Darum gehts
- Michelle beendet ihre Karriere am 15. Februar mit letztem Konzert
- Nach harter Kindheit und Erfolgen setzt sie auf Familie und Spiritualität
- Über 100'000 Kilometer jährlich im Tourleben sind ihr zu viel
«Ich will einfach ganz normal Tanja sein». Das sagt Schlagersängerin Michelle, bürgerlich Tanja Hewer, in der MDR-Talkshow «Riverboat». Am 15. Februar, ihrem 54. Geburtstag, wird sie ihr allerletztes Konzert spielen, ihre Karriere an den Nagel hängen und einfach nur Tanja sein. Den Entscheid habe sie sich gut überlegt, es sei ein Prozess, der sich über eine lange Zeit hin entwickelt habe.
«Es ist schon über die Jahre so gewesen, dass ich gespürt habe, dass ich diese Reiserei nicht mehr möchte. Wir fahren über 100'000 Kilometer im Jahr auf der Autobahn, sind permanent in anderen Hotels». Das wolle sie nicht mehr. Zudem habe sie drei gesunde Töchter, wobei die älteste mittlerweile selbst Mutter sei. «Das heisst, ich bin jetzt Oma und ich finde, jetzt haben andere Dinge Priorität für mich», so die Sängerin.
Wegen ihres Enkelkindes habe sie auch gemerkt, wie schnell die Zeit wirklich vergehe, ja regelrecht renne, und dabei sei ihr aufgefallen, dass sie selbst zu wenig Zeit mit ihren Töchtern verbracht habe. Trotz Kinderfrau und guter Organisation sei es stets ein Spagat gewesen als alleinerziehende Mutter von drei Kindern.
«Wurde halb totgeschlagen, meine Mama war Alkoholikerin»
Ihre neugewonnene Zeit will sie daher unter anderem auch ihren Liebsten widmen. «Ich möchte mich mehr um mich kümmern, um die Dinge, die mich persönlich angehen. Dazu gehört natürlich auch meine Familie.» Zudem möchte sie einfach sich selbst sein, «keine Wimpern mehr, kein Haarefärben mehr, keine High Heels mehr».
Auf der faulen Haut wird sie allerdings auch nach ihrem Rücktritt nicht liegen. «Ich mache natürlich etwas. Viel mit Heilung und mit Spiritualität», so die Sängerin. Die Spiritualität begleitet sie bereits seit einiger Zeit durchs Leben. Dank ihr konnte sie auch ihre schlimme Kindheit – «Ich selbst habe auf der Strasse gelebt, wurde halb totgeschlagen, meine Mama war Alkoholikerin» – verarbeiten. Ihren Eltern hat sie mittlerweile gar verziehen.
Auch in der Liebe hat die Sängerin nach vielen Fehlschlägen endlich ihr Glück gefunden. Seit drei Jahren ist sie mit dem Berufskollegen Eric Philippi (29) zusammen und «sehr, sehr, glücklich». «Man bekommt das, was man sucht. Ob einem das bewusst ist oder nicht. Wenn man tatsächlich irgendwo in seinem Prozess noch feststeckt, dann werden es meist die Männer, die einem nicht guttun. Er füllt etwas, was in einem noch leer ist. Wenn man das aber selbst gefüllt hat, dann braucht man das nicht mehr.»