Kommentar zum Missbrauch in der Kirche
Die Kirchen müssen endlich Farbe bekennen!

Statt Lippenbekenntnissen und Orientierungshilfen brauchen Religionsgemeinschaften verbindliche Regeln.
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Auch die reformierte Kirche (hier die Kathedrale Notre-Dame in Lausanne) tut zu wenig gegen Missbrauch.
Foto: Wikipedia / Dmitry A. Mottl
Annalena Müller
Annalena MüllerPolitredaktorin SonntagsBlick

Der Skandal in der reformierten Kirche könnte vielen als Realitäts-Check dienen: Protestanten sind nicht die besseren Christen – und Frauen nicht die besseren Menschen.

Missbrauch im kirchlichen Kontext hat nichts mit Zölibat, toxischer Männlichkeit oder Katholizismus zu tun. Denn da geht es um Macht. Und die ist konfessionslos. Überall, wo es ein Machtgefälle gibt, besteht das Risiko des Missbrauchs.

Die Forschung weiss das schon lange. Die Kirchen – reformiert oder katholisch – ignorieren es. Sie sprechen von Prävention und Kulturwandel und verweisen gerne darauf, was sie alles tun. Der mutmassliche Missbrauchsfall in der Westschweiz zeigt: Es ist nicht genug.

Selbstverständlich: Absolute Sicherheit gibt es nirgendwo. Nicht in Kitas, nicht in Schulen, nicht in Gotteshäusern. Und doch könnten die Kirchen viel mehr tun. Hier eine Liste der wichtigsten Schritte:

1. Anerkennen, dass das therapieähnliche Setting der Seelsorge eine Risikozone ist.

2. Einführung bindender Standesregeln – wie sie Psychologen, Ärztinnen und Anwälte schon lange kennen.

3. Schaffung unabhängiger Gremien, um die Einhaltung dieser Standesregeln zu kontrollieren. Und zwar national, nicht kantonal, wo jeder jeden kennt.

4. Eine schwarze Liste, wie sie die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektorinnen und -direktoren (EDK) für Lehrer und Lehrerinnen kennt, die ihre Unterrichtserlaubnis verloren haben.

Alles, was hinter diesen Schritten zurückbleibt, sind hochmütige Lippenbekenntnisse. Und Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall.

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