Die Kolumne
Die Selbstzerstörer

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Frank A. MeyerPublizist

An der Biennale von Venedig, der ältesten und möglicherweise bedeutendsten Manifestation zeitgenössischer Kunst und Kultur, herrscht Hass auf Israel. Der in Bukarest geborene und in Haifa lebende Belu-Simion Fainaru berichtet von seinen Erlebnissen am diesjährigen Kunstfest der Lagunen-Stadt: «Wen auch immer ich hier begrüsse, man dreht sich von mir weg.»

Der Bildhauer und Installationskünstler wird in Venedig ignoriert und boykottiert. Kaum ein Künstlerkollege will noch mit dem Vertreter Israels zu tun haben. Er sollte sogar von der offiziellen Teilnehmerliste gestrichen werden. Auch seine Galerie distanziert sich von ihm. Sie hat Angst, die Verbindung könne ihrem Ruf schaden. Fainaru: «Es ist schmerzhaft, dass ich als Gefahr eingestuft werde – einfach, weil ich israelischer Jude bin.»

Fainaru erlebt dieser Tage ganz persönlich eine Judenfeindlichkeit, die sich als Solidarität mit den Palästinensern inszeniert. Ihr Slogan: «Free Palestine from the river to the sea.» Übersetzt ins politische Deutsch bedeutet diese Forderung:

Die Vernichtung Israels.

Die linke Kulturszene begründet ihren Israel-Hass mit den militärischen Angriffen im Gazastreifen und im Südlibanon, dem Krieg der jüdischen Nation gegen Hamas und Hisbollah, beides Terrororganisationen, die in der finanziellen Gunst des Iran stehen und dessen antiisraelische Aussenpolitik betreiben. Als Staatsziel des Mullah-Regimes ist festgeschrieben:

Die Vernichtung Israels.

Jüngster Höhepunkt dieser Politik war das Pogrom der Hamas vom 7. Oktober 2023, die Vernichtung von beinahe 1200 überwiegend israelischen Menschen durch Mord, Folter und Vergewaltigung – durch sadistisches Lynchen auch von Kindern. Das Ziel:

Die Vernichtung der Juden.

Seitdem demonstriert die westliche Kultur-Elite Solidarität. Mit wem? Mit Israel, das sich seiner mörderischen Feinde ein für allemal durch Waffengewalt zu entledigen sucht? Nein, die medial-global vernetzte Solidarität gilt den Massenmördern der Hamas, ebenso den Massenmördern der Hisbollah – professionellen, militärisch organisierten Judenfeinden.

Linkselitärer Antisemitismus in Reinkultur.

Wie ist die Solidarität der Linken mit dem islamischen Terror zu erklären? Wie ist zu erklären, dass Linke Israel als Nation betrachten, die nicht sein soll, nicht sein darf? Wie ist zu erklären, dass diese Überzeugung in den Augen und Absichten zahlloser westlicher Kultur- und Kunstmächtigen als historisch richtig gilt?

Israel ist der einzige demokratische Rechtsstaat inmitten autoritärer Gesellschaften. Seine Bürger betreiben Kritik als Lebenselement, sogar in Kriegszeiten, was für Israel bedeutet: seit jeher! Denn schon immer lebte der jüdische Staat mit Angriffen und Überfällen und Kriegszügen seiner arabischen Nachbarn. Der 7. Oktober 2023 ist nur ein Datum unter vielen im islamischen Aggressions-Kalender.

Woher aber rührt diese Insistenz der arabischen Nachbarnationen, die sich auch Israels zum Friedensschluss ausgestreckter Hand verweigerten? Weshalb der permanente Krieg des Iran und seiner terroristischen Hilfstruppen gegen einen Staat, mit dem das Perserreich nicht einmal gemeinsame Grenzen hat? Die Antwort lautet:

Israel ist der Westen.

Genau: i s t!

Und zwar in jeder Hinsicht: Von der nie abreissenden politischen Debatte über Richtig und Falsch bis zum selbstkritischen Hinterfragen kapitalistischen Wirtschaftens bis zum unaufhaltsamen Forschungsfortschritt bis zur lustvoll gelebten Demokratie steht der jüdische Staat beispielhaft für Freiheit – inmitten einer historisch verspäteten Religionskultur.

Israel ist der Stein des Anstosses!

Modernität und Erfolg des Judenstaates kränken nicht nur die islamischen Nachbarnationen. Modernität und Erfolg des Judenstaates provozieren die westlichen Kapitalismus-Feinde in aller Welt: die marxistisch beseelte Linke mit ihrem aktivistischen kulturellen Umfeld, politisch Engagierte aus Wissenschaft und Kunst, postmoderne Volkserzieher der Klimaideologie.

Ja, die Glaubenseiferer jener Lehren können nicht mit einem säkularen, gar laizistischen System. Sie fühlen sich klassisch-autoritären Religionen nahe. Die Verbrüderung mit dem Islam entspricht ihrem Credo.

Israel ist ihr Ernstfall.

In einem berührenden journalistischen Essay beschreibt Mathias Döpfner, Chef des Springer-Verlags, die postmodern kuratierte Judenfeindlichkeit aktivistischer Kunst- und Kulturkreise: «Im Antisemitismus hasst und beneidet der Westen sich selbst. Wenn der Westen – natürlich nicht geografisch definiert, sondern als freie Welt –, wenn dieser Westen den Antisemitismus nicht besiegt, wird er sich selbst zerstören.»

Die Koalition der Zerstörer formiert sich gerade.

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