Die Öffentlichkeit ist ein Beelzebub. Regelmässig spuckt sie Medienphänomene aus, die nach einer gewissen Zeit wieder im Nirwana verschwinden. Erinnern Sie sich noch an die Raser? An den Dichtestress? Oder an den geschniegelt auftretenden Wirtschaftskriminellen? Kaum dreht sich der Wind, sind sie von der Bildfläche verschwunden. Angesichts der jetzigen Hitze und der Trockenheit glänzt ein anderes Thema durch Abwesenheit: Wo ist die Klimadebatte?
Die Bilder von leeren Flussbetten, ausgedörrten Feldern und Bäumen mit gelbem Laub müssten sich doch geradezu auf die politische Agenda der Umweltbewegung drängen. Doch spielt sich etwas ziemlich Seltsames ab: Je höher das Thermometer klettert, desto unpolitischer scheint die Hitze zu werden. Noch vor wenigen Jahren blockierten Aktivisten Strassen, stoppten Autos oder warfen Kartoffelstock auf alte Meister. Heute sind sie nahezu unsichtbar. Klimaerwärmung, Klimakrise, Klimakatastrophe – war da was? Zwar leiden die Bauern und all jene, die in der Hitze malochen müssen. Sonst geniesst die Nation den Sommer. Nur still und heimlich sehnt sich mancher nach etwas Regen.
Für diese Situation gibt es mehrere mögliche Erklärungen. Vielleicht hat es die Klimabewegung um ihre Galionsfigur Greta Thunberg schlicht übertrieben. Womöglich scheitert die Ökobewegung am von ihr selbst provozierten Überdruss in der Allgemeinheit. Die Protestler hatten ein berechtigtes Anliegen, gingen mit ihrem Vorgehen aber über weite Strecken an der Mehrheitsmeinung vorbei.
Die Geschichte hat allerdings auch eine andere, versöhnlichere Seite: Viele Massnahmen sind mittlerweile in der politischen Agenda etabliert. Die Schweizer sind Weltmeister bei der Abfalltrennung, haben restriktive Grenzwerte in der Landwirtschaft und einen ausgebauten öffentlichen Verkehr. Die Hitzewelle wirkt so gesehen gar nicht zwingend unpolitisch. Vielleicht ist das Schweigen vielmehr Ausdruck einer unbequemen Einsicht: Ein Kleinstaat wie die Schweiz kann seinen Beitrag leisten – das Weltklima aber nicht allein verändern.