Trotz steigender Krankenkassen-Prämien
Versicherte wenig in Wechsellaune

Nur etwa jeder zwölfte Prämienzahler hat eine neue Grundversicherung abgeschlossen. Weil die Preisunterschiede zwischen den Krankenkassen gering sind, bleiben die meisten, wo sie sind.
Kommentieren
1/5
Viele Kassen, aber nur kleine Unterschiede in der Grundversicherungsprämie.
Foto: CHRISTIAN BEUTLER

Darum gehts

  • Wechselquote bleibt stabil, nur 7 bis 10 Prozent wechseln Krankenkasse
  • Geringe Wechselmotivation, weil die Prämienunterschiede der Kassen gering sind.
  • Regionale Prämiendifferenzen dafür beträchtlich: Zug 260 Franken, Tessin 500 Franken
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
RMS_Portrait_AUTOR_374.JPG
Andreas SchmidInlandredaktor

Seit Jahren gehören die hohen Ausgaben für die Krankenkasse zu den grössten Sorgen der Schweizerinnen und Schweizer. Und die Prämien steigen kontinuierlich weiter. Im laufenden Jahr müssen die Versicherten für den Grundschutz durchschnittlich 4,4 Prozent mehr ausgeben als 2025. Der Aufschlag ist damit etwas moderater als in den Jahren zuvor, doch dass die mittlere Monatsprämie inzwischen fast 400 Franken beträgt, belastet das Haushaltsbudget beträchtlich.

Jeweils im September, wenn die Prämien für das kommende Jahr publik werden, prognostizieren viele Gesundheitsexperten eine hohe Wechselrate. Auf Ende November müssen Kundinnen und Kunden die Grundversicherungen bei den Kassen kündigen, um auf den 1. Januar eine andere Anbieterin zu wählen.

Dann doch nicht

Obwohl die Prämien zuletzt jährlich zwischen gut 4 und fast 9 Prozent teurer wurden und eine Linderung nicht absehbar ist, wechselten von 2023 bis 2025 nie mehr als 10 Prozent der rund 9 Millionen Versicherten die Kasse. Das war auch auf dieses Jahr hin nicht anders, trotz erneut lauter Klagen im vergangenen September, die Schmerzgrenze sei endgültig erreicht und die Kassen mit den tiefsten Prämien würden einen beträchtlichen Zustrom erfahren.

Dies traf jedoch nicht ein. Die Wechselquote bewegt sich im Bereich der Vorjahre. Auf 8 Prozent schätzt sie Gesundheitsexperte Felix Schneuwly vom Internetvergleichsdienst Comparis. Die Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte geht davon aus, dass 7 bis 10 Prozent der Versicherten für den Grundschutz eine neue Kasse gewählt haben.

Dass die Wechselraten zuletzt doch stets recht tief bleiben, sieht Schneuwly darin begründet, «dass die Prämienunterschiede kleiner geworden sind». Zudem böten die grössten Versicherer CSS und Helsana in der ganzen Schweiz attraktive Prämien. «Damit ist die Wechselmotivation von über drei Millionen Versicherten klein.»

Kantonale Unterschiede

Der Comparis-Experte betont allerdings, dass die Quote der Kündigungen kantonal sehr unterschiedlich sei. In Regionen mit hohen Prämien kündigten die Versicherten den Vertrag auch bei moderaten Aufschlägen eher, wenn sie vorher nie die Grundversicherung gewechselt hätten.

Die Belastung in den Kantonen weist denn auch grosse Differenzen auf, die monatlichen Durchschnittsprämien reichen von gut 260 Franken in Zug bis zu 500 Franken im Tessin. Zudem sind die Unterschiede auch je nach Altersgruppe beträchtlich, was gerade Familien mit mehreren Kindern deutlich zu spüren bekommen. In Zug etwa sinken die Prämien auf dieses Jahr hin um etwa 15 Prozent, weil der Kanton die Bevölkerung 2026 und 2027 mit rund 220 Millionen Franken bei den stationären Spitalbehandlungen entlastet und diese zu 99 Prozent vergütet.

Gleiche Kasse für alles

In Umfragen geben stets weit mehr Versicherte Wechselabsichten an, als schliesslich Übertritte in der Grundversicherung vollzogen werden. Neben den kleiner werdenden Prämienunterschieden sieht Schneuwly als weiteren Grund dafür den Willen mancher Versicherter, Elementar- und Zusatzversicherung bei der gleichen Kasse zu haben. Das halte viele von einem Wechsel ab, auch wenn die Prämie für die Grundversicherung bei einer anderen Anbieterin günstiger wäre.


Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen