Magdalena Martullo-Blocher, die unübersehbare SVP-Tochter, die nicht Bundesrätin werden will, bezeichnete die Schweiz in einer «Arena»-Sendung als «Staatenbund». Das war die Schweiz in der Tat einmal, bevor sie die moderne Schweiz wurde – die freisinnig-freiheitliche Republik:
Der Bundesstaat.
Hat sich Magdalena Martullo-Blocher verplappert? «Verplappern» hat zwei Bedeutungen: falsch formulieren oder ungewollt die Wahrheit sagen. Kein Zweifel, der SVP-Nationalrätin ist rausgerutscht, wovon ihre Partei träumt:
Der Schweiz von gestern.
Diesen politischen Traum verrät auch das Symbol der Hellebarde, mit dem die SVP bei Kundgebungen das Rednerpult zu schmücken pflegt – und das Martullo-Blocher bei ihrem «Arena»-Auftritt am Revers trug, drohend und sehnsüchtig zugleich. Die historische Waffe steht für eine vergangene Schweiz:
Die Alte Eidgenossenschaft.
Im Dezember aber soll das Parlament ein SVP-Mitglied in den Bundesrat wählen – in ein Regierungsgremium von revolutionärer Gleichheit: jedes der sieben Mitglieder Gleiches unter Gleichen, jeder Minister kollegial eingebunden in die gemeinsame Politik, also auch in die Arbeit der anderen sechs. Wer sich dieser Konsenskultur nur mit innerem Sträuben fügt, weil er tief persönlich das autoritäre Regieren vorzieht, der scheitert. Wie Christoph Blocher, 2007 nach nur vier Jahren im Bundesrat abgewählt.
Der gerade ausscheidende SVP-Regierer Guy Parmelin ist das Gegenbeispiel zum Allesbesserwisser aus Herrliberg. Der gelernte Weinbauer und Waadtländer kennt Kollegialität als Wohlbefinden. Er geniesst das überaus erfolgreiche System bundesrätlicher Beschlussfassung, die Diskussion unterschiedlicher Standpunkte, bis Gemeinsamkeit erreicht ist.
Das Betriebsgeheimnis der Regierung aus vier Parteien.
Wen von der SVP zeichnet das sonst noch aus? Am ehesten womöglich eine Frau, konsensfähig, weil geübt im Umgang mit autoritär geprägter Männlichkeit – ein wertvoller Vorteil weiblicher Lebenslehren. Auch eine Hellebarde dürften SVP-Politikerinnen wohl kaum ins Bundeshaus schleppen wollen. Wenn doch, wäre sie beim Eingang abzugeben.
Zu empfehlen wäre des Weiteren ein Blick durchs Bundeshausfenster, hinaus in die Schweiz von heute: ein Blick auf den Bundesstaat mitten in Europa, das geregelte und erfolgreiche Verhältnisse mit der Schweiz von 2026 sucht, der grossartigen Demokratie – nicht mit Martullo-Blochers Staatenbund von gestern.
Fürwahr viel verlangt von der SVP.