Darum gehts
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Dunkelbraun, warm und würzig. Priscilla Presley blickt erstaunt auf, nachdem sie den ersten Löffel ihrer Suppe gekostet hat. «Was ist das?», fragt sie ihre Tischnachbarin. «Mehlsuppe», antwortet Jacqueline Raphael (63). «Eine lokale Spezialität.» Die Präsidentin des Schweizer Elvis-Show-Fanclubs hat die ehemalige Ehefrau des King of Rock ’n’ Roll zum Zmittag ins Restaurant Sonne in Bottmingen BL eingeladen. Die beiden Frauen kennen sich seit Jahren und gehen vertraut miteinander um. «Du musst mir verraten, wie man sie zubereitet», raunt Priscilla Jacqueline zu. Dann löffelt sie ihren Teller restlos aus.
Die 81-Jährige ist nicht aus purer Freundschaft oder wegen der bodenständigen Basler Küche in die Schweiz gereist. Sie tourt mit einem Bühnenprogramm durch Europa, um ihre Erinnerungen an Elvis Presley mit seinen Fans zu teilen.
Der Star und das Mädchen
Als Priscilla Elvis 1959 kennenlernte, war er längst ein Star. Allerdings musste er seine Karriere unterbrechen, um seinen Militärdienst in Deutschland zu leisten. Dort war auch Priscillas Stiefvater stationiert. Weil sich Priscilla fern der Heimat einsam fühlte, lud ein Freund des Sängers sie zu einer Hausparty ein. Am Abend des Kennenlernens war Priscilla erst 14 Jahre alt, Elvis zehn Jahre älter. Der erste Kuss folgte beim dritten Treffen. Dennoch betont Priscilla bis heute, sie hätten in jenen frühen Jahren keine sexuelle Beziehung, sondern eine von tiefem Vertrauen geprägte Freundschaft geführt.
1967 heirateten die beiden in Las Vegas und wurden kurz darauf Eltern einer Tochter. Doch das Familienglück hielt nicht lange. Priscilla beschreibt das Leben auf Elvis’ Anwesen Graceland in Memphis als sorgenfrei, aber realitätsfremd. «Er las mir und seinen Freunden jeden Wunsch von den Augen ab.» Als sie sich ein Pferd wünschte, bekam sie eins. Doch weil sie bald täglich ausritt, wurde Elvis eifersüchtig. Also kaufte er sich ebenfalls ein Reittier, um sie begleiten zu können. Videos aus der Zeit zeigen junge Menschen beim Baden, Reiten und Spielen. Es wird viel gelacht.
Priscilla lebte auf Graceland von den Sorgen des alltäglichen Lebens so abgeschirmt, dass sie bis weit ins Erwachsenenalter nie eine Rechnung selbst bezahlen oder einen Scheck ausfüllen musste. Dafür zog sie Kleider an, die ihrem Mann gefielen, und setzte immer ein glückliches Gesicht auf, weil er das so mochte an ihr. «Irgendwann merkte ich, dass ich sein Leben führte, nicht mein eigenes.» 1973 zog sie einen Schlussstrich und liess sich scheiden, um ihren eigenen Lebensweg zu finden. «Unsere Beziehung endete, unsere Liebe nicht. Wir waren wohl das einzige Paar, das Hand in Hand vor dem Scheidungsrichter erschien.»
Erinnerungen an die Schweiz
Auf der Bühne hat sie diese Geschichte schon oft erzählt. Die Schweiz ist für sie dennoch ein besonderer Zwischenhalt. «Es ist schön, wieder hier zu sein. Das weckt wunderbare Erinnerungen.» Vor vier Jahren reiste sie schon einmal für längere Zeit an: Ihr Sohn aus einer späteren Beziehung, Navarone Garibaldi (39) heiratete damals die Bernerin Elisa Achilli auf Schloss Hünigen bei Konolfingen BE. Mehrere Tage verbrachte Priscilla im Emmental.
Das junge Ehepaar lebt inzwischen getrennt, wie Navarone gegenüber der Schweizer Illustrierten bestätigt, die schönen Erinnerungen aber sind geblieben. «Alles hier ist ein wenig kleiner und gemütlicher, das gefällt mir», schwärmt Priscilla. «Die Schweiz hat eine ganz besondere Atmosphäre.»
Navarone begleitet seine Mutter auf dieser Reise. Äusserlich könnten sie kaum unterschiedlicher sein: Sie ist zierlich und elegant, er gross und auffällig tätowiert. Im Umgang mit anderen zeigen sich jedoch Gemeinsamkeiten. Beide sprechen leise, beinahe zurückhaltend. Und wenn Fans sie ansprechen, nehmen sie sich Zeit, begegnen ihnen freundlich, aufmerksam und geduldig.
«Die gemeinsame Zeit tut uns gut», sagt Navarone. «Auch wenn wir oft von Fans umgeben sind, erleben wir ganz besondere Momente zusammen.» Priscilla nickt und streicht ihm liebevoll über den Rücken. Dass ihr Sohn heute an ihrer Seite steht, ist für sie keine Selbstverständlichkeit. Jahrelang kämpfte der Musiker und Modedesigner mit einer Drogensucht. «Unsere enge Bindung rührt daher, dass mich meine Mutter immer bedingungslos liebte und akzeptierte, wie ich bin.» Als die beiden nach dem Mittagessen zum Wagen gehen, der sie zurück ins Hotel Hyperion am Messeplatz bringen wird, hakt sich Priscilla bei ihrem Sohn ein und legt den Kopf an seine Schulter. Er gibt auch ihr Halt.
Priscilla Presley hat schwere Jahre hinter sich. 2020 verlor sie ihren Enkel Benjamin Keough durch Suizid. Ein Jahr später musste sie dessen Mutter zu Grabe tragen. 2023 starb Lisa Marie Presley, das einzige gemeinsame Kind mit Elvis, im Alter von 54 Jahren an den Folgen einer früheren Operation. «Die Wunden verheilen nicht. Aber ich habe meinen Sohn und meine Enkelkinder. Für sie will ich nach vorne schauen und da sein.» Lisa Marie hinterliess drei Töchter: Schauspielerin Riley Keough (37) und die Zwillinge Harper und Finley Lockwood (18).
Auch der Tag, an dem sie vom Tod ihres Ex-Mannes erfuhr, gehört zu den schmerzhaftesten Momenten ihres Lebens. Am 16. August 1977 weilte Priscilla in Los Angeles, ihrem heutigen Wohnort. Sie flog sofort nach Memphis. «In diesem Moment brach für mich und Lisa Marie eine Welt zusammen.»
Am Ende ein Anfang
Als Elvis’ Leben endete, stand Priscilla erst am Anfang ihres eigenen Weges. Sie hatte in Los Angeles eine Boutique eröffnet und lernte, mit Geld umzugehen. Durch Rollen in «Dallas», den drei «Die nackte Kanone»-Filmen und weiteren Produktionen baute sie sich eine Hollywoodkarriere auf. Nach dem Tod von Elvis’ Vater Vernon übernahm sie 1979 die Mitverantwortung für den Nachlass ihres Ex-Mannes. Das Anwesen Graceland war finanziell in Schieflage geraten. Dank ihres Einsatzes wurde es jedoch 1982 für Besucherinnen und Besucher geöffnet und entwickelte sich zu einem der meistbesuchten historischen Wohnhäuser der USA. Die Kritik, Priscilla Presley habe sich ein Leben lang an ihrer kurzen Ehe mit Elvis bereichert, taucht immer wieder auf. Dass sie mit 81 Jahren noch immer im Scheinwerferlicht über den Mann spricht, den sie einst verliess, um ihr eigenes Leben zu führen, sieht sie allerdings als Dienst an den Menschen, die ihn verehren.
Eine letzte Frage sei erlaubt: «Jetzt mal ehrlich, Frau Presley: Wenn Elvis noch lebt, verraten Sie uns, wo?» Sie lacht. «In meinem Herzen. Und in den Herzen seiner Fans.» Und sie hofft auf ein Wiedersehen: «Ich glaube an ein Leben nach dem Tod. Es wäre schön, Elvis dort zu begegnen.»