Der Zustand der Schweizer Armee ist nicht alarmierend – er ist blamabel: fehlende Ausrüstung, chaotische Abläufe, überforderte Verwaltung. Das Problem ist nicht Geld. Es ist auch schlechte Führung.
Wer heute eine militärische Laufbahn einschlägt, landet mitunter in einer Parallelwelt. Sanitätssoldaten ohne Spitalpraxis, Luftwaffenangehörige ohne gültige Sicherheitsüberprüfung. Das VBS scheint überfordert.
Und trotzdem lautet die Reflexantwort: mehr Soldaten, mehr Masse – statt endlich mehr Klasse. Die ukrainische Verteidigung gegen Putins Feldzug zeigt: Moderne Kriege werden nicht durch Kolonnen von Männern entschieden, sondern durch Technologie, Präzision und Tempo. Stichwort Drohnen.
Armeefreunde versuchen, den Zivildienst als Fluchtweg für Drückeberger zu diffamieren. Heuchlerisch, wenn man weiss, wie viel Zeit in Wiederholungskursen mit Warten, Nichtstun und absurden Beschäftigungsprogrammen verplempert wird. Nicht jeder Soldat ist ein Elitekämpfer – und oft wird mehr Schnee für Snowboardrampen geschaufelt als echte Verteidigungsfähigkeit aufgebaut.
Auch Zivis dienen der Schweiz: den Bauern, Spitälern, Pflegeheimen, Schulen, der Natur und dem Umweltschutz. Eine Demokratie braucht echte Wahlfreiheit – und keine Schikanen. Viele verlassen die Armee nicht aus Bequemlichkeit, sondern aus Enttäuschung. Junge Männer waren bereit, Dienst zu leisten – bis sie begriffen haben, dass der WK Langeweile, Leerlauf und monotone Tätigkeiten bedeutet. Statt sich zu fragen, warum motivierte Leute innerlich kündigen, schraubt die Politik an den Hürden für den Übertritt zum Zivildienst.
Wer ernsthaft Sicherheitspolitik betreiben will, muss genau dort ansetzen: Wie machen wir die Armee abwehrbereit – und attraktiv? Das Problem ist nicht die Generation Z, sondern eine Armee, die ihren eigenen Sinn nicht mehr erklären kann. Und Politiker, die viel reden, aber nicht handeln.