luxus: Bestseller-Autorin Caroline Wahl (31) schickt ihre Protagonistin Samara im Mercedes nach St. Moritz. Der neue Roman der «22-Bahnen»-Autorin spaltet zum wiederholten Male die Literaturszene.
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Caroline Wahl hat vor kurzem ihren vierten Roman veröffentlicht.
Foto: imago/Kessler-Sportfotografie

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Samara, Heldin von Caroline Wahls neuem Roman, reist nach St. Moritz
  • Wahl polarisiert: Luxus-Setting nach Kritik an «Armutspornografie» in vorherigem Werk
  • Wort «Müllermilch» 37 Mal erwähnt, gemischte Reaktionen der Literaturszene
Sabrina Rhyner
Sabrina RhynerRedaktorin People

Nach einem gescheiterten Bali-Trip und Frust im öden Berliner PR-Job packt Samara die Koffer. Die Protagonistin – bereits bekannt aus Caroline Wahls «Windstärke 17» – düst ab in die Schweizer Alpen. Den Weg nach St. Moritz bestreitet sie jedoch keineswegs im Glacier Express, sondern im vom Papa spendierten Mercedes SL R 129. Bewaffnet mit einer Leica-Kamera erfindet sich die junge Frau im Luxusort immer wieder neu und trifft auf einen «wunderschönen Mann mit eisblauen Augen».

Dass in Wahls neuem Buch «1999 Meter über dem Meer» ordentlich Gummi gegeben wird, kommt nicht von ungefähr: Die Autorin fährt privat ein schwarzes Mercedes-SLK-Cabrio, das sie sich nach dem Riesenerfolg ihres Debüts «22 Bahnen» gönnte. Ihre Fahrkünste kommentierte sie einst mit den Worten: «Ich fahre nicht gut Auto, aber dafür schnell.» Mittlerweile ist die Bestseller-Autorin sogar als Markenbotschafterin für Mercedes tätig.

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Gekonntes Entkommen der Kritik?

Das Luxus-Setting im Engadin hat wohl auch taktische Gründe: Nach ihrem Debüt-Hit über zwei Schwestern mit einer alkoholkranken Mutter musste sich die Arzttochter den Vorwurf der «Armutspornografie» gefallen lassen. Kritik kam etwa auf Social Media von Userinnen, die ihr vorwarfen, über Armut zu schreiben und davon zu profitieren, ohne wirklich an der Überwindung sozialer Ungerechtigkeiten interessiert zu sein. Andere sahen das Problem weniger bei Wahl als bei der «linken Bubble», die unfähig sei, über Klassismus zu sprechen und eigene Privilegien zu reflektieren.

Wahl reagiert auf solchen Gegenwind meist gelassen: Als sie beim Deutschen Buchpreis leer ausging, machte sie zuerst ihrem Ärger auf Instagram Luft und betonte später, sie habe schlicht keine Lust, falsche Bescheidenheit vorzutäuschen. Vor diesem Hintergrund wirkt die protzige Kulisse ihres neuen Romans wie ein kalkulierter nächster Schritt. Kennengelernt hatte Wahl St. Moritz im Übrigen zu Recherchezwecken auf Einladung des Tourismusbüros Engadin. Nach eigener Aussage befremdete sie der protzige Lifestyle – und genau deshalb schickt sie ihre Romanheldin dorthin. 

Zoff in der Literaturszene

In der Literaturszene stösst das Werk auf gemischte Reaktionen. St. Moritz werde als «lustiges Dörflein» abgetan, Klischees reihen sich aneinander und der übermässige Konsum stösst manchem sauer auf. Das Wort «Müllermilch» fällt allein 37-mal. Auch verharren ernste Themen nur an der Oberfläche. Eine angedeutete Depression bleibt nichts als «die Dunkelheit, die drückt». Während die einen darin flache Popliteratur ohne Zeitdiagnostik sehen, deuten andere genau das als Kunstgriff, der die Glamour-Welt spiegelt. Oft, so merken Beobachter an, werde ohnehin weniger über die Bücher als über die polarisierende Persönlichkeit der Autorin diskutiert.

Bewegte Vergangenheit mit der Schweiz

Die Schweiz ist für Wahl übrigens kein Neuland. Schon als Kind verbrachte sie ihre Skiferien in Grindelwald, später arbeitete sie als Verlagsassistentin bei Diogenes in Zürich – rückblickend nennt sie die Stelle einen «Kackjob». Auch mit ihrer Wohnung im Zürcher Seefeld, in der sie sehr viel Zeit allein verbrachte, wurde sie nie warm. Die Abneigung sitzt tief: Als sie Jahre später für eine Buchpräsentation wieder in Zürich war, weigerte sie sich kurzfristig, im für sie gebuchten Hotel im Seefeld zu übernachten.

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