Darum gehts
- Rick Astley begeistert an Baloise Session mit «Never Gonna Give You Up»
- Sein Comeback-Album 2016 erreichte Platz 1 der britischen Charts
- Über 1 Milliarde Streams und 15 Millionen verkaufte Alben weltweit
Die Musikwelt staunt, als er 1987 mit «Never Gonna Give You Up» die Charts stürmt. Wie kann aus diesem schmächtigen, rothaarigen Burschen aus der englischen Grafschaft Lancashire eine derart kraftvolle Soulstimme kommen? Der Song wird in 25 Ländern zur Nummer eins, das Debütalbum «Whenever You Need Somebody» verkauft sich über 15 Millionen Mal.
Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Näher dran – an Stars, Royals und Menschen mit Geschichten. Hier gehts zum Abo!
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Vier Jahrzehnte später wird aus dem ehemaligen Teenieschwarm ein Internetphänomen: Rickrolling macht ihn zur Kultfigur. Dabei werden User durch Vortäuschung einer wichtigen Information auf Astleys Musikvideo geleitet. Inzwischen verzeichnet er über eine Milliarde Streams! Das Erstaunlichste an dieser Karriere ist der Mensch dahinter: ein Weltstar, der sich selbst nie allzu wichtig genommen hat.
Rick, bei Ihrem Konzert an der Baloise Session kam das Highlight zum Schluss: «Never Gonna Give You Up». Macht es Spass, die Hits von früher zu singen?
Rick Astley: Ja, weil ich heute eine andere Beziehung dazu habe. Als ich diese Songs aufnahm, war ich 20 und im Leben total unerfahren. Jetzt blicke ich mit den Gedanken und Gefühlen eines 60-jährigen Mannes darauf zurück. Da schwingt eine Menge Nostalgie mit – bei mir und beim Publikum.
Die Achtzigerjahre erleben gerade ein grosses Revival. Waren es bessere Zeiten?
In mancher Hinsicht schon. Sie waren unschuldiger. Heute wachst du morgens auf, schaust auf dein Handy und weisst alles, was irgendwo auf der Welt passiert ist. Ständig prasseln Informationen auf dich ein. Damals war das entspannter – auch in der Musik.
Inwiefern?
Ich habe manchmal das Gefühl, dass es heute fast zu viel Musik gibt. Früher war es aufwendig, eine Platte aufzunehmen. Wenn du neue Musik entdecken wolltest, musstest du in den Plattenladen gehen oder einen speziellen Radiosender hören. Heute geht alles viel schneller. Mit moderner Technologie machen viel mehr Menschen Musik. Musik ist überall und ständig zugänglich – manchmal ein bisschen too much. Allerdings: Es ermöglicht auch grossartigen Künstlerinnen und Künstlern grosse Karrieren, ohne dass sie auf der Titelseite jedes Magazins erscheinen. Das finde ich cool.
Bei Ihnen war das anders. Mit 21 wurden Sie über Nacht zum Superstar. Sechs Jahre später war plötzlich Schluss. Warum?
Ich hatte genug. Das Musikgeschäft bestimmte bei mir alles. Als meine Tochter geboren wurde, dachte ich: Es gibt noch andere Dinge im Leben.
Was haben Sie nach Ihrem Rückzug gemacht?
Zuerst einmal gar nichts. Meine Frau und ich hatten ein kleines Kind, ich hatte Geld verdient und musste mir keine Sorgen machen. Das war ein unglaubliches Glück. Wir waren zu Hause, verbrachten Zeit in Dänemark, wo meine Frau herkommt, machten Ferien und trafen Freunde. Irgendwann richtete ich mir in London ein Studio ein und versuchte, für andere Künstler Songs zu produzieren. Aber das war schwieriger, als ich dachte.
Mit 50 haben Sie dann ein neues Album aufgenommen.
Ja, in meiner Garage. Ich habe alle Instrumente selbst gespielt. Nicht für eine Plattenfirma, sondern für mich. Ich wollte zeigen, was ich noch draufhabe. Dann wurde das Ding tatsächlich Nummer eins in England. Verrückt, oder?
Was bedeutet Ihnen dieser Erfolg?
Sehr viel. Ich hatte endlich wieder das Gefühl, musikalisch etwas zu riskieren. Wenn du immer nur deine alten Hits singst, wird es ein bisschen zu bequem.
Trotzdem werden Sie «Never Gonna Give You Up» nie los.
Das will ich auch gar nicht! Dieser Song begleitet mich seit fast 40 Jahren. Ich habe damit so viele Erinnerungen gesammelt.
Und wenn Sie am Konzert einen neuen Song spielen?
Dann gehen manche Leute aufs WC. Aber das verstehe ich vollkommen. Ich würde wahrscheinlich dasselbe tun.
Was verbindet Sie mit der Schweiz?
Ich war oft zum Skifahren in Zermatt und Verbier. Auch am Genfersee sind wir immer wieder, weil dort eine alte Freundin meiner Frau lebt. Ausserdem fahren wir viel durch die Schweiz. Weil ich nicht gerne fliege, nehme ich meistens das Auto – übrigens auch jetzt nach Basel. Auf dem Weg nach Italien durchquere ich deshalb oft die Schweiz. Auch wenn es vielleicht ein bisschen kitschig klingt: Für mich hat die Schweiz etwas Märchenhaftes.
Werden Sie als Popstar erkannt?
Selten. Denn beim Skifahren trage ich meistens einen Helm.
Hat der Ruhm Sie verändert?
Ich glaube schon. Aber vielleicht anders, als die Leute denken.
Wie meinen Sie das?
Wenn die Scheinwerfer angehen oder du auf einem roten Teppich stehst, ist der Ruhm sehr real. Aber in einem kleinen Laden in Notting Hill? Oder irgendwo in der Schweiz? Da ist er plötzlich völlig bedeutungslos.