Tierschutz ist entsetzt über Zustände in Samstagern ZH
«Es handelt sich hier um einen Messie-Hof»

Die Umstände des tödlichen Pferde-Dramas auf der A3 sind noch nicht geklärt. Für Nadja Brodmann, Co-Geschäftsleiterin des Zürcher Tierschutzes, ist jedoch klar: Der Hof, von dem die Pferde Leroy und Stone ausbüxten, ist ein bedenklicher Messiehof.
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Nadja Brodmann, Co-Geschäftsleiterin des Zürcher Tierschutzes sagt: «Dieser Hof ist ein Messiehof.»
Foto: Zvg
Nicolas Lurati und Helena Schmid

Noch immer stellt sich nach dem schrecklichen Unfall auf der A3 die Frage: Wieso konnten die Pferde vom Hof in Samstagern ZH ausbüxen? Sicher ist nur: Die Rösser begaben sich vom Hofgelände hinunter auf die Autobahn und kollidierten dort um vier Uhr morgens mit einem VW, der Richtung Zürich unterwegs war. 

Der Fahrer, Reinigungsmitarbeiter Stjepan K.* (†53), stirbt. Auch die beiden Vierbeiner Leroy und Stone überleben den Horror-Crash nicht (BLICK berichtete).

Tierschutz prangert Zustände auf Hof an

Dass Leroy und Stone vom Hof abhauten, verwundert wenige. Die Zustände dort seien untragbar, sagt zum Beispiel Tobias L.*, ein Bekannter der Hofbesitzer. Er ist überzeugt: «Der Hof ist verantwortlich für dieses Drama.»

Der Zürcher Tierschutz teilt die Meinung des Tierfreundes. Nadja Brodmann, Co-Geschäftsleiterin, sagt beim Anblick der Bilder vom Hof: «Das sieht gar nicht gut aus!»

Ihr Urteil: «Man hätte schon längstens eingreifen müssen.» Aber: Der Tierschutz selbst könne keine Massnahmen ergreifen, sondern nur Ratschläge erteilen, sagt Brodmann und erklärt: «Die zuständige Behörde, um in solchen Fällen Massnahmen zu ergreifen, Fristen zu setzen und Bussen zu erteilen, ist das Veterinäramt.» Und: «Im schlimmsten Falle können die Tiere vom Veterinäramt auch beschlagnahmt und ein Tierhalteverbot ausgesprochen werden.»

Auf Anfrage von BLICK wollte das Veterinäramt keine Auskunft geben. Aber: Gemäss Tobias L. sei das Veterinäramt in den letzten Jahren schon häufiger zu Besuch gewesen.

Die Einschätzung von Brodmann ist eindeutig: «Es handelt sich hier um einen Messie-Hof.»

Unprofessionelle und gefährliche Umzäunung

Die Zoologin kritisiert im Besonderen die Umzäunung der Gehege: «Unprofessionell und nicht stabil. Die Stangen sind nicht im Boden verankert.» 

Die Tierschützerin prangert auch an, dass sich in den Pferdegehegen Hindernisse wie Reifen und Schlingen befänden: «Das ist gefährlich. Die Pferde könnten stolpern und sich schwer verletzen.»

Zur Fluchtnacht kann sich Brodmann folgende Szenarien vorstellen: «Es kann sein, dass die Pferde erschrocken sind. Mit diesen unprofessionellen Abschrankungen war es dann leicht, auszubrechen. Oder jemand hat am Vorabend die Gehege oder die Stallboxen nicht richtig verschlossen.»

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