Schwarzer Humor pur
Die Kult-Satire «Braunschlag» feiert grosses Comeback im Retro-Look

Regisseur David Schalko bringt mit «Braunschlag 1986» eine bitterböse Satire zurück. Bürgermeister Tschach verordnet digitales Detox und eine Zeitreise ins Jahr 1986 – ein Rückzug voller Neonfarben, Vokuhilas und schwarzem Humor.
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Nach 14 Jahren kehrt die Kultserie «Braunschlag» zurück.
Foto: ORF

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • «Braunschlag 1986»: Fortsetzung der Kultserie startet mit schwarzem Humor und Nostalgie
  • Bürgermeister Tschach erklärt 1986 zur Gegenwart – politisch unkorrekt und skurril
  • ABC sicherte Remake-Rechte, Original-Serie erreichte in Österreich Topquoten
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Mischa Christen
Tele

Vierzehn Jahre sind vergangen, seit in der achtteiligen Serie «Braunschlag» (2012) das gleichnamige Kaff in Niederösterreich pleiteging. Bürgermeister Gerri Tschach (Robert Palfrader) inszenierte rasch eine Marienerscheinung, um Pilger und vor allem ihr Geld anzulocken. Die schwarzhumorige Provinzposse holte in Österreich Topquoten, die auch in den USA registriert wurden: Der TV-Sender ABC hat sich die Remake-Rechte gesichert. Zurück nach Braunschlag.

Nach dem getürkten Wunder kam der GAU: Ein Atomunfall machte die Gegend unbewohnbar. Alle ergriffen die Flucht. Alle? Nicht ganz. Bürgermeister Tschach und sein dauerbesoffener Spezi, Discobetreiber Richard Pfeisinger (Nicholas Ofczarek), hielten die Stellung. Heute ist die Strahlung zwar weg, aber auch die Perspektive. Eine neue Idee muss her. So dekretiert Bürgermeister Tschach in der zweiteiligen Fortsetzung «Braunschlag 1986» den kollektiven Rückzug in ein goldenes Gestern: Es gilt offiziell das Jahr 1986.

In Braunschlag regiert die politische Unkorrektheit

Der Plot ist so herrlich behämmert wie Robot Dance in der Dorfdisco. «Kein Internet, kein Handy, kein Corona, kein Facebook, kein Kaffee mit Schaum», sinniert Tschach, der die Moderne nicht nur ablehnt, sondern wegsäuft. «Wir brauchen keine KI. Wir wollen eine Welt, die man kapiert. Weiber sind Weiber, ein Eskimo ist ein Eskimo.» Dass dieser kollektive Rückwärtsgang und die ultimative Form von digitalem Detox das Wahlvolk aufwühlt, versteht sich von selbst. Während draussen die Welt mit KI und Robotern ringt, regiert in Braunschlag wieder das Analoge, die Vokuhila-Frisur und die politische Unkorrektheit.

Man darf sich auf ein Wiedersehen mit weiteren Mitgliedern der Stammbelegschaft freuen – darunter auch Nina Proll als Gattin von Richard, die mit einer nicht mehr ganz so kleinen Überraschung im Gepäck anreist. Palfrader gibt Tätschmeister Tschach mit jener Haarpracht, über die er selber sagt: «Ich war heilfroh, als ich nach dem Dreh zum Friseur durfte. Sie werden sehen, warum!» Wobei diese Aussage aus dem Mund von Ofczarek noch viel mehr Sinn machen würde. Sie werden sehen, warum!

Ofzcazerk gibt den dauerbekifften Zyniker

Und Ofzcazerk ist es auch, der perfektioniert, was er schon im Krimihit «Der Pass» meisterhaft zelebrierte: den versoffenen und nun auch noch dauerbekifften Zyniker, der das Leben nur durch einen Nebeldunst aus Rau(s)ch und Verachtung erträgt. Während die Schauspieler gealtert sind, bleiben ihre Figuren im selben moralischen Sumpf stecken, in dem sie schon 2012 wateten. Es ist exakt diese Verweigerung von Wachstum, die den Charme der Serie ausmacht. Während das Dorf mit Schulterpolstern und in Neonfarben zu Sandras «Maria Magdalena» wippt, wappnet sich der dunkelhäutige Pfarrer gegen die Geister der Intoleranz.

Und wenn der Dorftrottel Rettung auf dem Planeten Blax verheisst, wirkt das in Braunschlag fast schon als vernünftige Alternative. Regisseur und Autor David Schalko (53) zimmert seine Fortsetzung stabil auf den Fundamenten des Vorgängers. «Braunschlag 1986» ist eine bitterböse, sehr österreichische Parabel über Fortschrittsangst, Provinzstolz und die Sehnsucht nach einer einfach gestrickten Welt. Wer Staffel 1 geliebt hat, wird diesen exzessiven Nachschlag verschlingen. Vorausgesetzt, dass man eine Vorliebe für den abgründigen österreichischen Humor hat.

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