Schweizer Kehrichtöfen
Abfall ist Gold wert – aber nicht um jeden Preis

Sack zu, Marke drauf, raus damit. Für uns ist der Kehricht erledigt. Dabei steckt noch Wert darin: Er liefert Energie. Für seine Verbrennung zahlen wir trotzdem. Aber zahlen wir auch einen fairen Preis?
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Abfallensorgung in Thun: Was kostet uns das Verbrennen unseres Ghüders wirklich?
Foto: Keystone
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Stefan Meierhans
  • Die Annahmepreise der KVA sanken seit 2009 im Schnitt von 159 auf 134 Franken pro Tonne ohne MWST
  • Zwischen den Anlagen liegen die Preise bei 70 bis 234 Franken pro Tonne Kehricht aus Gemeinden
  • Betreiber planen sechs Prozent mehr Kapazität, obwohl Vermeidung und Recycling Abfall senken sollen

Mein Team hat die Schweizer Kehrichtverbrennungsanlagen unter die Lupe genommen. Die gute Nachricht: Die Annahmepreise für Abfälle aus den angeschlossenen Gemeinden sind im Durchschnitt gesunken. 2009 kostete eine Tonne noch 159 Franken, heute sind es 134 Franken – ohne Mehrwertsteuer. Die hohe Auslastung dürfte dazu beitragen: Viel Abfall verteilt die Kosten auf viele Schultern.

Doch die Unterschiede sind happig: Die günstigste Anlage verlangt 70 Franken pro Tonne, die teuerste 234 Franken. Mehr als das Dreifache für denselben Auftrag: Kehricht verbrennen.

Unterschiedliche Kosten, Auslastung und Effizienz können solche Differenzen erklären. Ein hoher Preis allein beweist keinen Missbrauch. Er verlangt aber nach Antworten. Denn beim Kehricht können wir nicht einfach den Anbieter wechseln. Für Siedlungsabfälle besteht ein Entsorgungsmonopol. Umso wichtiger sind nachvollziehbare Preise.

Auch beim Ausbau ist Weitsicht gefragt. Die Anlagen sind heute weitgehend ausgelastet. Nun planen die Betreiber rund sechs Prozent mehr Kapazität. Doch brauchen wir künftig tatsächlich so viel Platz in den Öfen?

Die Bevölkerung wächst, zugleich sollen Abfallvermeidung und Recycling die Abfallmenge senken. Diese Entwicklungen müssen die Ausbaupläne abbilden. Denn auch ein schlecht ausgelasteter Ofen kostet.

Zu viel Kapazität könnte uns doppelt treffen: Weniger Abfall muss dieselben hohen Fixkosten decken – die Entsorgung pro Tonne wird teurer. Fehlt zugleich Wärme für die Fernwärmeversorgung, braucht es Ersatz. Ist dieser teurer, steigt auch die Heizrechnung.

Ich werde deshalb die Preise und die Ausbaupläne im Auge behalten. Wir klären auffällige Unterschiede ab, intervenieren bei überhöhten Preisen und schlagen nötigenfalls Änderungen an den Rahmenbedingungen vor.

Die Öfen müssen zum Abfall passen. Nicht der Abfall zu den Öfen.

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