Darum gehts
- Das NDR-Satiremagazin «Extra 3» feiert 2026 sein 50-jähriges Jubiläum
- Moderator Christian Ehring betont die Wichtigkeit von Hoffnung und konstruktiver Satire
- Sendung läuft seit 2024 nur noch im Hauptprogramm des Ersten
Anfang Jahr gab es ein neues Studio – gewissermassen zum 50. Geburtstag. So lange ist das NDR-Satiremagazin «Extra 3» schon auf Sendung.
«Zudem laufen wir seit zwei Jahren ausschliesslich im Hauptprogramm des Ersten. Beides waren lang gehegte Träume», freut sich Moderator Christian Ehring (55). Gefeiert wurde mit einem grossen Special: «Wir sind zum Geburtstag reich beschenkt worden.»
TELE: Eine Art Geschenk muss für Sie als Satiriker auch die aktuelle politische Situation in Deutschland sein. Was ist grösser: die Sorge um die Heimat oder die Freude am guten Stoff?
Christian Ehring: Nun, da bin ich bei der Hoffnung: Sie hat in diesen Zeiten fast etwas Widerständiges. Ich verordne sie mir ganz bewusst. Aus Trotz. Zu jeder negativen Entwicklung kann es auch wieder eine gegenläufige Entwicklung geben. Zu jeder Bewegung eine Gegenbewegung. Es muss nicht zwangsläufig alles immer schlimmer werden.
Wie nehmen Sie die Situation rund um die AfD und die Altparteien denn wahr – aus satirischer Sicht, aber auch als normaler Bürger?
Ich würde eher von AfD und demokratisch gesinnten Parteien sprechen. Es ist schockierend, wie nah die AfD ihrem Ziel gekommen ist, die konservative Volkspartei CDU zu vernichten. Als Mensch und Bürger denke ich vor allem an diejenigen, die sich persönlich Sorgen machen müssen, zum Beispiel in Sachsen-Anhalt. In die satirische Verarbeitung fliesst das mit ein, so gespalten bin ich da gar nicht.
Sind Ihre persönlichen Ansichten dennoch manchmal weniger heftig, als Sie es in «Extra 3» oder bei sonstigen Auftritten formulieren?
Spott wird immer als aggressiver Akt empfunden. Manches meine ich tatsächlich nicht so ernst, wie es klingt. Im Juli gab's etwa eine Moderation über nervige Rennradfahrer – wahrlich nicht das relevanteste Thema unter der Sonne. Natürlich hasse ich Rennradfahrer nicht und will niemandem sein Hobby madigmachen. Doch die Empörung war gross. Was zeigt: Rennradfahrer nehmen sich offenbar viel wichtiger, als ich sie nehme.
Das ist ein Beitrag aus «Tele». Das Fernsehmagazin der Schweiz taucht für dich nach den TV- und Streamingperlen.
Das ist ein Beitrag aus «Tele». Das Fernsehmagazin der Schweiz taucht für dich nach den TV- und Streamingperlen.
Aus Schweizer Sicht wirkt deutsche Satire oft sehr hart, bei uns ist man da zurückhaltender. Hand aufs Herz: Ist in Deutschland wirklich alles derart schlecht?
Interessant, das habe ich auch schon beobachtet. Schweizerinnen und Schweizer sind mit ihrem Land viel zufriedener, die Satire entsprechend moderater. Nein, es ist in der Tat nicht alles schlecht in Deutschland. Das ist ja auch ein Narrativ, das die Extremisten bedienen. Vieles läuft sehr gut. Nicht so gut wie in der Schweiz, aber doch gut.
Wie gross ist die Gefahr, dass die ohnehin schon negative Stimmung und Wahrnehmung noch verstärkt wird?
Die Gefahr besteht. Es kann aber auch Hoffnung machen, in scheinbar hoffnungslosen Zeiten miteinander zu lachen. Und vielleicht braucht es, analog zum konstruktiven Journalismus, auch eine konstruktive Satire.
Wie viel Einfluss oder vielleicht sogar Macht hat Satire Ihrer Meinung nach?
Wenn man die Welt verändern will, hat man als Satiriker den Beruf verfehlt. Aber da Humor auf vielen Ebenen wirkt und nicht nur rein rational funktioniert, ist er schon ein sehr starkes Mittel der Kommunikation. Was natürlich auch andere Akteure für sich zu nutzen wissen.
Bereitet es Ihnen eigentlich Spass, eine spitze Zunge zu haben? Oder müssen Sie sich ab und zu überwinden?
Ich empfinde das eher als eine Art Notwehr. Und ja, es macht auch Spass. Ich finde es entlastend, über die aktuelle Lage Witze machen zu können. Und bilde mir dann ein, nicht ganz hilflos zu sein.
Sie sagten mal: «Lachen und Sich-lustig-Machen ist die wichtigste Strategie von allen, um mit diesem Leben halbwegs klarzukommen.» Nur ist Satire nicht zwangsläufig lustig …
Da bin ich sehr einfach gestrickt. Ich finde schon, dass Satire zum Lachen sein sollte. Gerade bitterböse Momente werden dadurch ja noch stärker. Jegliches Fehlen von Witz und Esprit ist kein Qualitätsmerkmal.
Beruflich befassen Sie sich tagtäglich mit allem, was gerade schiefläuft. Als Vater möchten Sie Ihren drei Kindern aber sicher auch eine positive Sicht auf das Leben und die Zukunft vermitteln. Wie gross ist dieser Spagat?
Wir reden in unserer Familie natürlich über Politik, aber mein Beruf spielt da eine untergeordnete Rolle. Am Frühstückstisch bin ich weder Berufszyniker noch Fernsehstar. Den erwähnten Spagat empfinde ich natürlich auch. Aber das habe ich ja nicht exklusiv, das wird den meisten von uns so gehen. Ich versuche es mit einer positiven Grundstimmung: Aufgeben ist keine Option.
Das passt zu Ihrem aktuellen Bühnenprogramm, das interessanterweise «Versöhnung» heisst. Sind Sie demnach tief im Herzen doch ein harmoniebedürftiger Mensch?
Ich höre immer, es sei das Gebot der Stunde, dass wir als Gesellschaft wieder ins Gespräch kommen. Da habe ich mir gedacht, ein Theaterabend ist dafür doch ein perfektes Setting. Und ja, ich bin sehr harmoniebedürftig. Das muss aber unter uns bleiben (lacht).