Es ist weder illegal noch illegitim, dass in Albert Röstis Umweltdepartement auf höchster Ebene über die Verwendung des Begriffs «Klima» gestritten wird. Dennoch beleuchtet dieser Vorgang etwas demokratiepolitisch höchst Delikates: Politik ist Sprache. Sprache ist Politik.
Selbst der aussichtsloseste Asylbewerber wird links zum «Geflüchteten», zum wehrlosen Opfer übergeordneter Umstände, während er rechts zum «Asylanten» oder «Eindringling» mutiert. Die hochkomplexen dynamischen Rahmenabkommen mit der EU schrumpfen in europhilen Zirkeln zu putzigen «Bilateralen III». In SVP-Kreisen verwandeln sie sich in einen bedrohlichen «Unterwerfungsvertrag».
Während NGOs vor «Atomkraftwerken» warnen, ist in nuklear gesinnten Wirtschaftskreisen von harmloser klingenden «Kernkraftwerken» die Rede. Wer im Parlament mit dem Finger auf die Gegenseite zeigt, wittert gern «Lobbyisten» am Werk, ein Wort mit einem sinistren Touch. Die diskreten Helfer aus dem eigenen Lager hingegen nennt man nobel «Interessenvertreter».
An kaum einem anderen Begriff der vergangenen Jahre lässt sich der Kampf um die Deutungshoheit besser ablesen als an «Klima». Die Bewegung um die Schwedin Greta Thunberg hat es geschafft, ein Wort aus der Meteorologie zum politischen Kampfbegriff zu adeln. «Klimastreik», «Klimakrise», «Klimaleugner», «Klimakatastrophe»: Im Vokabular steckt bereits die politische Positionierung.
Darum dürfte Röstis Generalsekretär Yves Bichsel, der mehr General als Sekretär ist, aus seiner Zeit als SVP-Strippenzieher genau wissen: Wer die Klimapolitik bekämpfen will, muss das Wort «Klima» bekämpfen. Dass nach Hitze und Trockenheit in diesem Sommer der Schutz von Bevölkerung, Wirtschaft und Natur vor den Folgen der globalen Erwärmung eigentlich erst recht auf der Tagesordnung stehen sollte, macht das Ganze umso brisanter.
Was dem Ökolager allerdings zu denken geben sollte: Der Mädchenname Greta ist nach einem Zwischenhoch in der Beliebtheitsskala wieder abgesackt.