Darum gehts
- Bastian Baker und Viola Tami proben in Zürich für «Keep Cool»
- Baker debütiert als Schauspieler, Tami ist dreifache Wakesurf-Meisterin
- Über 500'000 Zuschauer erlebten «Keep Cool» schon in 625 Aufführungen
Noch stehen Bastian Baker (35) und Viola Tami (45) trocken am Ufer in Zürich-Wollishofen. Bevor am Nachmittag die Proben fürs Musical «Keep Cool» anstehen, tauschen Sänger und Moderatorin das Mikrofon gegen das Surfbrett. Hier sind die Rollen klar verteilt: Tami ist dreifache Schweizer Meisterin, Baker fährt zum Spass. «Ich muss nicht immer der Beste sein», sagt er augenzwinkernd.
Seit einigen Wochen verbringen Tami und Baker bei den Musicalproben fast täglich Zeit miteinander, entsprechend eingespielt sind inzwischen ihre Sticheleien. Das dürfte ihnen auch auf der Bühne zugutekommen. In «Keep Cool» verkörpert Baker den charmanten, etwas grossspurigen Keep Cool, Tami dessen schlagfertige Gegenspielerin Claire. Das Musical war bereits in den 90er-Jahren ein Schweizer Publikumserfolg: In mehr als 625 Vorstellungen sahen es über eine halbe Million Menschen. Für die Neuauflage hat der Autor und Komiker Marco Rima die Geschichte an die heutige Zeit angepasst.
Eine neue Rolle für Baker
Bastian Baker steht erstmals in einer grossen Schauspielrolle auf der Bühne. Nervös mache ihn das nicht. Im Gegenteil: «Im Moment ist es ein Spielplatz für mich.» Er probiere sich an Mimik, Timing und Stimme aus. Trotzdem wolle er nichts dem Zufall überlassen: «Ich möchte auf die Bühne gehen können mit 100 Prozent Selbstvertrauen.»
Auf die Idee, Schauspieler zu werden, kam Baker nicht selbst. Den Anstoss gab Marco Rima, 65. Die beiden lernten sich 2020 bei «Art on Ice» kennen und verstanden sich auf Anhieb. Als Rima sein Kultmusical als Produzent, Co-Regisseur und damaliger Hauptdarsteller neu auflegte, dachte er sofort an Baker. Rima kopieren wolle Baker nicht: «Ich versuche, mehr von meiner Persönlichkeit hineinzubringen. Ein bisschen weniger Macho, mehr den Herzigen.»
Beim Thema Macho sind sich Tami und Baker einig. «Eine gewisse Männlichkeit finde ich schon cool bei einem Mann. Aber für den typischen Macho bin ich wohl zu emanzipiert», so Tami.
Sprachlich ist die Rolle für Bastian Baker eine Herausforderung: Der Romand spielt auf Hochdeutsch und holt sich bei Tami gelegentlich Hilfe bei sprachlichen Feinheiten. Dafür hat er umso fleissiger auswendig gelernt. «Bastian ist immer top vorbereitet. Man merkt, dass er sich seit vielen Monaten intensiv mit seiner Rolle beschäftigt.»
Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Näher dran – an Stars, Royals und Menschen mit Geschichten. Hier gehts zum Abo!
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Seit über 20 Jahren steht Tami als Schauspielerin, Sängerin und Tänzerin auf der Bühne. Bei Baker beobachtet sie während der Proben vor allem eines: viel Natürlichkeit. «Bastian hat ein grosses Talent. Er geht sehr natürlich an alles heran und ist tiefenentspannt.» Deshalb glaubt sie: «Ich bin überzeugt, dass das nicht das Letzte gewesen ist, was er als Schauspieler machen wird.»
Inzwischen kennt Tami nicht nur Bakers Text, sondern auch seine kleinen Marotten: «Er schafft es einfach nicht, ohne Kleckern zu essen. So kommt es, dass er sich jeden Tag sein Outfit versaut. Lustigerweise trägt er immer weisse T-Shirts. Das macht für mich absolut keinen Sinn!»
Vor «Keep Cool» hatten die beiden zwar bereits beruflich miteinander zu tun, privat kannten sie sich aber kaum. «Ich finde es angenehm mit Bastian. Wir haben einen ähnlichen Humor.» Baker gibt das Kompliment zurück, er schätzt besonders Tamis Erfahrung: «Ich schaue ihr wirklich ganz genau zu. Ich weiss, sie ist gut. Davon lasse ich mich inspirieren.»
Ihre Figuren kommen sich im Musical auch körperlich näher. Ob die Chemie stimmt? «Gar kein Problem», sagt Baker. «Unsere Energien funktionieren zusammen.» Über seinen privaten Beziehungsstatus möchte der Sänger hingegen nicht sprechen. Tami, die schon oft Liebesszenen gespielt hat, weiss, dass die Chemie auf der Bühne keine Selbstverständlichkeit ist: «Gewisse Dinge kannst du auch auf der Bühne nicht erzwingen.»
Meisterin trifft Allrounder
Abseits des Musicals verbindet die zwei vor allem ihr Bewegungsdrang. Tami entdeckte das Wakesurfen vor sieben Jahren. Nach der Geburt ihrer zwei Söhne mit Ehemann Roman Kilchsperger (56) hatte sie mit dem Tanzen aufgehört und suchte nach einem neuen Ausgleich. «Ich brauchte einen Sport, der mich genauso glücklich macht. Und dann, bum, war er da.» Heute trainiert sie bis zu fünfmal pro Woche.
Baker fand weniger gezielt aufs Brett. Ein Kollege nahm ihn auf dem Genfersee mit und verkündete: «Heute wollen wir nicht nur Bier trinken, wir machen ein bisschen Sport dazu.» Seither gehört auch Wakesurfen zu Bakers langer Liste sportlicher Hobbys: Tennis, Hockey, Skifahren, Bergsteigen, Skydiven. Beim Wakesurfen reiche ihm, wenn nach zehn Versuchen einmal eine komplette Drehung auf dem Brett gelingt: «Dann bin ich für zwei Wochen glücklich!»
Tami traut ihm durchaus mehr zu. Ob Baker also irgendwann selbst um den Schweizer-Meister-Titel fährt? «Mal schauen, ob ich mich anmelde!» Die passende Trainerin hätte er jedenfalls schon.