Darum gehts
- Michael B. Jordan gewinnt Oscar als «Bester Hauptdarsteller»
- Norwegischer Film «Sentimental Value» als «Bester internationaler Film» ausgezeichnet
- Timothée Chalamet und «Marty Supreme» gehen leer aus
«One Battle After Another» heisst der Film, den man sich spätestens nach der Oscar-Verleihung, die in der Nacht von Sonntag auf Montag in Los Angeles stattfand, unebdingt ansehen muss. Dass Neo-Western-Drama von Paul Thomas Anderson (55) holte sich sechs Goldmännchen, unter anderem den wichtigsten Preis als bester Film. Als bester Hauptdarsteller wurde allerdings nicht Leonardo DiCaprio (51) geehrt – Michael B. Jordan (39) holte sich die begehrte Trophäe für seine Darstellung in der Horror-Satire «Sinners».
Das viel diskutierte Pingpong-Drama «Marty Supreme» um Senkrechtstartet Timothée Chalamet (30) fiel bei der Academy allerdings komplett durch – es gab keinen einzigen Oscar. Die komplette Übersicht siehst du hier.
Nur selten politisch
Beizeiten wurde es bei den 98. Oscars etwas politisch, doch die direkten Schläge blieben aus. Die Seitenhiebe waren da, doch geschickt verpackt, sodass man den entsprechenden Personen nichts vorwerfen kann, denn Namen wurden nie genannt. Auch auf dem Teppich blieb es überraschend brav, auf ausgefallene Outfits musste man warten. Natürlich war das eine oder andere hässliche Kleid dabei, aber Aufreger fehlten auch hier.
Geschichte wurde trotzdem geschrieben. Zum einen wurde erstmals ein Oscar in der Kategorie «Bestes Casting» verliehen. Viel wichtiger jedoch: Zum allerersten Mal in der Geschichte der Academy Awards gewann eine Frau den Oscar in der Kategorie «Beste Kamera». Ihr Name: Autumn Durald Arkapaw. Ausserdem erhielt «Sentimental Value» einen Oscar in der Kategorie «Bester internationaler Film» – der erste norwegische Film, dem diese Ehre zuteil wird.
Kein einziger Oscar für Timothée Chalamet
Und warum verschmähte die Academy Goldjunge Chalamet? War es seine Aussage über Oper und Ballett? Oder ist es der Kardashian-Fluch, der ihn nun doch trifft? Moderator Conan O’Brien liess es sich nicht nehmen, Chalamet durch den Kakao zu ziehen und erklärte in seinem Eröffnungsmonolog, dass es «Bedenken hinsichtlich möglicher Angriffe sowohl aus der Opern- als auch aus der Ballettszene» gebe. An Chalamet gewandt ergänzte der Moderator dann: «Die sind nur sauer, dass du den Jazz vergessen hast!» Zudem machte er sich über die alternative Halbzeitshow des Super Bowls lustig und sagte: «Es könnte heute Abend politisch werden», weshalb es vorsichtshalber eine alternative Oscarverleihung, moderiert von Kid Rock, gebe.
Auch die Epstein-Akten wurden von O’Brien aufgegriffen, ebenso wie Ex-Prinz Andrew. Der Moderator erwähnte, dass zum ersten Mal seit zwölf Jahren kein britischer Schauspieler oder Schauspielerin für den Oscar als «Bester Hauptdarsteller» oder «Beste Hauptdarstellerin» nominiert wurde. «Ein britischer Sprecher sagte ‹Ja, nun, wenigstens verhaften wir unsere Pädophilen›». Am Ende liess sich O’Brien von Josh Groban als Gott besingen und zum König krönen. Eine Anspielung auf Trump? Namen wurden zumindest keine genannt.
Sowohl Conan O’Brien als auch einige der Präsentierenden machten immer wieder auf die Gefahr von künstlicher Intelligenz aufmerksam, die den Filmschaffenden das Leben immer schwerer macht. O’Brien witzelte gar, dass er der «letzte menschliche Moderator» der Oscars sei. Auch der Umstand, dass ab 2029 die Verleihung nur noch auf Youtube übertragen wird, wurde von O’Brien humorvoll aufgenommen – auch wenn die Begeisterung bei den Fans über seine Moderation ausblieb.
Die diesjährigen Oscars kann man vorsichtig als brav bezeichnen, gelinde gesagt waren sie fast ein wenig langweilig. Da wünscht man sich beinahe eine Ohrfeige à la Will Smith zurück.