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Kommentar zu Susanne Willes SRG-Stellenabbau
Ein cleverer Schachzug

SRG-Generaldirektorin Susanne Wille hat einen massiven Stellenabbau angekündigt. Eine Hiobsbotschaft, findet Redaktorin Rebecca Wyss. Aber auch: Ein strategisch sehr schlauer Schritt.
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SRG-Generaldirektorin Susanne Wille hat den Abbau diese Woche verkündet.
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Rebecca WyssRedaktorin SonntagsBlick

Der Knall der Woche kam von der Giacomettistrasse in Bern: 900 Stellen! So viel will die SRG-Generaldirektorin Susanne Wille in den nächsten vier Jahren streichen. Also rund 12 Prozent der jetzigen Belegschaft. Happig! Ganz bestimmt wird das zulasten des öffentlichen Rundfunks gehen. Des Programms. Der Vielfalt. Des Service public. Eine Horrorvorstellung.

Und doch mischt sich unter die Empörung – zumindest hinter vorgehaltener Hand – Bewunderung: Was für ein cleverer Schachzug von Wille. 

Offiziell heisst es aus der SRG-Direktion: Der Schritt sei rein wegen der Sparvorgaben des Bundes nötig. Das ist schwer zu glauben. Wahrscheinlich ist, dass Frau Wille der grössten Bedrohung für ihre Institution den Zahn ziehen will: der Halbierungsinitiative. Gemäss Umfragen hat die drastische Senkung der Radio- und Fernsehgebühren im Volk gute Chancen. Gefährlich gute Chancen.

Susanne Wille geht nun in die Offensive. Sie ist die erste Frau an der Spitze der SRG. Und die erste der Generaldirektoren, die den Umbau der Institution ernsthaft vorantreibt. Ihre Vorgänger haben ihn verbummelt. Obwohl die SRG schon lange in der Kritik steht. Selbst die No-Billag-Initiative war kein Weckruf. Selbst danach tat man einfach weiter, was man bis dahin getan hatte: Kritik abwehren. Still halten. Wille übernimmt nun den undankbaren Job.

Und vielleicht ist es am Ende nur ein grosser Bluff. Vielleicht weiss die Generaldirektorin heute schon, dass es nicht zu 900 Entlassungen kommt. Sondern zu einem Abbau vor allem über Fluktuationen und Pensionierungen. Zuzutrauen wäre ihr auch dies als Schachzug.

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