In den Alpen gibt es ein Land, flächenmässig ein Kleinstaat, aber – wirtschaftlich betrachtet – eigentlich eine globale Mittelmacht. Es hat mit Bern eine Bundesstadt, die aber – eigentlich – die Hauptstadt ist.
Mit SRF leistet sich dieses Land einen öffentlich-rechtlichen Sender, der eigentlich als privatrechtlicher Sender funktioniert. Dessen Mutterhaus SRG ist ein Grosskonzern, der eigentlich ein Verein ist. Finanziert wird er mit anderthalb Milliarden Franken an Steuern. Diese Steuern wiederum sind eigentlich, also juristisch, bloss Gebühren.
Mit der Ruag besitzt die Schweiz einen Staatsbetrieb, der sich als Technologiekonzern versteht, aber eigentlich als Waffenschmiede der Armee fungiert. Eigentlich sollte dieser Technologiekonzern über die beste IT des Landes verfügen, doch liess er sich im Herbst trotzdem von einer Hackergruppe erpressen. Eigentlich mahnt der Bund, kein Lösegeld zu zahlen, die Ruag aber tat es trotzdem. Dass man Zahlungen an Erpresser eigentlich nicht öffentlich bekannt macht, versteht sich von selbst. Nichtsdestotrotz plauderte Ruag-Verwaltungsratspräsident Jürg Rötheli gestern vor dem Mikrofon in ebenjenem SRF munter über die Lösegeldzahlung. Eigentlich hat die Ruag eine eigene Kommunikationsabteilung, was Rötheli allerdings nicht davon abhält, auf den Service eines teuren Zürcher PR-Beratungsunternehmens zu setzen. Eigentlich finanziert von uns Steuerzahlern, aber im Jahresbericht nicht so klar ausgewiesen.
Die Schweizer Sicherheitspolitik ist seit 1945 eigentlich wichtiger denn je, tatsächlich aber heillos festgefahren. Denn eigentlich will der Souverän alles, von einer starken Abwehr über subventionierte Kitas bis zur 13. AHV-Rente. Aber mehr dafür zahlen will er nicht. Und eigentlich möchten die Eidgenossen frei und unabhängig sein, obwohl ihre Sicherheit in Kiew, Warschau und Washington verteidigt wird. Eigentlich ist der Wohlstand ihrer Nation unter anderem der Einwanderung zu verdanken, deren Schattenseiten aber niemand aushalten will. Eigentlich gilt die direkte Demokratie, während wir uns längst an internationale Verpflichtungen gebunden haben.
All dies sind nationale Widersprüche, die politisch irgendwie gelöst werden müssten.
Eigentlich.