Der Krieg im Iran weitet sich aus. Die USA greifen die Petrollager des Regimes an. Der Ölpreis steigt. Die Angst vor weltwirtschaftlichen Turbulenzen greift um sich, was wir bereits an unseren Zapfsäulen merken. Hält Donald Trump dem Druck stand und macht weiter?
Dieser Konflikt begann nicht erst vor zwei Wochen, als ein israelischer Luftschlag die Führungsspitze in Teheran traf. Er begann vor 47 Jahren mit einem Irrtum. Als der damalige Revolutionsführer Khomeini 1979 den Schah stürzte, erlag die abendländische Intelligenzia in einer Mischung aus Bewunderung und Neugierde den Männern mit Turban. Geistesgrössen wie Michel Foucault und Jean-Paul Sartre waren im Bann des «spirituellen» Oberhaupts.
Bald jedoch zeigten die Neuen ihr wahres Gesicht, führten den Schleierzwang für Frauen ein und erhoben von Tag eins an die Ermordung aller möglichen Gegner zum politischen Machtinstrument. Foucault bekannte später, dass er sich verschätzt hatte.
Nun dürften wir davon ausgehen, dass die Gesellschaft aus ihrer Fehleinschätzung von 1979 gelernt hat – was leider mitnichten der Fall ist. Verräterisch ist die Sprache der Medien und der Experten. Wenn etwa im Radio SRF zu hören ist, was «konservative Kommentatoren im iranischen Staatsfernsehen» zur Wahl des neuen Oberhaupts sagen, wenn laut der Nachrichtenagentur SDA «ein Gremium aus 88 konservativen Geistlichen» einen Nachfolger wählt oder der neue Revolutionsführer «bei konservativen Gelehrten» studiert habe.
Der neue Obermullah, ein «Konservativer»? Diese Zuschreibung ist pure Schindluderei. Konservativ sind vielleicht Politiker wie Gerhard Pfister, Angela Merkel oder Boris Johnson. Nicht aber Vertreter eines Apparats, der eine ganze Region destabilisiert, die Vernichtung Israels anstrebt und die eigene Bevölkerung massakriert.
In ähnlich schiefer Tonlage wird Irans Mastermind Ali Larijani dargestellt, der eine Dissertation über Immanuel Kant verfasst hatte. Der sei zwar ein «skrupelloser Anführer», aber auch ein «brillanter Philosoph», flötet das israelische Blatt «Haaretz». Man fühlt sich beinahe an die Illusion von 1979 erinnert.