Jennifer Garner im Interview
«Natürlich gibt es die oberflächliche Seite»

Im exklusiven Interview spricht Hollywoodstar Jennifer Garner unkompliziert und offen über das Älterwerden, die Kraft langjähriger Freundschaften – und darüber, warum Vergebung die wohl mutigste Form der Liebe ist.
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Herzensfrau: Kaum ein Filmstar wird in Hollywood so sehr mit Wärme und Loyalität in Verbindung gebracht wie Jennifer Garner.
Foto: GC Images

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Jennifer Garner spielt Hauptrolle in «The Five-Star Weekend» ab 25. Juli
  • Rolle zeigt starke Frauenfreundschaften in Krisenzeiten, inspiriert durch eigenes Leben
  • Serie basiert auf Bestsellerroman von Elin Hilderbrand, verfügbar auf Sky
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Patricia Broder
Schweizer Illustrierte

Manche Schauspielerinnen wirken im Gespräch so nahbar, dass man für einen Moment beinahe vergisst, mit einem Hollywoodstar zu sprechen. Jennifer Garner ist so eine. «Wissen Sie, wir haben bei den Dreharbeiten einfach nicht mehr aufgehört, miteinander zu reden», erzählt sie und lacht dabei laut auf. «Die Regieassistenten mussten uns regelrecht zurück ans Set beordern.» Die US-Amerikanerin spricht über ihre neue Serie «The Five-Star Weekend». Die Verfilmung des Bestsellerromans von Elin Hilderbrand ist ab dem 25. Juli auf Sky zu sehen. Die «Schweizer Illustrierte» traf die 54-Jährige zum exklusiven Interview.

Ihre Figur Hollis Shaw verliert ihren Mann und sucht danach Halt bei ihren engsten Freundinnen. Jennifer Garner, was hat Sie an dieser Rolle gereizt?
Ich wäre ehrlich gesagt richtig wütend gewesen, wenn jemand anderes diese Rolle gespielt hätte (lacht). Es fühlte sich an, als wäre sie für mich geschrieben worden. Es gibt leider nicht viele Rollen für Frauen in ihren Fünfzigern, in denen sie attraktiv sein dürfen, sich verlieben und gleichzeitig von so grossartigen Schauspielerinnen umgeben sind. Für mich war sofort klar, dass ich sie annehme.

Hollis lädt vier Freundinnen aus verschiedenen Lebensphasen zu sich ein. Warum sehnen wir uns in Krisenzeiten nach Menschen, die uns schon kannten, bevor das Leben kompliziert wurde?
Ich glaube, wir sehnen uns nach den Versionen von uns selbst zurück, als das Leben noch einfacher war. Als ich jung war, drehte sich alles ums Ballett, auch am College hatte mein Leben einen klaren Mittelpunkt. Wenn man älter wird, kommen immer mehr Rollen dazu. Da ist es umso wertvoller, zu Menschen zurückkehren zu können, mit denen Freundschaft einfach bedeutete, zusammen Bananenbrot zu backen oder durchs Einkaufszentrum zu schlendern. Gemeinsame Geschichte ist so kostbar.

Gerade Frauenfreundschaften scheinen mit fünfzig noch einmal eine neue Tiefe zu bekommen.
Absolut. Tatsächlich habe ich zum ersten Mal mit so vielen Schauspielerinnen gleichzeitig gearbeitet. Meistens gibt es am Set nur eine Frau – diesmal waren wir fünf. Und was für eine Liebesgeschichte das zwischen uns wurde! Wir führten ständig tiefe Gespräche. Wenn die Regieassistenten riefen: «Wir sind bereit!», sagten wir nur: «Aber wir reden gerade! Wir brauchen noch drei Minuten!»

Haben Sie selbst noch Menschen an Ihrer Seite, die Sie seit Ihrer Jugend begleiten?
Oh ja! Ich habe eine beste Freundin aus der Highschool, mit der ich meinen Standort auf dem Handy teile. Ausserdem Freundinnen aus meiner Kindheit in West Virginia, aus dem College, aus New York, aus der Zeit, als ich Mutter wurde, und aus meiner Karriere. Jede kennt einen anderen Teil von mir.

Artikel aus der «Schweizer Illustrierten»

Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Näher dran – an Stars, Royals und Menschen mit Geschichten. Hier gehts zum Abo!

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Je länger Jennifer Garner über Freundschaft spricht, desto wärmer werden ihre Antworten. Und desto deutlicher wird: Loyalität ist für sie nicht bloss ein schönes Ideal, es ist gelebte Haltung. Viele Menschen, denen sie im Laufe ihrer Karriere begegnet ist, gehören bis heute zu ihrem engsten Kreis. So verbindet sie mit Schauspielkollegin Judy Greer («30 über Nacht», 2004) oder auch mit Hollywoodstar Bradley Cooper («Alias – Die Agentin», 2001) seit Jahrzehnten eine enge Freundschaft. 

Hollywood gilt als schillernd – aber auch als oberflächlich. Wie schafft man es, in diesem Business echte Beziehungen zu bewahren?
Natürlich gibt es die oberflächliche Seite. Schauen Sie mich an – der Schmuck ist geliehen, Haare und Make-up wurden professionell gemacht. Wir kennen alle den Glamour. Aber meine persönliche Erfahrung nach fast 30 Jahren ist eine andere. Vielleicht hatte ich einfach grosses Glück, aber ich habe am Set fast nie schlechte Erfahrungen gemacht. Künstler sind neugierige, offene und unglaublich empathische Menschen. Ich fühle mich sehr privilegiert, mit ihnen arbeiten zu dürfen.

Viele Ihrer Rollen – angefangen bei «Alias – Die Agentin» bis zu Ihrer aktuellen Produktion – erzählen von starken Frauen, die andere Frauen stärken. Suchen Sie gezielt nach solchen Figuren?
Ja. «Alias» hat mich als Mensch komplett verändert. Sydney Bristow zu spielen, hat mich stärker gemacht. Aber genauso wichtig sind die Menschen hinter der Kamera. Mein Kostümbildner, mein Fahrer, mein Stand-in und mein Stunt-Double von «Alias» – mit ihnen arbeite ich heute, 25 Jahre später, bei absolut allem, was ich tue, immer noch zusammen. Für mich gibt es da einen roten Faden der Loyalität.

Auch privat lebt Garner diese Haltung. Mit Ex-Mann Ben Affleck, 53, verbindet sie seit der Scheidung 2018 ein bemerkenswert harmonisches Patchwork-Modell. Gemeinsam kümmern sie sich bis heute um ihre drei Kinder – Violet, 20, Fin, 17, und Samuel, 14. 

Glauben Sie, dass es manchmal schwieriger ist, einer besten Freundin zu vergeben als einem Partner?
O Gott … ja, das kann gut sein. Vielleicht, weil wir so hohe Erwartungen aneinander haben. Aber ich glaube, wir gewinnen unglaublich viel, wenn wir bereit sind, Menschen mit Nachsicht zu begegnen. Ausser natürlich, jemand hat einen wirklich zutiefst verraten oder zeigt keinerlei Bereitschaft, sich weiterzuentwickeln. Ansonsten lohnt es sich fast immer, gemeinsam weiterzugehen – besonders mit Menschen, die man schon so lange liebt.

Was ist Ihr Rezept für eine Fünf-Sterne-Freundschaft?
Humor. Humor ist Nummer eins, zwei und drei (lacht). Dazu kommt ganz viel Wohlwollen. Man muss ehrlich zueinander sein und Verständnis dafür haben, dass das Leben manchmal chaotisch wird. Ich rufe meine Freundinnen oft an und sage: «Ich brauche dringend ein Sieben-Minuten-Update!» Dann reden wir in einem irren Tempo, erzählen uns alles Wichtige und legen mit einem «Ich hab dich lieb!» wieder auf.

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