Die Kolumne
Sprachgewalt

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Frank A. MeyerPublizist

Der US-Präsident will den Iran ausradieren, wenn das Mullah-Regime nicht zum Frieden mit der westlichen Welt bereit ist: «Eine ganze Zivilisation wird heute Nacht sterben und nie wiederkehren», so Donald Trumps Drohung.

Diese Woche bombardierten US-Luftstreitkräfte die Hauptstadt Teheran sowie Autobahnen und die Ölinsel Kharg. Trump sah darin einen «der wichtigsten Momente in der langen und komplexen Geschichte der Welt».

Komplett enthemmt («Open the fuckin’ Strait, you crazy bastards!») fügte der Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte eine weitere Drohung hinzu: «Wir werden sie in die Steinzeit zurückbomben, wo sie hingehören.»

Welt-Kriegsherr Donald Trump.

Was ist das für eine Sprache? In der deutschen «Bild»-Zeitung zog der brillante Kolumnist Harald Martenstein das ratlose Fazit: «Der Trump-Stil ist einzigartig in der Geschichte der Diplomatie.»

In der Diplomatie womöglich schon. Nicht aber in der Politik: Diktator Benito Mussolini (1883–1945), Begründer des Faschismus als politische Ideologie, war ein Gewalttäter des Wortes – und bekannte sich stolz dazu: «Wir diskutieren nicht mit denen, die nicht unserer Meinung sind, wir vernichten sie.»

Bei seinen pathetischen Reden auf Italiens Bühnen protzte er mit demonstrativ geschwellter Brust und himmelwärts erhobenem Kopf, die Hand immer wieder zum Faschistengruss gereckt – leibhaftiges Symbol totalitärer Macht.

Der Duce!

Donald Trump wirkt wie ein Abziehbild dieser Figur aus fataler Vergangenheit: Wenn er der widerstrebenden Welt die Faust entgegenreckt, wenn er mit gestrecktem Zeigefinger und finsteren Influencer-Faxen den Führer spielt, wenn er seine Feinde als Würmer und Winzlinge verflucht, wenn er das segensreiche Wirken seines erlauchten Seins im Interesse der USA beschwört. Tag für Tag hallt die Welt wider von Trumps tobenden Tönen.

Der Duce Amerikas?

Gottlob haben diese Auftritte auch eine andere Seite: die Lachhaftigkeit seiner Selbstinszenierung. Trumps Lächerlichkeit – akzentuiert durch die fordernde Sprache eines Kindes: «Ich will Grönland, sie wollen es uns nicht geben.» Wo ist Mama?

Dürfen wir lachen? Oder müssen wir uns fürchten?

Mussolinis Selbstinszenierung war zum Fürchten – solange er Macht besass. Ohne Macht war sie nur noch lächerlich. Der Herrscher über Italien: ein Zampano – ein Clown.

Der fürchterliche und der lächerliche Diktator sind zwei Seiten derselben Münze.

Charlie Chaplin (1889–1977), der Welt grösster Komödiant, widmete diesem Phänomen den Film «The Great Dictator»: Ein jüdischer Coiffeur wird mit der Schnurrbärtchen-Figur Hitlers verwechselt und entblösst in ratlos-raffinierter Imitation der Führer-Figur und ihrer Sprache die Lächerlichkeit des Weltverbrechers. Ein Schwarz-Weiss-Film als aufklärerische Moritat. Chaplin schuf die Komödie noch vor Weltkrieg und Holocaust, vor der endgültigen Entlarvung der deutschen Vernichtungs-Herrschaft.

Der Filmklassiker ist auch ein Lehrstück über rhetorische Exzesse: fürchterlich in Zeiten diktatorischen Schreckens, lächerlich in der freien Gesellschaft von heute – der grenzenlose Infantilismus eines demokratisch Gewählten.

Des mächtigsten Clowns der Welt.

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