Verteidigung fordert Freispruch für mutmassliche Vergewaltigungen
Von Saskia Schär, People-Redaktorin
Mit dem 19. März ist der letzte Prozesstag in Oslo angebrochen. Nachdem die Staatsanwalt gestern ihr Schlussplädoyer beendet und in der Folge eine Haftzeit von sieben Jahren und sieben Monaten für Marius Borg Høiby gefordert hat, ist heute die Verteidigung mit dem Schlussplädoyer dran.
Sie fordert erwartungsgemäss ein deutlich geringeres Strafmass von insgesamt zwei Jahren Haft. In den vier mutmasslichen Vergewaltigungen fordert die Verteidigung eine Freispruch. Sollte Marius Borg Høiby hingegen in allen Anklagepunkten für Schuldig befunden werden, so sei eine Gefängnisstrafe von fünf bis sechs Jahren angemessen.
Zuvor erklärte sein Anwalt Petar Sekulic, dass nicht Marius Borg Høiby seine Unschuld beweisen, sondern die Kläger, seine Schuld. Weiter: «Was als schlechtes Benehmen oder schlechte Moral bezeichnet werden kann und nach dem Strafrecht in keiner Weise bestraft werden kann, sollte ignoriert werden. Es ist irrelevant.»
Dieses Strafmass fordert der Staatsanwalt
Von Fynn Müller, People-Redaktor
Kurz vor der Mittagspause verkündet der Staatsanwalt das Strafmass, was er für den Skandalsohn fordert: sieben Jahre und sieben Monate Haft! Angerechnet werden sollen dabei 63 Tage Untersuchungshaft. Der Sohn der norwegischen Kronprinzessin Mette-Marit ist in 40 Punkten angeklagt, unter anderem wegen mutmasslicher Vergewaltigung in vier Fällen.
Wann das definitive Urteil verkündet wird, ist noch nicht klar. Fest steht jedoch: Mit der Strafforderung der Staatsanwaltschaft hat der Prozess eine entscheidende Phase erreicht. Jetzt liegt es am Gericht, die vorgebrachten Argumente sorgfältig zu prüfen und ein Urteil zu fällen.
Ursprünglich wurde berichtet, dass der Prozess am morgigen Donnerstag zu Ende gehen soll. Am Dienstag gab es jedoch einen Tag Pause, weil der Richter krank war.
Prozess fällt heute aus
Von Fynn Müller, People-Redaktor
Eigentlich hätte am heutigen Dienstag (17. März) der 26. Verhandlungstag im Prozess gegen Marius Borg Høiby, Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit von Norwegen, stattfinden sollen. Wie «VG» berichtet, fällt der Prozesstag ins Wasser. Der Grund: Ein Richter ist krank.
Das Gericht hofft, den Prozess am 18. März fortzusetzen und am 19. März abzuschliessen. Marius Borg Høiby wird dann seine abschliessenden Worte vor Gericht sprechen.
Staatsanwalt verliest Schlussplädoyer
Von Saskia Schär, People-Redaktorin
Nach sechs Wochen Beweisaufnahme lass Staatsanwalt Sturla Henriksbø am Montag sein Schlussplädoyer vor. Darin bezeichnet er Marius Borg Høiby gemäss «VG» als einen Mann, der «einen Mangel an Respekt vor Normen und Regeln» zeigt. Zudem sei er ein Mann, «der sich nimmt, was er will, und nicht unbedingt darauf bedacht ist, bei einer After-Party bei dem Mädchen, das auf seinem Schoss sitzt, nachzufragen, ob es ihr recht ist, dass er sie berührt». Auch habe er ein Aggressionsproblem, schlage, raste aus, schreie und werfe gar mit Handys und Messer um sich.
Er sei aber kein Monster und «er sollte nicht für das verurteilt werden, was er ist, sondern für das, was er getan hat». Am Freitag hatte Borg Høiby ausgesagt, in den Augen der Öffentlichkeit nicht mehr Marius, sondern «ein Monster» und das «Hassobjekt ganz Norwegens» zu sein.
Aus Sicht des Staatsanwaltes sei Borg Høiby in mehreren ihm vorgeworfenen Vergewaltigungen schuldig zu sprechen. Ebenso im Falle des Missbrauchs in engen Beziehungen gegenüber seiner Ex-Freundin Nora Haukland. Freigesprochen werden soll er hingen im Falle eines Verstosses gegen eine einstweilige Verfügung im September 2024.
Der Prozess ist bis am 19. März angesetzt. Bis spätestens dann ist klar, wie lange er für die 40 ihm vorgeworfenen Punkte ins Gefängnis muss.
Høiby weint während emotionaler Ansprache
Von Sophie Ofer, People-Redaktorin
Anschliessend ging es um einen Vorfall am 10. November 2024. Høiby soll ohne Führerschein Auto gefahren sein. Ihm war die Fahrerlaubnis zuvor entzogen worden. Als Høiby den Grund dafür erklären sollte, sagte er: «Ich erinnere mich nicht mehr ganz genau. Aber ich glaube, mich zu erinnern, dass meine Eltern die Psychiatrische Notfallambulanz angerufen haben. Diese kam wiederum zu der Einschätzung, dass ich keinen Führerschein haben dürfe.» Warum Kronprinzessin Mette-Marit und Prinz Haakon die Psychiatrische Notfallambulanz für Høiby alarmierten, wird nicht genauer erläutert.
Als die Befragung beendet war, ergriff Høiby abschliessend noch einmal das Wort; dabei kommen ihm die Tränen: «Dieser Fall war mit Abstand das Stressigste, was ich je erlebt habe. Der Mediendruck hat mich als Person ausgelöscht», beschreibt er. «Mein gesamtes Leben ist öffentlich. SMS, Bilder, Audioaufnahmen – Dinge, die so privat wie nur möglich sind, landen in den Medien. Und die Leute äussern ihre Meinungen und sagen Dinge, die überhaupt nicht der Wahrheit entsprechen.» Høiby prangert die Medien an, man wolle aus ihm das «Monster Marius» machen. Er erkenne sich nicht wieder in dem, was über ihn geschrieben wird. Er sei jetzt «das Hassobjekt ganz Norwegens».
Høiby schildert, er könne niemandem mehr vertrauen. «Ich habe 98 Prozent meines sozialen Netzwerks verloren, und die wenigen, die mir geblieben sind, trauen sich nicht mehr, mit mir essen zu gehen, wollen nicht mehr mit mir gesehen werden. Ich sitze ganz allein da.» Nach Høibys emotionaler Ansprache herrschte Stille im Saal.
«Damit ist die Beweislage in diesem Fall vollständig», schliesst der Richter und beendet den letzten Verhandlungstag der vorletzten Woche im Strafprozess gegen Marius Borg Høiby.
Høiby transportierte 3.5kg Marihuana
Von Sophie Ofer, People-Redaktorin
Die erste Person, die heute Freitag, am 25. Prozesstag, aussagte, war eine Psychologin. Wie bei mehreren anderen Gesundheitsexperten, die im Laufe des Prozesses ausgesagt haben, fand auch diese Aussage unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.
Im Anschluss wurden im Beisein einer Polizeikommissarin zahlreiche Nachrichten zwischen Hoiby und der «Frogner-Frau» vorgelesen, sowie Bilder, Videos und Audioaufnahmen gezeigt, die im Zusammenhang mit den Anklagepunkten stehen.
Dann musste Høiby in den Zeugenstand – ein letztes Mal im gesamten Prozess. Zunächst wurde er zu einem Drogendelikt im Jahr 2020 befragt. Er gestand, mindestens 3.5 Kilogramm Marihuana transportiert und an seinen Dealer in Tønsberg übergeben zu haben. Hintergrund war, dass sein Dealer zwar Zugang zu Cannabis hatte, aber kein Auto besass – Høiby fuhr das Marihuana also quasi als Gefallen ab, ohne dafür bezahlt zu werden, kaufte aber einen Teil für sich selbst. Zusätzlich transportierte er eine grössere Menge Bargeld. Auf Nachfrage räumte er ein, gewusst zu haben, dass das alles illegal war. Ausserdem wird ihm vorgehalten, dabei deutlich zu schnell gefahren zu sein, was er ebenfalls bestätigte.
Jetzt sagt der Ex-Freund der «Frogner-Frau» aus
Von Sophie Ofer, People-Redaktorin
Es sagen zwei weitere Zeugen aus. Zunächst eine Frau, die sich als «sehr gute Freundin von Marius» beschreibt. Sie habe vom Kontaktverbot zwischen Høiby und der «Frogner-Frau» gewusst, und dass Høiby es brach. Das habe er aber nicht mit Absicht getan, zumindest nicht bei einem Vorfall, bei dem sie dabei gewesen war. «Ich habe Marius in einer Karaoke-Bar abgeholt und nach Hause gefahren. Als er auf dem Display des Autos ein Lied wechseln wollte, kam er auf den Namen seiner Ex und rief sie an. Er erschrak und legte sofort wieder auf. Ich hatte nicht den Eindruck, dass es absichtlich war. Es war ein Versehen. Er war etwas unbeholfen, weil er getrunken hatte.»
Die Zeugin soll beschreiben, wie sie Høiby wahrnimmt: «Marius ist manchmal ein Idiot. Er ist sehr impulsiv und handelt manchmal, ohne nachzudenken.» Er sei aber kein schlechter Mensch. «Ich habe ihn nie gewalttätig gesehen, keinen Wutausbruch. Aber ich habe Frustration gesehen.»
Der zweite Zeuge ist der Ex-Freund der «Frogner-Frau». Er spricht über ihre Beziehung: «Es war gut, aber turbulent. Es gab Streit. Ich war eher ruhig, sie wollte Partys und Spass haben.» Es habe Eifersucht auf beiden Seiten gegeben. «Wir waren unsicher miteinander. Ich bin älter und konnte ihr nicht das Leben bieten, das sie sich wünscht. Und sie konnte mir nicht das Leben geben, das ich wollte.» Er beschreibt die Konflikte in ihrer Beziehung: «Man hat nicht nachgegeben. Man hat einfach weiter und weiter gepusht. Es war so intensiv.» So intensiv, dass er Teller auf den Boden schmiss. Die «Frogner-Frau» sei eifersüchtig gewesen: «Ich erinnere mich, dass ich einmal von der Arbeit nach Hause kam und fast alle meine Klamotten im Wohnzimmer lagen, weil sie dachte, ich hätte mit jemandem bei der Arbeit geflirtet.»
Der Zeuge beschreibt, dass sie «Frogner-Frau» mehrfach mit ihm und mit Høiby zusammen und wieder getrennt war. Sie wechselte mehrmals zwischen ihm und Høiby hin und her. Der Zeuge beschreibt, wie er die Frau nach einer Trennung von Høiby erlebte: «Sie hatte das Gefühl, dass das so nicht weitergehen kann. Es war sehr intensiv. Er rief sie ständig an, die ganze Zeit.»
«Sie hat immer noch Mitleid mit ihm»
Von Sophie Ofer, People-Redaktorin
Nun soll die Zeugin beschreiben, wie sie von dem Vorfall im August 2024 erfuhr, der zu Høibys Festnahme führte. «Ich war in den Ferien in Venedig, als ich eine Nachricht von Marius auf Instagram bekam. Er schrieb, meine Tochter sei untreu gewesen. Ich antwortete: Das ist traurig zu hören.» Sie habe versucht, ihre Tochter telefonisch zu erreichen, doch keine Antwort bekommen, weil ihr Telefon kaputt war. «Später erhielt ich einen Anruf von einer unbekannten Nummer. Man sagte mir: Marius hat Ihre Tochter geschlagen und ihre Wohnung verwüstet.»
Ihre Tochter habe ihr später gesagt, sie sei mehrmals am Kopf geschlagen und gewürgt worden. «Sie sagte, das Würgen sei das Schlimmste gewesen, weil sie keine Luft bekam. Und dass sie versucht habe, ihn zu beruhigen. Nichts habe ihn beruhigt, egal was sie tat, und er habe die Sachen im Haus zerstört.»
Die Zeugin half ihrer Tochter, auszuziehen. Sie beschreibt den Zustand, in dem sie ihre Tochter nach dem Vorfall antraf: «Das war nicht mehr mein Mädchen. Es war ein kleiner Schatten, ein kleines Vogeljunges, das dort auf dem Bett sass. Wir haben angefangen zu packen. Wir mussten aus dieser Wohnung raus», beschreibt sie die Situation.
Die Mutter der «Frogner-Frau» erzählt weiter, dass ihre Tochter nur schwer den Kontakt zu Marius abbrechen konnte: «Sie erzählte, dass sie ständig angerufen werde. Dass er über Freundinnen Kontakt aufnehme ... Sie schaltete sogar ihr Telefon aus, aber wenn sie es morgens wieder einschaltet, waren da 170 Anrufe. Ich glaube, es war schwer, da herauszukommen.»
Die Zeugin beschreibt, dass ihre Tochter Mitleid mit Høiby habe, auch jetzt noch. Sie wolle, dass er Hilfe bei seinem Drogenproblem bekommt und hoffe, dass er sich bessert. Die Zeugin glaubt, dass sich die Grenzen dessen, was ihre Tochter in einer Beziehung als normal akzeptiert, verschoben habe und dass es Zeit brauche, bis sie erkennt, dass man so nicht von jemandem behandelt wird, der einen liebt.
«Meine Tochter hat sich durch die Beziehung mit Marius verändert»
Von Sophie Ofer, People-Redaktorin
Als nächste betritt die Mutter der «Frogner-Frau» den Zeugenstand. Sie soll zunächst ihre Tochter beschreiben: «Sie war immer das liebste Mädchen der Welt.» Sie habe nie die Stimme gegen jemanden erhoben; auch als Teenagerin sei sie nicht rebellisch gewesen. «Ich frage mich, ob wirklich alles okay war. Ich verstehe, dass es nicht so war.» Sie beschreibt, dass ihre Tochter nicht emotional auf Konflikte reagiere; «Sie würde bei einem Streit nicht zurück schreien, sondern eher warten, bis der andere fertig ist.»
Die Zeugin kenne auch Høiby, aber nicht besonders gut. Es habe ein paar Abendessen gegeben, «ein paar Besuche, etwa fünf oder sechs Mal.» Durch die Beziehung zu Høiby habe sich ihre Tochter verändert: «Sie meldete sich seltener.» Wenn sie mit ihrer Tochter telefonierte, seien es meist Gruppenanrufe gewesen, bei denen auch Høiby anwesend war. Sie wisse, dass es in der Beziehung zwischen Høiby und ihrer Tochter habe es «Vertrauensprobleme» gegeben habe, im Zusammenhang mit Eifersucht und Untreue.
Dann beschreibt die Zeugin ein Abendessen mit ihrer Tochter und Høiby. «Es war nett. Er kam sofort herüber und stellte mir ein neues Getränk vor: einen Wodka-Shot mit Zucker. So etwas trank ich normalerweise nicht zum Abendessen», beschreibt sie. Später am Abend sei Høiby betrunken gewesen, woraufhin er und die «Frogner-Frau» nach Hause gehen mussten. Doch Høiby sei nicht mit ihr gegangen und erst am nächsten Vormittag wieder zu Hause gewesen, was zum Streit geführt haben soll. Høiby soll noch ohne sie feiern gewesen sein.
«Meine Tochter war wütend und wollte packen und ausziehen», schildert die Zeugin die Situation am nächsten Tag. Sie sei zu ihrer Tochter gegangen und habe sie in einem schlechten Zustand vorgefunden. «Die Kleidung lag im Flur verstreut.» Høiby habe die Kleidung in der Wohnung verteilt, weil er wütend darüber gewesen sei, dass seine Freundin ausziehen wollte. «Ich sah, dass es meiner Tochter nicht gut ging.» Sie bot ihr an, sie abzuholen, wenn sie wirklich ausziehen wollte.
«Starke Meinungen auf beiden Seiten»
Von Sophie Ofer, People-Redaktorin
Der heutige 24. Gerichtstag beginnt damit, dass ein Freund von Marius Borg Høiby im Zeugenstand Platz nehmen soll. Der Mann soll im September 2024 dabei gewesen sein, als die Polizei Høiby auf einer Hütte festnahm.
Der Zeuge erzählt zuerst, dass er Høiby als «einen guten Freund und liebevollen Menschen» wahrnimmt. Daraufhin spricht er über einen Vorfall, als Høibys Ex-Freundin Nora Haukland Høiby in der Öffentlichkeit mit der flachen Hand geschlagen haben soll: «Nora schlug Marius auf die Wange», berichtet er. «Danach haben Marius und ich es weggelacht. Aber es war unangenehm, es mitanzusehen.» Die Ohrfeige sei deutlich hörbar gewesen.
Der Zeuge soll die Machtdynamik zwischen Høiby und Haukland beschreiben: «Es war ausgeglichen. Starke Meinungen auf beiden Seiten. Kein Machtgefälle», antwortet er laut «Bild».
Nach 15 Minuten ist der Zeuge bereits mit seiner Aussage fertig und wird aus dem Zeugenstand entlassen.