Heimlich öffnet die Putzfrau (34) eine Schreibtischschublade im Arbeitszimmer eines Kunden und findet darin eine Kreditkarte. Sie zückt ihr Handy und fotografiert die Karte. Später benutzt sie die Daten, um damit im Internet zu shoppen. Die Kosovarin gibt über 10'000 Franken für Luxusprodukte aus, kauft sich Kleider, Beautyprodukte und Diätpillen.
Und es bleibt nicht bei diesem einen Mal: Zwischen Juli 2019 und April 2020 klaute die Putzfrau die Kreditkarten-Daten von sechs ihrer Kunden, wie der «Tages Anzeiger» berichtet.
Dafür wurde der Frau letzte Woche vor dem Bezirksgericht Winterthur der Prozess gemacht. Das Urteil: Eine bedingte Geldtstrafe von 12'060 Franken plus eine 500 Franken Busse. Aber nicht nur wegen des dreisten Kreditkarten-Klaus.
Sie drohte einem Kunden mit Selbstmord
Zudem soll die Frau die seit ihrem zwölften Lebensjahr in der Schweiz wohnt, einen der beklauten Kunden genötigt haben. Als der Mann ihren dreisten Betrug bemerkte, schrieb die Kosovarin ihm zwei SMS, in denen sie drohte, sich umzubringen, sollte er die Polizei benachrichtigen.
Ausserdem soll die Frau vor den Diebstählen unrechtmässige Sozialhilfeleistungen in der Höhe von rund 20’000 Franken bezogen haben. Sie war bei der Arbeitslosenkasse gemeldet, arbeitete während der Zeit aber bei zwei Firmen.
«Ich habe das nicht extra gemacht»
Die Kosovarin war geständig, sagte aber immer wieder: «Ich weiss nicht, wieso und warum ich das getan habe. Ich habe das nicht extra gemacht», wie der «Tagesanzeiger» schreibt.
Sie hoffe, dass ihr die Geschädigten verzeihen könnten und sie das Geld zurückzahlen könne. Es tue ihr leid. Laut ihrer Verteidigung sei die Frau seit September Vollzeit als Verkäuferin angestellt und habe bisher 100 Franken zurückbezahlt.
Das Gericht sprach die Frau des betrügerischen Missbrauchs der Kreditkarten sowie des unrechtmässigen Bezuges von Sozialleistungen schuldig.
Bei einer erneuten Straftat droht der Landesverweis
Der Vorwurf der Nötigung wurde fallengelassen, da der Tatbestand gemäss Gesetz nicht nachweisbar sei. Aber zu den Droh-SMS sagte die Richterin: «Es war eine übertriebene Wortwahl, sie haben einen Hang zur Dramatik.»
Dem Landesverweis entging die Kosovarin, die einen Sohn im Primarschulalter hat, der beim Vater lebt, nur knapp. Bei der Urteilsverkündung sagte die Richterin, dass das ihre letzte Chance sei. Sollte sie wieder straffällig werden, werde es nicht reichen, etwas Reue zu zeigen. (gin)