Heute endet die vierte Hitzewelle dieses Sommers. Oder war es die fünfte? Die sechste? Vielleicht macht es je länger je weniger Sinn, überhaupt von Wellen zu reden. Wir müssen die glühenden Sommertage als das hinnehmen, was sie sind: der neue Normalzustand.
Und der ist enorm. Im Mittelland zählten viele Orte mehr als 40 Hitzetage mit Temperaturen über 30 Grad. Noch Anfang der Neunzigerjahre konnten wir solche Tage an einer Hand abzählen.
So schön die lauen Sommerabende sind: Diese Wetterlage ist kein Spass. Die Hitze und die massive Trockenheit schaden nicht nur der Wirtschaft, sie sind eine Katastrophe für Natur und Schöpfung. Die Produktivität sinkt, die Energiekosten steigen. Pflanzen, Tiere und Menschen leiden – und sterben.
Das ist keine Klimahysterie. Das sind (pardon!) trockene Fakten. Und die Situation wird sich weiter verschärfen.
Die Schweiz sollte jetzt beides sein: ambitioniert beim Klimaschutz und pragmatisch bei Anpassungen an die neue Realität. Parteigrenzen dürfen da keine Rolle spielen. Denn der Klimawandel kennt weder links noch rechts.
Dass Umweltminister Albert Rösti sich von Szenarien überrascht zeigt («Eine derart heftige Hitze hätte ich nicht erwartet»), die seit Jahrzehnten vorausgesagt wurden, ist bezeichnend für eine Politik, die gut begründete Warnungen zu lange als Alarmismus abtat. Symptomatisch sind auch die Beton-Bausünden in links-grün regierten Städten. Man hat die Klimarealität ignoriert, solange es ging.
So gesehen, hat dieser Jahrhundertsommer sein Gutes. Er schafft, was bisher weder Klimaklebern noch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern gelungen ist: Er brennt die Dringlichkeit der Lage in alle Köpfe unseres Landes. Vom Bundesratszimmer in Bern bis auf den Bauernhof im Hinterthurgau ist man sich plötzlich erstaunlich einig: Wir müssen umdenken.
Albert Rösti findet jetzt: «Dieser Hitzesommer ist dramatisch.» Und die Städte drängen auf einen nationalen Hitze-Aktionsplan.
Aus Leidensdruck wird Handlungsdruck. Nun geht es darum, die notwendigen Massnahmen unbürokratisch umzusetzen, statt bloss darüber zu debattieren: flexible Arbeitszeiten, Schutz und Betreuung von älteren, chronisch kranken Menschen, die Entsiegelung von Betonflächen. Und: den Einbau von Klimaanlagen, wenn bauliche Massnahmen nicht ausreichen – insbesondere in Schulen, Spitälern und Altersheimen.
Eine Schweizer Hitzestrategie sollte so selbstverständlich sein wie Lawinen- oder Hochwasserschutz. Denn die nächste Hitzewelle kommt so sicher wie der Wetterbericht. Gut möglich, dass der Sommer in einem Jahr der heisseste Ihres bisherigen Lebens wird.