Die Kolumne
Thomas Matters Töchter

Kommentieren
FAM.jpg
Frank A. MeyerPublizist

Könnte es sein, dass Thomas Matter recht hat? Der Kampagnenführer der Initiative für eine 10-Millionen-Schweiz sorgt sich um seine vier Töchter: «Sie können nicht mehr allein in die Stadt, weil sie Angst haben.»

Der Banker beklagt die öffentlichen Zustände: Schon in der eigenen Familie erfahre er «mehr als genug über Anpöbelungen, Anmachen und Angriffe junger Männer, die zu guten Teilen nicht aus Schweizer Familien stammen». Matter fügt hinzu, er werde auch künftig nicht schweigen, «wenn es um verbale und tatsächliche sexuelle Gewalt an jungen Frauen durch migrantische Jugendliche geht».

Dicke Post von einem, der politisch gern dick aufträgt.

Ist es erlaubt, dem SVP-Nationalrat aus Meilen recht zu geben?

Eine Sozialdemokratin liess alsogleich vernehmen, was sich in diesem Fall geziemt – und was nicht: «Zu behaupten, Gewalt käme nur von Ausländern, ist ein Ablenkungsmanöver, das der Realität nicht gerecht wird. Und es ist respektlos gegenüber jeder Frau, die Gewalt erfährt.»

Punktum.

Nein, dem Meilemer Millionär Matter aus dem Milieu von Rechtsaussen darf man nicht zustimmen, zumal doch das Volk den 10-Millionen-Deckel für die Schweiz gerade erst abgelehnt hat.

Die Mehrheit hat immer recht – vor allem, wenn man zu ihr gehört. Also hat Matter natürlich unrecht: Schweigen soll er!

Gesetzt den Fall, das Unbehagen seiner Töchter beim Gang in die Stadt wäre mehr als ein familiäres Problem, gesetzt den Fall, ihr Unbehagen wäre das Unbehagen zahlloser Frauen, denen nur der prominente Vater fehlt, um es publik zu machen, gesetzt den Fall also, Thomas Matter hätte recht – was dann?

Dann müsste darüber geredet werden. Wie überhaupt geredet werden müsste, über all die Behelligungen durch Migration und Migranten. Zum Beispiel über Messergewalt auf dem Pausenplatz, über Mädchenverachtung im Klassenzimmer, über Gewalttätigkeit gegen Homosexuelle, über die Unmöglichkeit, den Schulstoff zu vermitteln, weil zu viele sprachunkundige Kinder in der Klasse sitzen – zum Nachteil der landessprachlichen Jugend.

Auch der Antisemitismus hat durch judenfeindliche Migration Auftrieb erhalten – Israel muss weg, Palästina muss hin: «From the river to the sea».

Wer aber sind die Migranten, die alle meinen – und die kaum einer zu benennen wagt? Sind es die tüchtigen Asiaten? Sind es die vorlauten Deutschen? Sind es die selbstgewissen US-Expats? Sind es die fröhlich lärmenden Südamerikaner? Sind es die trinkfreudigen Engländer?

Es sind die Einwanderer aus der islamischen Kultur. «Kultur» ist ein ehrenwerter Begriff – in diesem Fall einer aus dem tiefen Brunnen der Vergangenheit: der Begriff für eine historisch verspätete Zivilisation.

Der Islam trägt das Machtdenken der Voraufklärung in unsere westliche, in unsere aufgeklärte, in unsere säkulare, kirchenbefreite Kultur. Der demokratische Rechtsstaat als gesellschaftliche Struktur von Freiheit und Gleichheit des Menschen, unabhängig von Geschlecht, Neigung oder Herkunft, ist dieser Religion fremd.

Erklärbar ist das alles. Wenn es denn bloss einmal offen erklärt würde. Doch es wird ver-klärt: zur Religion wie jede andere auch.

Was würde mit einer Partei geschehen, die gegen Frauen und Homosexuelle gerichtete Glaubenssätze und Verhaltensregeln als politische Programmpunkte präsentiert? Sie würde wohl verboten.

Weshalb hat sich eine Religion, die von ihren Gläubigen eben dieses Verhalten fordert, nicht der geltenden schweizerischen Verfassung zu beugen?

Islamismus ist das Zauberwort.

Dieser Begriff hält den Islam rein von allen Vorwürfen. Seine Widerwärtigkeiten werden mithilfe des «Islamismus» an Gewalttäter und Terroristen ausgelagert, die im Namen des Propheten operieren.

Islamismus ist die perfekt funktionierende Ausrede.

Sie wirkt überall dort, wo Bürgerlichkeit – die Form wohlanständiger Gleichheit – konfrontiert ist mit dieser Kultur aus einer voraufklärerischen Zeit: in deutschen Stadtteilen ebenso wie in der Pariser Banlieue, wo islamisches Selbstverständnis bereits die Gesellschaft bestimmt – ja, die Macht übernommen hat.

Westliche Linke und Grüne haben in den muslimischen Migranten ihre neue Klientel entdeckt: eine Unterklasse, wie sie diese Herrschaftselite gerade gut gebrauchen kann – nachdem ihr die inzwischen bürgerlich emanzipierten Arbeiter als Wählerschaft abhandengekommen sind.

Den Konflikten der Migration gehen die Parteifunktionäre in ihren exklusiven Elite-Bezirken aus dem Weg, geschützt durch eine Leibgarde aus Journalisten ebensolcher ideologischer Prägung und ebenso wohlbestallter Herkunft.

Die Kulturrevolution ist geglückt – in den meisten Städten herrscht Linksgrün, von Zürich über Bern bis Paris und Berlin.

Darf man unter solchen Umständen dem rechtskonservativen Banker aus Meilen recht geben in der Sorge um seine Töchter? Um jedwede politische Unkorrektheit zu vermeiden, sei es hier ganz schlicht so formuliert:

Thomas Matter ist ein guter Vater.

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen