Darum gehts
- Künstler Vierwind (Micha Häni) bemalte in Armenien ein altes Flugzeug mit Jesus-Motiv
- Das Bild zeigt Jesus gekreuzigt, perfekt sichtbar nur aus Vogelperspektive
- Flugzeug Yak-40 liegt auf 1500 Metern Höhe, 2,5 Stunden von Jerewan
Früher malte Micha Häni (31) – Künstlername Vierwind – Illustrationen fürs Finanzdepartement oder zog als Streetart-Künstler um die Häuser. Kürzlich reiste er nach Armenien, um ein ausrangiertes Flugzeug zu bemalen – mit dem gekreuzigten Jesus. Ein perfektes Bild für Auffahrt!
Die Idee ist in einer Berner Beiz im Gespräch mit einem Kollegen entstanden: Jesus, der in den Himmel auffährt – das ist ja fast wie Jesus auf einem Flieger! Schliesslich bilden Flieger und Flügel eine Kreuz-Form. Aus der Schnapsidee wurde ein ernst gemeintes Projekt. Zusammen mit seinem Manager Jean-Damien Zacariotto suchte Micha Häni ein ausrangiertes Flugzeug und wurde in Armenien fündig: Mitten im Nirgendwo steht eine alte Jak‑40. Das Flugzeug mit dem Kennzeichen EK‑88167 gehörte einst Novland – einer armenischen Leasingfirma für Flugzeuge und Luftfahrtservices.
Leinwand bemalen ist leichter als ein Flugzeug
Der Kurzstreckenjet aus sowjetischer Produktion wurde einst für rund 30 Passagiere gebaut – entwickelt Ende der 1960er‑Jahre als Busflugzeug für abgelegene Regionen der UdSSR. Heute liegt der Flieger auf rund 1500 Metern Höhe in einer kargen Gegend, zweieinhalb Stunden von der armenischen Hauptstadt Jerewan entfernt. Und auch das Land passt bestens: Armenien ist eine der ältesten christlichen Nationen der Welt.
«Auf Leinwand malt es sich einfacher als auf einem Flugzeug», sagt Häni zu Blick. Das Flugzeug bietet keine gerade Fläche, denn sie besteht aus Wölbungen. Das Gesicht Jesu zieht sich beim Arbeiten in die Länge, verzieht sich, kippt, je nachdem, wo man steht. Häni entscheidet sich für ein anamorphes Bild, das nur aus der Vogelperspektive perfekt passt.
«Das Motiv bleibt mysteriös»
Ringier-Fotograf Mattia Coda (34) hat das Kunstspektakel begleitet, Fotos und Videos wurden am heutigen Auffahrtstag veröffentlicht. Die Symbolik liegt auf der Hand: Ein Flugzeug, das nie mehr startet, bekommt ausgerechnet am Auffahrtstag eine neue Bedeutung – Jesus fliegt symbolisch in den Himmel. Häni, sonst vor allem als Leinwandkünstler und Streetartist bekannt, spricht von einer «Riesenaktion», die viel aufwendiger wurde als gedacht. Deswegen plant er kein Follow-up zu Mariä Himmelfahrt. «Einmal Flugzeug reicht», sagt Häni und lacht.
Wer genau hinschaut, erkennt um die Jesus-Figur herum wilde Buchstaben im Graffiti-Stil. Damit erzählt Künstler Vierwind Geschichten vom Leben und Sterben Jesu nach. Er selbst sieht das Werk nicht als religiöse Kunst, auch wenn er die biblischen Werte teile. Micha Häni: «Das Motiv schreit danach, entschlüsselt zu werden, bleibt aber mysteriös.»