Darum gehts
- Sebastian Lege kritisiert Deutsche Bahn-Bordrestaurant-Speisen in ZDF-Sendung «Besseresser»
- Tomatensuppe enthält nur 54 Prozent Tomaten, Falafel mit elf Zutaten
- DB-Bordservice wirtschaftlich unrentabel, dient als Teil der Reise-Experience
Das Motto der Bahngastronomie der Deutschen Bahn lautet «Genuss auf ganzer Strecke». Dem widerspricht Produktentwickler und Koch Sebastian Lege (47), der in der ZDF-Sendung «Besseresser» die angebotenen Speisen in ihre Einzelteile zerlegt und nachkocht. Sein Fazit fällt dabei nicht besonders positiv aus.
Als Erstes kocht er die angebotene Tomatensuppe nach, die einen Tomatenanteil von lediglich 54 Prozent hat. Insgesamt kommen dafür 21 Zutaten zum Einsatz, inklusive modifizierter Stärke. Deren Einsatz begründet Britta Schautz von der Verbraucherzentrale Berlin folgendermassen: «Verbraucherinnen und Verbraucher wollen keine Zusatzstoffe, und die modifizierte Stärke erkenne ich oft gar nicht als Zusatzstoff. Dabei hat sie – in dieser Suppe – den wichtigen Zweck, Wasser einzulagern und Tomaten einzusparen, denn die sind teuer.» Was hingegen nicht teuer ist, ist Wasser, weshalb dieses reichlich hinzugegeben wird.
Brot gefüllt mit Brot
Auch der von der Bahn angebotene Falafel-Wrap kommt bei Lege alles andere als gut an. Während klassische Falafel aus Zwiebeln, Kräutern, Gewürzen und Kichererbsen hergestellt werden, braucht es für die DB-Falafel ganze elf Zutaten, darunter Proteine und Ersatzzutaten. «Also das find ich schon ein bisschen frech. Come on, Leute, das tut euch finanziell doch nicht weh, vernünftige Falafel da reinzumachen. 50 Cent mehr für das Ding und wir sind alle glücklich», so Lege.
Weil Hartweizen und Paniermehl günstiger sind als Kichererbsen, werden diese kurzerhand in die Falafel gemischt. «Da isst man ein Wrap aus Brot und bekommt als Füllung Bällchen aus Brot. Halleluja», meint Lege. «Also mit Falafel hat das nicht wirklich viel zu tun.» Daher müssten gemäss ihm die Bällchen eine andere Bezeichnung haben, denn «das ist für echte Falafel eine Beleidigung».
Bei dem getesteten Apfelstreuselkuchen fehlt Lege vor allem eines: Butter. Aus Kostengründen wird auf diese verzichtet und stattdessen auf Rapsöl zurückgegriffen. Für die namensgebenden Streusel kommt dann Palmfett zum Einsatz, welches mit Karotin eingefärbt wird.
«Unsere Warenversorgung muss der Pünktlichkeit angepasst werden»
In den Zügen kann nicht wirklich gekocht, sondern lediglich aufgewärmt werden. Die angebotenen Speisen müssen daher nicht nur länger haltbar, sondern auch mehrfach erwärmbar sein. Ein weiteres Problem: «Unsere Warenversorgung muss der Pünktlichkeit angepasst werden, muss dem Betriebsgeschehen angepasst werden. Das heisst wir haben täglich neue Prozesse sozusagen, neue Uhrzeiten, neue Gleise, neue Mengen», so Alexander Thies, Leiter des Bordservice der Deutschen Bahn.
Auch wenn mit diesen Tricks bei den einzelnen Speisen gespart wird und die Menüs deutlich teurer verkauft werden als vergleichbare Fertigprodukte im Supermarkt, lohnt sich der Service für die DB aus finanzieller Sicht nicht, wie Thies erklärt. «Deswegen betrachten wir den Bordservice, das Restaurant, viel holistischer – als Teil einer Reise-Experience. Und natürlich wissen wir, was uns das kosten darf, damit das den Kunden zum Wiederkauf eines Tickets bewegt.»