Darum gehts
- Sienna Miller spielt in der Serie «War» eine Filmdiva in Trennung
- Ihre Rolle erinnert an Millers eigene Erfahrungen mit medialer Aufmerksamkeit
- Seit 5. Oktober 2026 auf Sky Show zu sehen
«Komm, setz dich zu uns», sagt Sienna Miller, 44, und zeigt im luxuriösen Londoner Hotel auf den freien Platz zwischen sich und Co-Star Dominic West, 56. Die beiden sitzen mitten im Scheinwerferlicht, rundherum Kameras und PR-Angestellte – das Ganze wirkt fast wie ein kleines Filmset. Doch Miller bricht diesen Glamour mit ihrer unkomplizierten Art. Sie lacht, rückt näher, holt West mit ins Bild und sucht nach dem besten Licht für unser Erinnerungsselfie.
Vor der Kamera allerdings liefern sich Miller und West, den man bei uns als Prinz Charles in «The Crown» kennt, einen erbitterten Rosenkrieg. In der neuen Serie «War» – in der Schweiz seit dem 5. Oktober 2026 auf Sky Show zu sehen – spielen sie ein Ehepaar, dessen Trennung zum offenen Kampf wird.
Ein Krieg um Geld und Macht – und eine Öffentlichkeit, die bei der gegenseitigen Zerfleischung zuschaut. Carla Duval, gespielt von Miller, ist selbst ein Star. Eine Frau also, deren Privatleben auch ausserhalb der Scheidung nicht wirklich privat bleibt.
Jude Law und die Nanny-Affäre
Für Miller ist das bekanntes Terrain. In den Nullerjahren war sie eine der schillerndsten Frauen im britischen Showbusiness: Schauspielerin, Stil-Ikone, It-Girl. Ihr Boho-Look wurde tausendfach kopiert, ihre Beziehung zu Filmstar-Kollege Jude Law, 53, weltweit verfolgt.
Was glamourös wirkte, hatte seine Schattenseiten: Paparazzi folgten ihr auf Schritt und Tritt, ihr Privatleben wurde zur öffentlichen Seifenoper. Vor allem Laws Affäre mit der Nanny seiner Kinder und die anschliessende Trennung wurden medial ausgeschlachtet. In den Zeitungen wurde die Britin zur «ewig Betrogenen» stilisiert – ein Bild, das lange an ihr haften blieb. Dass sie Carla trotzdem nicht als Alter Ego sieht, macht die Rolle für Miller gerade interessant.
Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Näher dran – an Stars, Royals und Menschen mit Geschichten. Hier gehts zum Abo!
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«Sie ist ein ganz anderer Charakter als ich, bewegt sich aber in einer Welt, die mir sehr vertraut ist», so Miller. Carla reagiere auf diesen öffentlichen Druck völlig anders als sie selbst damals. «Sie hat etwas Kaltes. Ich glaube nicht, dass es sie interessiert, was andere über sie denken. Sie kreist sehr stark um sich selbst.» Genau dieser Unterschied habe sie gereizt. «Das fand ich sehr interessant – auch gesellschaftlich gesehen.»
Die Attacken der Paparazzi
Als das Gespräch auf die Boulevardmedien jener Zeit kommt, mischt sich Dominic West ein. In «War» gerät seine Figur, der Tech-Mogul Morgan, selbst ins Visier der Fotografen. «Eigentlich wünschte ich, Paparazzi würden Männer wie ihn häufiger belästigen oder bombardieren», habe er sich beim Dreh gedacht, «statt sich immer junge Frauen auszusuchen» – «zu attackieren!», wirft Miller ein.
Eine Präzisierung, die viel darüber verrät, wie sie jene Zeit erlebt hat. «Die Serie und die ganze Diskussion darüber erinnern mich daran, wie die Welt früher war und wie anders sie heute ist», sagt Miller und hält kurz inne. «Ich trete heute einen Schritt zurück und denke: Mein Gott, es ist völlig verrückt, dass das unser Alltag war, dass wir so gelebt haben. Wie konnte überhaupt jemand dieses Ausmass an Aggression und Aufmerksamkeit jeden einzelnen Tag aushalten?»
Eine Frage, die sie auch zwanzig Jahre später noch zu beschäftigen scheint. «Ich fühle mich so weit entfernt von dieser Version meiner selbst», erklärt Miller weiter. Gerade deshalb sei es interessant gewesen, durch ihre neue Serie «noch einmal in diese Welt zurückzukehren und sie zu betrachten, ohne diese Angst».
Neustart in den 2020er-Jahren
Längst ist auch ihre Karriere nicht mehr dieselbe. Jahrzehntelang musste Sienna Miller gegen das Etikett des «hübschen It-Girls» anspielen und darum kämpfen, als Schauspielerin ernst genommen zu werden. Spätestens mit der Netflix-Serie «Anatomy of a Scandal» gelang ihr 2022 ein viel beachteter Neustart. Schon dort spielte sie eine Frau, deren Ehe vor den Augen der Öffentlichkeit zerbricht. Mit «War» greift sie dieses Motiv nun erneut auf – diesmal als Filmstar, dessen Trennung selbst zum öffentlichen Spektakel wird.
Nicht nur beruflich, auch privat wirkt Miller heute sehr befreit und selbstbestimmt. Mit Anfang 40 wurde sie noch einmal Mutter, im vergangenen Mai kam ihr drittes Kind zur Welt. Mit dem Vater ihrer zwei jüngeren Kinder, Oli Green, 29, ist sie inzwischen verlobt.
Liebe scheint nach wie vor ein zentrales Thema in Millers Leben zu sein. Vielleicht interessiert sie bei «War» gerade deshalb weniger der spektakuläre Rosenkrieg als die Frage, was mit einer Liebe passiert, wenn sie in einer hässlichen Trennung plötzlich gegen die Beteiligten verwendet wird. «Das Traurige ist doch, dass man während einer Scheidung wieder zu den zärtlichen Momenten einer Beziehung zurückkehren muss», sagt sie. «Und dann werden diese unschuldigen, reinen Momente wieder hervorgeholt und neu durchgekaut, nur um vor Gericht einen Punkt zu gewinnen. Das muss schlicht furchtbar sein.»
Zwanzig Jahre, nachdem ihr eigenes Liebesleben weltweit zur öffentlichen Geschichte wurde, spielt Sienna Miller nun eine Frau, deren Beziehung ebenfalls vor aller Augen zerlegt wird. Nur eines ist heute anders: Diesmal bestimmt sie mit, wie die Geschichte erzählt wird.