Umgang mit Whistleblowern
Schimpf und Schande statt Dank

Für seine Meldungen über Missstände in der Zürcher Herzchirurgie wurde der Whistleblower immer wieder abgestraft – obwohl ihm die Fakten recht geben.
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André Plass machte die Missstände in der Herzchirurgie am Universitätsspital Zürich öffentlich.
Foto: Christian Schnur

Darum gehts

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Andreas SchmidInlandredaktor

Mit internen Meldungen hat der damalige leitende Oberarzt André Plass (53) auf Missstände in der Herzchirurgie des Universitätsspitals Zürich (USZ) aufmerksam gemacht. Plass prangerte unter anderem an, dass sein Chef, Klinikdirektor Francesco Maisano (60), mit einem fehlerhaften Implantat operierte, und dokumentierte zahlreiche Fälle. Ernst genommen wurden die Probleme erst, als der «Tages-Anzeiger» darüber zu berichten begann.

Untersuchungen von der zuständigen Kantonsratskommission und einer Anwaltskanzlei folgten – und wie so oft: Auch der Überbringer der schlechten Nachricht wurde wiederholt attackiert. Er sei unkollegial gewesen, schliesslich hiess es teilweise sogar, er sei kein guter Arzt.

Plass selbst hält dazu fest, er habe 15 Jahre mit besten Zeugnissen an der USZ-Klinik gearbeitet, und zwei Gutachten bestätigten seine fachliche Kompetenz.

Meldungen zutreffend

Dennoch sagte auch André Zemp (64), der Spitalratspräsident, am vergangenen Dienstag, als er die Untersuchung zu den Vorkommnissen unter Maisano präsentierte, Plass sei kein Teamplayer gewesen. Seine Meldungen zu den Missständen hätten sich zwar als «korrekt» erwiesen, aber der damalige USZ-Angestellte habe sich nicht in die Gruppe eingefügt.

Für Plass ist das ein Hohn. «Es versteht sich ja, dass mich mein Chef nicht als Teamplayer ansieht, wenn ich seine Verfehlungen und sein Netzwerk kritisiere.» Maisano und seine Getreuen hätten der Klinik enorm geschadet, und er habe sich dagegen gewehrt, betont Plass.

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Dass Whistleblower viel verlieren und ohne Rückhalt dastehen, muss auch Adam Quadroni (56) erleben, der das Bündner Baukartell hatte auffliegen lassen. Er ist heute invalid und muss fern von seinen drei Töchtern leben.

Verletzliche Hinweisgeber

Plass und Quadroni stehen beispielhaft dafür, welchen Widerständen Whistleblower ausgesetzt sind. Urs Thalmann von der Antikorruptionsorganisation Transparency Schweiz sagt, gutgläubige Hinweisgeber seien oft verletzlich. Deshalb sei es wichtig, sie angemessen zu schützen. «Sie brauchen ein Netzwerk, das sie unterstützt», denn es liege in der Natur der Sache, dass Whistleblowing dann erfolge, wenn in einem Umfeld Spannungen vorhanden seien.

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