Jedes Jahr erkranken in der Schweiz rund 5000 Menschen an Lungenkrebs, etwa 3300 sterben daran. Die Krankheit ist hierzulande die häufigste krebsbedingte Todesursache. Das Tragische daran: Viele Tumoren werden erst entdeckt, wenn eine Heilung kaum mehr möglich ist. Dabei könnte gezielte Früherkennung Leben retten. Doch die Schweiz zögert.
Andere Länder sind längst einen Schritt weiter. In Deutschland haben Menschen mit erhöhtem Lungenkrebsrisiko seit April Anspruch auf ein jährliches Screening, das von der Krankenkasse bezahlt wird. Auch in den USA ist die Untersuchung etabliert und wird von den meisten Kassen übernommen. Wie gross das Potenzial ist, zeigt England: Dort wurden im Rahmen eines gross angelegten Früherkennungsprogramms innerhalb von fünf Jahren mehr als 7000 Lungenkrebsfälle entdeckt. Fast drei Viertel davon in einem frühen Stadium, in dem die Heilungschancen deutlich besser sind.
Und die Schweiz? Zwar laufen erste Pilotprojekte, etwa am Universitätsspital Zürich und im Kanton Waadt. Doch ein flächendeckendes Screeningprogramm fehlt weiterhin. Und das, obwohl das Expertengremium Krebsfrüherkennung bereits 2022 eine entsprechende Empfehlung veröffentlicht hat. Die obligatorische Krankenversicherung übernimmt die Kosten bisher nicht.
Der Bund verweist auf die Kantone: Für die Einführung nationaler Krebsscreeningprogramme fehle ihm die gesetzliche Grundlage. Doch auch auf kantonaler Ebene bewegt sich wenig. Die Folge: Wer von einer Früherkennung profitieren kann, hängt vom Wohnort und den finanziellen Möglichkeiten ab. Angesichts der hohen Zahl an Todesfällen ist das schwer nachvollziehbar.
Bund, Kantone und Krankenversicherer sind gefordert, die Voraussetzungen für ein schweizweites Früherkennungsprogramm zu schaffen. Denn bei Lungenkrebs kann eine frühzeitige Diagnose über Leben und Tod entscheiden.