Fix zur Gesellschaft
«Gratis zum Mitnehmen»

Die Leute stellen einfach ihre alten Möbel auf die Strasse und denken sich: Jemand wird sie schon mitnehmen. Mitnichten. Wobei, mein Tisch ist doch noch in gutem Zustand – will den jemand?
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Alexandra Fitz, stv. Leiterin SonntagsBlick Magazin
Foto: Thomas Meier
Alexandra Fitz

Ein abgeranztes Nachttischchen, eine verpisste Matratze oder ein Stuhl mit drei Beinen: Es vergeht kein Tag, an dem in meinem Quartier in Zürich nichts am Strassenrand steht. Jeden Morgen frage ich mich schon beim Verlassen des Hauses: Was liegt wohl heute so rum? Von was haben sich die nachtaktiven Stadtzürcher denn heute so getrennt? Das Sperrgut wird nämlich vor allem in den dunklen Stunden entsorgt. Schliesslich will man ja nicht vom Nachbarn auf frischer Tat ertappt werden.

Zugegeben, ich habe auch schon eine Kleiderstange, die vor der Haustüre stand, mitgenommen. Ich konnte sie gebrauchen. Aber meistens sind die Sachen so kaputt oder so eklig, dass man sie nicht mal mehr ganz nach Hause schleppen kann oder nicht einmal mit einem Astronautenanzug anfassen will. Halt! Ganz so stimmt das nicht. Unsere Wegwerfgesellschaft stellt vor lauter Faulheit auch eine Top-DVD-Sammlung raus oder einen Fernseher, der zwar noch läuft, aber eben nicht mehr in Full-HD. Zur mangelnden Lust kommen die fehlende Zeit und das nicht vorhandene Auto. Also wer fährt nun den Mist in die Kehrichtverbrennung?

Mein Gschpänli beichtet, dass er beim Umziehen mal ein kleines Bänkli auf einen Parkplatz stellte (wer das noch nie gemacht hat, der werfe den ersten Stein!) – und das kleine Sitzding stehe heute noch da. Drei Jahre später! Letzte Woche stellte auch ich etwas vor die Türe: einen Holztisch! Alle vier Beine abgeschraubt, die Schrauben mit Klebeband schön süferli drangeklebt. Eine Woche später steht er immer noch da (inklusive eines Rahmens, den jemand anders drangelehnt hat!), und ich denke jeden Morgen, wenn ich aus dem Fenster schaue: Mist, er ist immer noch da! Darf man das eigentlich? Wie ist das Gesetz? Ich frage Daniel Eberhard von Entsorgung + Recycling Zürich (ERZ): «ERZ toleriert, wenn einwandfreie, funktionstüchtige Gegenstände am Tag und vor dem Hauseingang zum Mitnehmen angeboten werden. Bedingung ist aber, dass die Gegenstände abends wieder hereingenommen werden und den Gehweg nicht versperren.» Heute Abend hol ich das Tischli wieder rein. Versprochen!

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