Stayin' Alive!
Der letzte Bee Gee wird 80

Als Sänger eroberte er mit seinen Brüdern die Welt, als Songwriter schrieb er für diverse Stars Welthits. Nun wird Sir Barry Gibb 80. Ein Leben zwischen gigantischem Erfolg, grosser Liebe – und schmerzlichen Verlusten.
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Brüderbande:Jahrzehntelang standen Maurice, Barry und Robin Gibb (v. l.) als Bee Gees auf der Bühne und schrieben Musikgeschichte.
Foto: IMAGO/mptv

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Barry Gibb feiert am 1. September seinen 80. Geburtstag
  • Er ist das letzte noch lebende Mitglied der legendären Disco-Band Bee Gees
  • Mit über 220 Millionen verkauften Alben zählt er zu den erfolgreichsten Musikern
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Patricia Broder
Schweizer Illustrierte

«Ah, ha, ha, ha.» Mehr braucht es nicht und schon hat man dieses unverwechselbare Falsett im Ohr, das mit «Stayin’ Alive» zum Sound einer Generation wurde. Ebenso unverkennbar ist der Mann dahinter: wallende Mähne, Vollbart, Satinhemd und Goldkettchen. Barry Gibb prägte mit den Bee Gees die Disco-Ära wie kaum ein anderer. Am 1. September feiert der Kultmusiker seinen 80. Geburtstag. Er ist der letzte des Kult-Trios – und bis heute einer der erfolgreichsten Songwriter der Popgeschichte.

Sir Barry Gibb wurde 1946 auf der britischen Isle of Man als zweites von fünf Kindern geboren. Mit drei Brüdern und einer Schwester wuchs er in einer musikalischen Familie auf. Schon als Kind stand Barry mit seinen drei Jahre jüngeren Zwillingsbrüdern Robin und Maurice gemeinsam auf der Bühne.

Mehr als sechs Jahrzehnte nach ihren ersten Erfolgen hält Barry Gibb die Musik der Bee Gees und die Erinnerungen an seine Brüder lebendig.
Foto: ROSE MARIE CROMWELL/The New York Times/Redux/laif

Schon als Kind auf der Bühne

1958 zog die Familie nach Australien. Das Geld war knapp. Die Brüder sangen in Hotels, Clubs und auf Rennbahnen, manchmal zwischen Hunde-Shows und Jongleuren. «Die Zeit, bevor wir berühmt wurden, war die schönste unseres Lebens», erinnert sich der Musiker später. «Es gab keine Konkurrenz.»

Als die Familie 1967 nach England zurückkehrte, hatten sich die Brüder in Australien längst als Bee Gees einen Namen gemacht. Mit Hits wie «Massachusetts», «To Love Somebody» und «Words» eroberten sie weltweit die Charts – auch in der Schweiz. Bei ihrem ersten Konzert 1968 in Bern stand «Words» an der Spitze der Schweizer Hitparade.

Disco-Könige: Ende der 1970er werden Robin, Barry und Maurice (v. l.) nicht nur musikalisch, sondern auch modisch zu Ikonen ihrer Zeit.
Foto: imago images/Everett Collection

Nach einer mehrjährigen Schaffenskrise folgte dann der ganz grosse Wahnsinn. 1977 tanzte der 23-jährige John Travolta im weissen Anzug durch den Kultfilm «Saturday Night Fever» – den Soundtrack dazu lieferten die Bee Gees. «Es gibt Ruhm und es gibt Ultra-Ruhm – und der kann dich zerstören», sagt Gibb später und führt aus: «Du verlierst deine Perspektive, du bist im Auge eines Hurrikans und du weisst nicht, was morgen sein wird.» Was der Kultmusiker meint, zeigte sich Ende der 70er-Jahre: Die Stimmung kippte. Disco wurde zum Feindbild, die Bee Gees zur Zielscheibe des Spotts. Radiosender spielten ihre Songs plötzlich nicht mehr. «Meine Brüder sagten: Wir sollten ‹Heartbreaker› selbst machen», erinnert sich Gibb. «Aber ich wusste, dass wir damit nicht ins Radio kommen würden.»

Artikel aus der «Schweizer Illustrierten»

Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Näher dran – an Stars, Royals und Menschen mit Geschichten. Hier gehts zum Abo!

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Schliesslich fasst er den Entschluss und beginnt für andere Stars Lieder zu schreiben: Barbra Streisand machte «Woman in Love» 1980 zum Welthit, Dionne Warwick sang 1982 «Heartbreaker», Kenny Rogers und Dolly Parton 1983 «Islands in the Stream».

56 Jahre glücklich verheiratet

Privat fand der Sänger Halt bei der ehemaligen Miss Edinburgh Linda Gray (76) die er 1970 heiratete. «Sie ist ein ganz besonderer Mensch – voller Liebe und Lebensfreude und mit einem grossartigen Sinn für Humor», schwärmt Gibb. Drogen, die er nach Hause brachte, landeten nach seiner eigenen Erzählung kurzerhand im WC. Die beiden haben fünf Kinder und leben heute im Raum Miami in Florida.

Familienglück: Barry und Linda Gibb 1992 mit ihren Kindern Stephen, Michael, Alexandra, Travis und Ashley.
Foto: IMAGO/Bridgeman Images

Seine Brüder hingegen «mussten mit ihren Dämonen fertig werden». Der jüngste, Andy, feierte selbst als Sänger grosse Erfolge, kämpfte mit Kokainsucht und starb 1988 mit nur 30 Jahren an einer Herzmuskelentzündung. Maurice litt lange an Alkoholsucht und starb 2003 mit 53 an den Folgen eines Darmverschlusses. Robin starb 2012 nach einer Krebserkrankung, er war 62 Jahre alt. «Mein grösstes Bedauern ist, dass jeder Bruder, den ich verloren habe, in einem Moment starb, in dem wir uns gerade nicht verstanden», sagt Gibb rückblickend. «Damit muss ich leben.»

Nach Robins Tod verlor der Sänger die Lust an der Musik. «Es ist einsam da oben auf der Bühne, wenn du deine Brüder nicht mehr hast», sagte er. Ganz allein blieb er allerdings nicht: Auf Tourneen standen zuletzt sein Sohn Stephen und Maurice’ Tochter Samantha an seiner Seite. Die Brüder fehlen, doch die Familie bleibt Teil seiner Musik.

Traumpaar: Auch mit Barbra Streisand schrieb Gibb 1980 Geschichte. Für ihr Erfolgsalbum «Guilty» lieferte er Songs und Stimme – «Woman in Love» wurde zum Welthit.
Foto: IMAGO/mptv

Biopic über Bee Gees geplant

Und auch das Vermächtnis der Bee Gees lebt weiter. Kult-Regisseur Ridley Scott arbeitet aktuell an einem Biopic über die Brüder, an dem Gibb als Executive Producer beteiligt ist. Sein musikalisches Erbe selbst sieht er allerdings erstaunlich gelassen: «Es ist mir egal, ob sich die Leute an mich oder die Bee Gees erinnern. Wenn ich nicht mehr da bin, könnt ihr machen, was ihr wollt.»

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