Die Kolumne
Nein

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Frank A. MeyerPublizist

Was ist die Enzyklika «Magnifica humanitas» von Papst Leo XIV.? Ein moralisches Traktat? Eine Lehrschrift gegen die künstliche Intelligenz? Eine Streitschrift gar?

Sie ist die Verpflichtung des Menschen auf seine Freiheit.

Auf sein Ich!

Dieses Ich ist die Essenz des Menschen als Gottes Ebenbild: «Gott erschuf den Menschen als sein Bild, als Bild Gottes schuf er ihn», so das Buch Genesis. Für den anno 1323 heiliggesprochenen Kirchenlehrer und Universalgelehrten Thomas von Aquin (1224–1274) ergibt sich aus dieser «Gottesebenbildlichkeit» der freie Wille des Menschen. Der lutherische Theologe Dietrich Bonhoeffer (1906–1945), Nazigegner und Naziopfer, erneuerte und bekräftigte diesen Befund für die Gegenwart: «Die Freiheit eines Menschen (ist) die Grundbestimmung der Gottesebenbildlichkeit.»

Dieser Quintessenz der christlichen Theologie liegt alles Streben nach Freiheit zugrunde, das den Lauf der Geschichte bestimmt: von der Emanzipation des Individuums in der Renaissance über die Amerikanische, dann die Französische Revolution 1776 und 1789 bis hin zum demokratischen Rechtsstaat unserer Tage, der die Freiheit als gesellschaftliche Lebensweise garantiert.

All dies ist in den Augen des Papstes nun gefährdet: durch die Anmassung neuer Götter, die mit der künstlichen Intelligenz ihre eigene Schöpfungsgeschichte schreiben. Sie soll den Menschen künftig lenken und schliesslich ersetzen:

KI statt Ich.

Könnte eine Enzyklika jemals dringlicher gewesen sein? In der ersten Schrift dieser Art des neuen Papstes geht es nicht einfach um Regeln, mit denen die Auswirkungen des technischen Fortschrittes zum Nutzen der Menschheit zivilisiert werden sollen. Es geht um ein kategorisches Nein zu den KI-Autokraten, die ihr neues Weltreich im Blick haben, es ausprobieren möchten auf Inseln, über die sie herrschen – frei von Demokratie und Rechtsstaat. Ihr Ziel einer globalen Herrschaft verfolgen sie ohne alle Skrupel, denn sie wähnen sich im neuen Recht – dem Recht der totalen technologischen und ökonomischen Macht.

KI-gestützt.

Künstliche Intelligenz ist das Alpha und Omega der neuen Weltordnung – weil KI jederzeit und in Sekundenbruchteilen belegen kann, dass Alpha Omega ist und Omega Alpha. Wer vermöchte einer solchen Absurdität zu widersprechen?

Der Papst.

Man halte sich zwei Gesichter vor Augen: die fordernde Physiognomie des reichsten Mannes der Welt mit einer siegesgewiss und herablassend vorgeschobenen Unterlippe – und das bescheiden warme, beinahe schalkhaft lächelnde Antlitz des Bischofs von Rom.

Welchem dieser Bilder ist hier das Prädikat «Ebenbild Gottes» zuzugestehen? Und welches verdient ein kategorisches Nein?

Vielleicht kommt Papst Leos Enzyklika gerade noch rechtzeitig.

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