Die gescheiterte Hinrichtung der Mörderin Christa Pike (50) in den USA heizt die Debatte über die Todesstrafe neu an. Es wäre der Moment, um Schluss zu machen mit einem Relikt aus Zeiten, in denen es um Rache ging und nicht um Gerechtigkeit. Die Todesstrafe ist grausam, würdelos und unnütz: Sämtliche Argumente sprechen gegen sie.
US-Präsident Donald Trump sieht das anders. Er will Hinrichtungen von Schwerverbrechern massiv ausweiten. Dabei verwehrt die Todesstrafe einem Menschen die Möglichkeit, eine Tat durch Wiedergutmachung, Reue oder Besserung zu sühnen. Hinrichtungen haben bloss einen einzigen Zweck: ein Leben auszulöschen.
Der Staat tötet einen Menschen, der wehrlos in seiner Obhut sitzt. Und das manchmal willkürlich. Ob jemand stirbt, hängt gerade in den USA nicht selten von Anwalt und Staatsanwalt ab, nicht allein von der Schwere der Tat.
Die Todesstrafe verhindert keine Verbrechen. Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass eine lebenslange Haftstrafe ohne Aussicht auf Freilassung genauso abschreckend wirkt wie eine drohende Hinrichtung.
Schon bei der Erfindung der Guillotine wurde darüber debattiert, ob sich Hinrichtungen «human» vollziehen lassen. Lassen sie sich nicht. Humanes Töten ist ein Widerspruch in sich. Der Fall von Christa Pike führt das auf verstörende Weise vor Augen.
Die Konsequenz daraus kann nur eine sein: Staaten, die von sich behaupten, ein Rechtsstaat zu sein, schaffen die Todesstrafe ab. Recht darf nicht mit Vergeltung verwechselt werden.
Eine lebenslange Freiheitsstrafe ohne Bewährung schützt die Gesellschaft mindestens so gut – ohne dass der Staat selbst zum Täter wird.