Editorial über die Iran-Verhandlungen in Pakistan
Das Ende der Diplomatie

Auf dem internationalen Parkett offenbart sich die Selbstentmachtung des Westens – die sich bitter rächen wird.
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Reza Rafi, Chefredaktor SonntagsBlick.
Foto: Philippe Rossier
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Reza RafiChefredaktor SonntagsBlick

In Islamabad sind Delegationen der USA und des Irans aufeinandergetroffen. Während die Welt auf nachhaltigen Frieden und sinkende Erdölpreise hofft, rätseln Beobachter, wer diesen Krieg gewonnen hat. Aus Schadenfreude über Donald Trumps Scheitern wird die Standhaftigkeit der Mullahdiktatur vom Westen vorschnell als Triumph Teherans verkauft – wäre es dann nicht eher ein Pyrrhussieg für die Turbanträger? Ihr Raketenarsenal wurde arg dezimiert, der Gesundheitszustand des obersten Führers ist ein Staatsgeheimnis (lebt er überhaupt noch?), das letzte Vertrauen der Golfstaaten wurde zerstört – die Scheichs werden es Teheran nie verzeihen, dass die iranischen Drohnen das Geschäftsmodell von Dubai, Abu Dhabi und Saudi-Arabien in die Luft gesprengt haben. 

Als letzte Überlebensgarantie bleibt den Revolutionsgarden die Strasse von Hormus. Die internationale Wasserstrasse lässt sich allerdings nicht auf Dauer zur Erpressung der Weltwirtschaft missbrauchen. 

Nun sind die Unterhändler am Zug – erstaunlich, dass Trump Irans Forderung nachgab und mit J. D. Vance den grössten Kriegsgegner seines Kabinetts als Verhandlungsleiter entsandt hat. Wie immer im Nahen Osten setzt die islamische Seite den Dialog vor allem als Mittel ein, um Zeit zu gewinnen. Womit die Diplomatie ein düsteres Ende erlebt – und der rote Teppich zur Legitimierungsgrundlage von Despoten und Gewaltherrschern erniedrigt wird. Ein aktuelles Beispiel aus dieser Woche: Die Uno nominierte die Islamische Republik für die Mitwirkung an der Debatte über Menschenrechte, Gleichstellung und Terrorismusbekämpfung – mithilfe europäischer Stimmen.

Dass die Diplomatie so erbarmungslos das Versagen des Westens offenbart, liegt an ihrer Alternativlosigkeit. Womit soll sie Druck ausüben, wenn die Kriegsbereitschaft tabuisiert wird? Einen besonders tristen Beweis für dieses Dilemma lieferte Brüssel, als iranische Drohnen in Zypern abgefangen wurden. Ein Angriff auf ein Nato-Mitglied, ein EU-Land – und Europa schwieg. Dieser westliche Masochismus könnte sich eines Tages bitter rächen. Auch für die neutrale Schweiz – die übrigens bei besagter Uno-Abstimmung für den Iran stimmte.

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