Der Anschlag auf den Berliner Christopher Street Day «trifft Deutschland ins Mark». So die ansonsten aller Dramatik abgeneigte «Frankfurter Allgemeine». Der Aussenpolitik-Chef des konservativen Blattes sagt auch gleich, weshalb: Das Attentat richte sich «gegen den freiheitlichen Staat».
Wohl wahr. Und wohl nichts Neues. Oder eben doch – für Deutschland.
Die Bundesrepublik hat sich angesichts der anhaltenden Einwanderung im Tagtraum einer Multikultur eingerichtet, der sich wie von selbst erfüllt, sobald man Migranten nur sämtliche sozialen Wohltaten zugänglich macht. Einwanderung in den Sozialstaat nennen wagemutige Kritiker diesen Vorgang – sie werden als Rassisten geschmäht.
Darum ist es für Politik und Publizistik im aktuellen Fall auch äusserst heikel, die Ursache des Terrors zu benennen. Man verbrämt die kulturellen Wurzeln der Gewalt mit dem Begriff «Islamismus», was im gleichen Atemzug die ihr zugrunde liegende Religionskultur ausblendet.
Der Islam ist tabu.
Wie konnte es so weit kommen? Die Antwort findet sich in der allerjüngsten Geschichte der jungen deutschen Demokratie – bei der Generation der 68er, einer Jugend- und Studentenbewegung zu Zeiten des damals noch allseits gefeierten Wirtschaftswunders. Sie huldigte einem Sozialismus, der sie von der Schuld ihrer Nazi-Väter und Nazi-Mütter freisprechen sollte.
Der nachgeholte Widerstand: eine absurde Inszenierung.
Seither entwickelte sich in Deutschland eine kulturelle Hegemonie von Kindern und Kindeskindern der Studentenrevolte – stets sozialistisch beschwingt, von der Anbetung Mao Zedongs bis zur Heiligenverehrung Fidel Castros und seiner Jesusfigur Che Guevara. Das Revoluzzer-Gebot: «Macht kaputt, was euch kaputt macht» wird dem antikolonialistischen Denker Frantz Fanon zugeschrieben.
Die rot-grüne Säkularreligion hat mittlerweile die gesamte bundesrepublikanische Gesellschaft erfasst. Alles soll vom Staat geregelt und gelehrt werden, von der ideologisch korrekten Mahlzeit bis zum ideologisch korrekten Multikulti.
Von den Annehmlichkeiten des sozialen Freiheitsstaates – nicht nur in Deutschland, auch in der Schweiz – profitiert vor allem der Islam. Um die Nennung dieser Religion zu umgehen, schwadronieren die linksgrünen Gläubigen von «Patriarchalismus», wie er schliesslich in allen Ländern und in allen Kulturen vorkomme. Äusserstenfalls wird noch «Nordafrika» als Heimadresse der Eingewanderten genannt.
Möglichst nicht genannt wird die mit ihnen eingewanderte Religion.
Der Islamismus, der nun in Berlin erneut zugeschlagen hat, ist die ins Gewalttätige gesteigerte Form einer Lehre, die ihm die Begründung für seine mörderischen Botschaften liefert: eine Ideologie der Männerherrschaft, die sich bisher auch in unseren freiheitssatten Gesellschaften nicht geläutert hat, wie beispielsweise der Katholizismus durch das Vatikanische Konzil von 1962–1965.
Damals schloss Rom Frieden mit der freiheitlich-demokratischen Welt des Westens und reihte sich ein in die aufklärerischen Kräfte der Geschichte: gegen alle voraufklärerische Ideologie, ob religiös oder säkular, ob Islam oder Kommunismus.
Man hoffte vielleicht, dass sich die islamischen Gäste an der Tafel ihrer freimütigen Gastgeber um freiheitliche Tischmanieren bemühen würden: um einen Islam, der sich zu den Gesetzen von Demokratie und Rechtsstaat bekennt, der mit Frauenverachtung und Homosexuellenverfolgung bricht.
Aber gibt es Stimmen, die in diesem Sinne hörbar werden? Hat sich ein imposanter Protestchor quer durch die muslimische Community erhoben gegen den Anschlag von Berlin, gegen die alltäglichen Gewaltakte mit islamischem Hintergrund?
Wie auch? Die linksgrüne Szene stellt sich weiterhin schützend vor die frisch geworbenen Migrationsgenossen – an den Universitäten, in der Politik, in den Medien, in der Verwaltung sowie in finanziell fett gepolsterten NGOs – sogar in der Justiz. Erkennbar wird dies im Verzicht der Rechtsbehörden, den schon zuvor schwer straffällig gewordenen IS-Anhänger vor seinem Attentat im Berliner Tiergarten hinter Schloss und Riegel zu setzen.
Wenn die islamischen Verächter freiheitlichen Rechts allzu laut auftreten, ist häufig der Ruf zu hören, man dürfe ihre Religion nicht unter «Generalverdacht» stellen. Es wäre schön, Linksgrün würde sich intensiver mit den unverrückbaren Glaubenssätzen der Schützlinge beschäftigen. Weshalb geschieht das nicht?
Die Antwort ist auch eine Antwort auf die bürgerliche Unfähigkeit, die Feinde der Freiheit überhaupt zu erkennen – erkennen zu wollen: Die Erben von 68 haben nicht Demokratie und Freiheit im Sinn. Sie betreiben zielsicher die Zerstörung der Zivilisation, die Bürgertum und Arbeiterbewegung gemeinsam geschaffen haben.
Linke wie Grüne verachten im Grunde die Freiheit. Sie sind Anhänger der geschlossenen Gesellschaft, die ja – auch daran glauben sie – ein Paradies sein soll. In diesem Glauben sind sie sich einig mit der politischen Botschaft des Islam.
Übrigens und nur ganz nebenbei: Wer kümmert sich um die Opfer des Berliner Anschlags, zum Beispiel um die Familie der getöteten 64-jährigen Polin? Oder um die Dutzenden von Schwerverletzten? Bei den Genossen der Gewalttäter in Politik und Publizistik ist solches Mitleid nicht vorgesehen.