Darum gehts
- Elie Saab bringt ab 22. Oktober 55 Teile zu H&M.
- Ein Abendkleid kostet in der Schweiz 509 Franken.
- Kooperationen schaffen Hype; der Luxus bleibt umstritten.
Er ist der Meister des grossen Glamours: Elie Saab (62). Mit seinen opulenten Roben aus Spitze, Seide und funkelnden Stickereien macht er jede Frau zur Königin – mindestens für einen Abend. Normalerweise kosten seine Couture-Kreationen Zehntausende Franken. Ab dem 22. Oktober gibt es den Glamour des libanesischen Stardesigners auch bei H&M.
Für die schwedische Modekette hat Saab rund 55 Teile entworfen, von bestickten Abendkleidern bis zu alltagstauglicher Mode. «Niemand will etwas Alltägliches von Elie Saab», sagte der Couturier bei einer Vorabpräsentation in Paris zur «Vogue». Wie ernst er seinen Anspruch nimmt, zeigt eine Szene aus dem Designstudio: Saab drapiert eine schwarze Abendrobe mit übergrosser Schleife direkt am Körper eines Models. Anschliessend müssen die Schnitttechniker herausfinden, wie sich seine Kreation für die Serienproduktion umsetzen lässt. Vom Schnitt bis zum letzten Schliff habe alles stimmen müssen. «Für mich ist Eleganz etwas Persönliches. Es geht darum, wie eine Frau ein Kleidungsstück für sich entdeckt und es zu ihrem eigenen macht.»
Schlange stehen für Lagerfeld
Die Idee, Designermode für ein breites Publikum erschwinglich zu machen, ist nicht neu. 2004 schrieb H&M damit Modegeschichte: Karl Lagerfeld, damals Kreativchef von Chanel, entwarf eine Kollektion für die schwedische Modekette. Die Menschen standen Schlange, viele Stücke waren innert kürzester Zeit ausverkauft. Es folgten Kooperationen mit Stella McCartney, Roberto Cavalli, Versace und Balmain. Inzwischen setzen auch andere Modeketten auf grosse Namen: Mango holte Victoria Beckham, Uniqlo arbeitete mit Jil Sander und Jonathan Anderson, dem heutigen Dior-Kreativchef, zusammen.
Das Geschäft lohnt sich für beide Seiten: Die Modeketten schmücken sich mit dem Prestige der Luxuswelt, die Designer erreichen ein Millionenpublikum. Doch der Modemarkt hat sich verändert. H&M, Zara und Co. wurden mit günstiger Mode gross. Inzwischen machen ihnen chinesische Billiganbieter wie Shein und Temu Konkurrenz.
«Weil es immer wieder einen Neuen gibt, der den Preis noch einmal unterbietet, müssen H&M, Zara und Konsorten stärker auf modische Relevanz und Hype setzen», erklärt Modeexperte Jeroen van Rooijen gegenüber Blick. In der Branche nennt man das «Trading up»: «Alles strebt nach oben. Mehr Modekompetenz, mehr Glamour, mehr Luxus – mit den höheren Preisen locken auch bessere Margen.»
Kampf um Aufmerksamkeit
H&M sieht das anders. Man definiere das eigene Angebot nicht über die Konkurrenz, erklärt das Unternehmen auf Anfrage: «Aussergewöhnliches Design einem breiteren Publikum zugänglich zu machen, steht nach wie vor im Mittelpunkt unserer Kooperationen.» Elie Saab Junior, Geschäftsführer des Familienunternehmens, sieht in der Zusammenarbeit auch eine Chance, neue Kundengruppen anzusprechen und das Geschäft mit Prêt-à-porter auszubauen. «Wir wollen die Türen unserer Welt für Menschen öffnen, die unsere Marke bisher vielleicht noch gar nicht kennengelernt haben.»
Halle Berry, Angelina Jolie, Jennifer Lopez und Prinzessin Kate: Sie alle lieben seine märchenhaften Roben. Elie Saab (62) ist der Couturier der Stars und Königinnen. Doch der Meister des grossen Glamours bleibt selbst lieber im Hintergrund: Wer ist der Mann hinter den Traumkleidern?
«Ich fühle mich als Architekt des Körpers. Meine Kleider machen aus jeder Frau einen Star», sagt Elie Saab (62) über sich selber. Tatsächlich versteht es kaum ein Couturier so gut, Frauen für den grossen Auftritt in Szene zu setzen. Seine Roben aus Seide, Spitze und Tüll, oft mit Tausenden Perlen und Pailletten bestickt, sind auf den roten Teppichen dieser Welt zu Hause.
Zwei Frauen verhalfen dem Libanesen zum internationalen Durchbruch. 1999 trug Königin Rania von Jordanien (56) bei der Thronbesteigung ihres Mannes eine seiner Kreationen. Drei Jahre später schrieb Halle Berry (60) Oscar-Geschichte: Als erste schwarze Schauspielerin gewann sie 2002 den Preis als beste Hauptdarstellerin – in einer burgunderroten Saab-Robe mit transparentem, blumenbesticktem Oberteil.
Seither reisst die Schlange prominenter Kundinnen nicht ab. Angelina Jolie (51) glänzte 2014 bei den Oscars in Silber, Jennifer Lopez (57) sorgte 2015 in einem champagnerfarbenen Tülltraum für Aufsehen. Auch Beyoncé (45), Catherine Zeta-Jones (57) und Meryl Streep (77) lieben seine Kreationen. Selbst Prinzessin Kate (44) setzt auf seinen Glamour: Beim Royal Ascot und zur Hochzeit des jordanischen Kronprinzen 2023 erschien sie in einer zartrosa, blumenbestickten Saab-Robe.
Dabei begann alles mitten im libanesischen Bürgerkrieg. Mit gerade einmal 18 Jahren eröffnete Saab 1982 sein erstes Atelier in Beirut. Schon als Kind hatte er Kleider für seine Schwestern entworfen. Privat mag es der Meister des grossen Auftritts dagegen diskret. Seit Jahrzehnten ist er mit seiner Frau Claudine verheiratet, die als seine Muse gilt. Gemeinsam haben sie drei Söhne. Das Rampenlicht überlässt Saab lieber den Frauen, die seine Kleider tragen.
Halle Berry, Angelina Jolie, Jennifer Lopez und Prinzessin Kate: Sie alle lieben seine märchenhaften Roben. Elie Saab (62) ist der Couturier der Stars und Königinnen. Doch der Meister des grossen Glamours bleibt selbst lieber im Hintergrund: Wer ist der Mann hinter den Traumkleidern?
«Ich fühle mich als Architekt des Körpers. Meine Kleider machen aus jeder Frau einen Star», sagt Elie Saab (62) über sich selber. Tatsächlich versteht es kaum ein Couturier so gut, Frauen für den grossen Auftritt in Szene zu setzen. Seine Roben aus Seide, Spitze und Tüll, oft mit Tausenden Perlen und Pailletten bestickt, sind auf den roten Teppichen dieser Welt zu Hause.
Zwei Frauen verhalfen dem Libanesen zum internationalen Durchbruch. 1999 trug Königin Rania von Jordanien (56) bei der Thronbesteigung ihres Mannes eine seiner Kreationen. Drei Jahre später schrieb Halle Berry (60) Oscar-Geschichte: Als erste schwarze Schauspielerin gewann sie 2002 den Preis als beste Hauptdarstellerin – in einer burgunderroten Saab-Robe mit transparentem, blumenbesticktem Oberteil.
Seither reisst die Schlange prominenter Kundinnen nicht ab. Angelina Jolie (51) glänzte 2014 bei den Oscars in Silber, Jennifer Lopez (57) sorgte 2015 in einem champagnerfarbenen Tülltraum für Aufsehen. Auch Beyoncé (45), Catherine Zeta-Jones (57) und Meryl Streep (77) lieben seine Kreationen. Selbst Prinzessin Kate (44) setzt auf seinen Glamour: Beim Royal Ascot und zur Hochzeit des jordanischen Kronprinzen 2023 erschien sie in einer zartrosa, blumenbestickten Saab-Robe.
Dabei begann alles mitten im libanesischen Bürgerkrieg. Mit gerade einmal 18 Jahren eröffnete Saab 1982 sein erstes Atelier in Beirut. Schon als Kind hatte er Kleider für seine Schwestern entworfen. Privat mag es der Meister des grossen Auftritts dagegen diskret. Seit Jahrzehnten ist er mit seiner Frau Claudine verheiratet, die als seine Muse gilt. Gemeinsam haben sie drei Söhne. Das Rampenlicht überlässt Saab lieber den Frauen, die seine Kleider tragen.
Im Kampf um Aufmerksamkeit darf es auch Provokation sein. Dafür werden selbst die bösen Buben der Modewelt wieder aus dem Mottenschrank geholt. Bestes Beispiel: John Galliano (65). Zara hat den ebenso genialen wie umstrittenen Couturier gleich für zwei Jahre und vier Kollektionen verpflichtet.
Galliano, einst gefeierter Dior-Kreativchef, wurde 2011 nach antisemitischen und rassistischen Ausfällen entlassen und später verurteilt. Bei Maison Margiela gelang ihm ein Comeback, doch seine Vergangenheit holt ihn immer wieder ein. Eine geplante Retrospektive am Metropolitan Museum in New York wurde nach Kritik abgesagt. Anfang Oktober erschien seine erste Zara-Kollektion «Re{form}», für die er das Archiv der Modekette neu interpretiert hat. In der Schweiz ist sie nicht erhältlich. Auch die Preise sorgen für Gesprächsstoff: Ein Seidenkleid kostet über 700 Euro, eine Handtasche bis zu fast 500 Euro.
Der Preis des Glamours
Elie Saabs Glamour hat bei H&M ebenfalls seinen Preis. Eine glitzernde Bandeau-Robe in Schwarz und Gold kostet in der Schweiz 509 Franken – ein Bruchteil einer Couture-Kreation, für ein Kleid aus einer Modekette aber eine stolze Summe. In Deutschland kostet dasselbe Modell nur 399 Euro. Der Schweizer Preisaufschlag macht sich also auch beim erschwinglichen Luxus bemerkbar. Vorausgesetzt, man ergattert überhaupt eines der begehrten Stücke: Designer-Kooperationen sind oft innert kürzester Zeit ausverkauft. Die begrenzte Verfügbarkeit gehört zum Geschäft.
Bleibt die Frage, wie viel Luxus tatsächlich in den Kleidern steckt. Denn Elie Saab für H&M ist keine Haute Couture. Während die Originalroben in aufwendiger Handarbeit entstehen, werden die Stücke für die Modekette industriell gefertigt. Das schwarze Bustierkleid etwa besteht aus recyceltem Polyester. Van Rooijen sieht die Kollektion kritisch: «Luxus ist das, was H&M zusammen mit Elie Saab nun anbietet, in meinen Augen nicht.» Die Kleider sähen zwar nach Glamour alter Schule aus, seien aber «aus ganz und gar herkömmlichen, industriellen und wenig nachhaltigen Materialien» gefertigt. Sein Fazit: «Echter Luxus definiert sich heute nicht nur über Glanz und grosse Namen, sondern auch über hochwertige Stoffe, Einzigartigkeit, Nachhaltigkeit und faire Produktionsbedingungen.» Darum hält er die Preise für gewagt.