Zugang zu Psychotherapie
Gespart am falschen Ort

Die Gesundheitskommission des Nationalrats will den Zugang zur Psychotherapie erschweren. Fälle wie die Tragödie in Aarau zeigen, wie wichtig ein funktionierendes therapeutisches Versorgungssystem ist. Ein Kommentar.
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Der Amokschütze beim Aarauer Rave war womöglich psychisch krank.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Die Gesundheitskommission will Zugang zu Psychotherapie durch neue Hürden erschweren
  • Psychotherapie-Kosten stiegen seit 2022 von 528 auf 922 Millionen Franken
  • Jede zweite Person in der Schweiz erlebt psychische Erkrankung im Leben
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Sara BelgeriRedaktorin

Ausgerechnet wenige Tage bevor sich die schreckliche Tat in Aarau ereignete, entschied die Gesundheitskommission des Nationalrats, den Zugang zu psychologischer Psychotherapie zu erschweren.

Das ist bedenklich.

In der Schweiz ist jede zweite Person im Lauf ihres Lebens von einer psychischen Erkrankung betroffen. Geht es nach der Kommission, sollen nun Menschen, die psychologische Hilfe suchen, erst eine Diagnose durch einen Psychiater einholen.

Kosten gestiegen

Die Politik reagiert damit auf die stark gestiegenen Kosten. Seit der Einführung des vereinfachten Zugangs im Jahr 2022 sind die Ausgaben für psychologische Psychotherapie von 528 auf 922 Millionen Franken gestiegen. Aber wird hier wirklich am richtigen Ort gespart?

Drei schwere Taten in diesem Jahr zeigen, wie wichtig ein funktionierendes psychiatrisches und psychotherapeutisches Versorgungssystem sein kann: In Kerzers setzte sich ein psychisch kranker Mann in einem Bus selbst in Brand. In Winterthur griff ein Mann, der kurz zuvor in psychiatrischer Behandlung gewesen war, drei Menschen mit einem Messer an. Und in Aarau erschoss ein womöglich psychisch kranker Mann eine junge Frau und verletzte mehrere weitere Menschen.

Längeres Warten auf Hilfe

Natürlich sind Menschen mit psychischen Erkrankungen keineswegs automatisch gewalttätig. Aber die Fälle zeigen, wie entscheidend es sein kann, psychische Krisen früh zu erkennen und Menschen rechtzeitig zu erreichen.

Wer zuerst einen Psychiater finden, eine Diagnose erhalten und eine zusätzliche Hürde überwinden muss, wartet länger auf Hilfe. Und das in einem System, das schon heute mit Engpässen kämpft. 

Die Politik sollte den Zugang zur Therapie nicht erschweren, sondern fragen, wie sie sicherstellen kann, dass Menschen rechtzeitig Hilfe bekommen, bevor ihre Krise eskaliert.

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