Homeoffice, adieu
Diese Begleiter werden wir nicht vermissen

Pult zu hoch, Stuhl zu hart oder Kater zu hungrig: Mit der Homeoffice-Pflicht fallen auch die teils kuriosen Dinge, die wir in der Not in unseren Wohnzimmern errichtet haben. Zeit, sich (endlich) von ihnen zu verabschieden.
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Im Homeoffice von Benno Tuchschmid war das Pult zu hoch. Und da er natürlich weiss, dass die Arme im rechten Winkel auf dem Schreibtisch aufliegen sollen, schraubte er auch den Bürostuhl höher, worauf er jedoch den Boden unter den Füssen verlor. Abhilfe schaffte ein Plastikkoffer, der im Gegensatz zu seinem Inhalt (Hantel-Gewichte) endlich doch noch einen Nutzen fand.
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Die wackligsten Schaumstoffwürfel

Manche Dinge lernt man ja bekanntlich erst zu schätzen, wenn sie nicht mehr da sind. Das bestätigen mir die Zeiten im Homeoffice immer und immer wieder. Das Büro am Feierabend ohne Rückenschmerzen zu verlassen – ein Luxus, den ich am Anfang der Homeoffice-Pflicht nicht geniessen durfte. Doch die Pandemie macht erfinderisch. Alles, was ich brauchte, war ein Campingtisch und vier Schaumstoffwürfel. Diese platzierte ich vorsichtig unter die Tischbeine – und voilà. Eine furchtbar wacklige Angelegenheit, die immerhin die richtige Höhe hat! Vanessa Nyfeler

Manche Dinge vermisst man erst, wenn sie nicht mehr da sind. Für Vanessa Nyfeler war es ein schmerzfreier Rücken nach einem Arbeitstag im Büro. Doch natürlich rüstete sie sich ebenso professionell aus: Mit einem Campingtisch und Schaumstoffwürfel.
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Snacks für die Katz

Die Playtubes für meine Katze, «eine leckere Gelegenheit» und «unwiderstehlich spielerisch» steht da auf der Packung. Ich will lieber nicht wissen, wie viel Zusatzstoffe da drinstecken, aber Wuschel steht voll auf die rollenden Leckerli – ganz besonders, wenn ich in einer Videokonferenz sitze. Er ist kein aufdringlicher Kater, er legt sich dann einfach platt neben meinen Schreibtisch und raunt mir heisere Miaus zu – leise, aber nicht minder fordernd. Bis das nächste Spiel-Fresserli geflogen kommt, dann nimmt er so richtig Fahrt auf. Ich kann ihm keinen Vorwurf machen, ich mag ja die kleinen Ablenkungen. Und ich habe daheim auch zu viel gesnackt. Wenn ich wieder vermehrt auf der Redaktion bin, wird es unser beider Figur guttun. Die Leckerli werde ich nicht vermissen, meinen Kater schon. Katja Richard

Kater Wuschel von Katja Richard lenkte sich gerne mit Katzensnacks von der Langeweile ab.
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Der Hantel-Koffer

Es fehlen etwa zehn Zentimeter. Zwischen Fusssohlen und Boden. Eigentlich beginnt das Problem weiter oben. Ich hatte mal gelernt, dass die Arme im rechten Winkel auf dem Schreibtisch aufliegen sollten. Also stellte ich den Bürostuhl so ein. Aber dann fehlten unten eben zehn Zentimeter. Also kamen Rückenschmerzen. Und mit ihnen die Suche nach einer Lösung. Die Lösung war ein Koffer aus Plastik. Er passte exakt in die Lücke zwischen Hausschuhen und Parkett. Optisch grässlich. Aber das spielt zu Hause ja keine Rolle. Sie fragen sich, was das für ein komischer Koffer aus Plastik sein mag, der mir während der Pandemie Boden unter den Füssen gab? Er dient zur Aufbewahrung von Hantel-Gewichten – die selbstverständlich in den letzten zwei Jahren komplett ungenutzt blieben. Benno Tuchschmid

Der imposante Hantelkoffer von Benno Tuchschmid fand im Homeoffice doch noch eine degradierende Gewinnung: Als Fussbank.
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Besessene Liebe

Stuhl mit Balance-Kissen – eine turbulente Liebesgeschichte. Es war Liebe auf den ersten Blick. Oder besser: eine Liebes-Psychose. Egal, wohin ich ging, ich dachte nur an ihn, diesen einen Hay-Stuhl, schlicht, schwarz, sexy. Ich musste ihn haben. In vierfacher Ausführung. Das erste Jahr flogen wir high. Dann kam die Pandemie. Mit ihr der Fall. Plötzlich verbrachten wir acht Stunden am Tag, fünf Tage die Woche zusammen. Der charmante Stuhl entpuppte sich als unbequem. Und toxisch! Ich alterte, durchlief die menschlichen Evolutionsphasen rückwärts, bis ich gebückt ging. Wir suchten uns Hilfe: ein Balance-Kissen. Das sorgte für einen geraden Rücken. Und wir versöhnten uns. Ich behalte ihn, den Stuhl. Arbeite jetzt aber wieder mehr im Büro. Etwas Luft tut jeder Beziehung gut. Rebecca Wyss

Anfangs war es die grosse Liebe zwischen Rebecca Wyss und ihrem Hay-Stuhl. Schlicht, schwarz, sexy. Doch als sie im Homeoffice plötzlich mehr Zeit zusammen verbrachten, entpuppte sich die unbequeme Wahrheit: Ein schlichtendes Balance-Kissen musste her.
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Die Staubschicht auf der Laptophülle

Es ist ja so eine Sache mit Geschenken. Manche sind unfassbar unpraktisch, dafür lustig – einst bekam ich ein Bild von Putin auf dem Klo. Andere sind ebenfalls ohne ästhetischen Wert, dafür unfassbar praktisch. Wie der Fahrradständer, den mein Vater meiner Mutter zu Weihnachten geschenkt hat. Und dann ist da noch die Laptophülle von meiner Schwester. Sie ist praktisch, gefällt mir unfassbar gut und passt durch heimliches Laptop-Nachmessen perfekt. Benutzen konnte ich sie im letzten Jahr trotzdem fast nie. Im Homeoffice hat sich darauf sogar eine dicke Staubschicht gebildet. Ich kann es kaum erwarten, dass sich das bald ändert. Lea Ernst

Seit über einem Jahr wartet Lea Ernst darauf, ihre neue Laptophülle auszuführen, ein Geschenk ihrer Schwester. Doch im Homeoffice hat sich darauf eine dicke Staubschicht gebildet.
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Bügeln auf dem Stehpult

Vor ein paar Jahren bekamen im Büro alle Arbeitsplätze höhenverstellbare Pulte – die Abwechslung, mal stehend, mal sitzend ins Notebook schauen und schreiben zu können, erleichterte die Tätigkeit ungemein. Zwar habe ich zu Hause diverse Tische, aber keiner lässt sich rauffahren. Also kam ich im Homeoffice schnell auf die Idee, das Bügelbrett als Stehpult zu verwenden. Damit ist es nun vorbei: In Zukunft werde ich an diesem Brett nicht mehr fürs Geschäft bügeln, sondern nur noch meine Hemden glätten. Daniel Arnet

Täglich bügelte Daniel Arnet im Homeoffice auf seinem Bügelbrett – und nur selten waren es Hemden. Sein Stehpult in der Redaktion vermisste Arnet schmerzlich, deshalb musste eine Alternative her.
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Die Jogginghose unserer Psyche

Karl Lagerfeld sagte einst: «Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.» Nun, die Kontrolle über unser Leben haben wir zu einem gewissen Mass alle verloren – und ich bin wohl nicht die einzige Person, deren Beine in den letzten Monaten eine verhältnismässig überlange Zeit von den labbrigen Stofflappen umhüllt waren. Sind ja auch wirklich bequem, die Dinger. Aber weil Kleider eben Leute machen, beginnt man nach einiger Zeit, sich selbst ein bisschen wie eine Jogginghose zu fühlen: ohne feste Definition, labbrig und ziemlich ausgeleiert. Ohne Kontrolle eben. Ist wohl für die Psyche gar nicht schlecht, wenn Jogginghosen mal wieder in der Schublade verschwinden müssen. Silvia Tschui

Silvia Tschui genoss es, bequeme Trainerhosen tragen zu können. Bis ihr auffiel, dass sie anfing, einige Eigenschaften zu viel mit ihr zu teilen: «Weil Kleider eben Leute machen, beginnt man nach einiger Zeit, sich selbst ein bisschen wie eine Jogginghose zu fühlen: Ohne feste Definition, labbrig und ziemlich ausgeleiert.»
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