Darum gehts
- Roman Jungo baute 2025 sein eigenes Tiny House
- Kostenpunkt für das zweistöckige 40-Quadratmeter-Holzhaus: 330'000 Franken
- Kurze Bauzeit dank guter Planung, Eigenleistungen und Unterstützung seiner Söhne
Manchmal sind Veränderungen der Lebenssituation der Anstoss, sich langgehegte Träume zu verwirklichen. So war das bei Roman Jungo (59) Brandschutzexperte aus dem Kanton Fribourg. 30 Jahre lebte er mit seiner Frau und den beiden Söhnen in Ueberstorf im ehemaligen Bauernhaus seiner Grosseltern, das zu einem Mehrfamilienhaus mit vier Wohnungen umgebaut wurde. Familie Jungo lebte in einer grosszügigen Fünfeinhalbzimmer-Wohnung. «Nachdem unsere erwachsenen Söhne ausgezogen sind, war die Wohnung eigentlich schon zu gross für uns. Ich trug mich schon seit etwa zehn Jahren mit dem Gedanken zur Reduktion und habe verschiedene Skizzen für ein Tiny House angefertigt», sagt Roman Jungo.
Inspiration in der ländlichen Umgebung
Mit der Trennung vor zwei Jahren und damit verbundenen Umzugsplänen, war für Roman Jungo der Zeitpunkt ideal, seinen Traum vom Tiny House zu verwirklichen und seine Skizzen und Pläne zu konkretisieren. «Die Scheidung war ausschlaggebend, dass ich das Projekt Tiny House realisiert habe.» Inspiration für sein Mini-Haus war für ihn die ländliche Umgebung in Ueberstorf mit umgebauten Spycher und Bauernhäusern. «Klar war, dass mein Tiny House aus Holz und dem Dorfcharakter entsprechen soll. Es soll kein Fremdkörper in der Landschaft sein. Ein Flachdach war damit keine Option», sagt Jungo.
Ideale Ausgangslage für die Realisierung
Einen wesentlichen Vorteil hatte Jungo für seinen Traum vom Tiny House: Sein eigenes Grundstück von 2500 Quadratmetern, wo auch sein umgebautes Bauernhaus an idyllischer Lage mit viel Grün steht. «Hier sagen sich Reh, Fuchs und Hase gute Nacht», sagt Jungo lachend. Ihm schwebte eine Art modernes Stöckli auf seinem ungenutzten Grundstück vor. «So wie das früher war: Die alten Bauern zogen ins kleine Stöckli und machten im grossen Haus Platz für die Jungen.» Vorteilhaft war für Jungo zudem, dass er gelernter Hochbauzeichner ist, und lange Zeit auch als Projektleiter in einem Architekturbüro gearbeitet hat. So hatte er das Wissen und die Erfahrung, soviel als möglich selber an seinem Haus-Projekt umzusetzen und wo nötig, wie für die Eingabe der Baubewilligung, einen befreundeten Architekten zur Hand. «Mein Grundstück liegt in der Bauzone und mit den nötigen Grenzabständen und Einhaltung der Bauvorschriften wurde das Projekt im März 2025 konfliktfrei durch den Kanton bewilligt. Mit der vorliegenden Baubewilligung wurde mir auch problemlos der Bankkredit zur Finanzierung zugesichert», erklärt Jungo. Damit stand ihm nichts mehr im Weg, um Verträge mit einer lokalen Holzbaufirma und Handwerkern aus der Region zu unterzeichnen und die Arbeiten mit allen am Bau involvierten Personen zu terminieren. «Gute Planung ist die halbe Miete», weiss Jungo. Die Bauleitung hat er ebenfalls selber übernommen und in seiner Freizeit am Bau mitgearbeitet. Unterstützt wurde er von seinen beiden erwachsenen Söhnen: «Ein Sohn ist Schreiner und der andere hat ebenfalls handwerkliches Geschick.»
Viel Interesse am Tag der offenen Tür vor dem Einzug
Die vorfabrizierten Holzelemente aus Tannenholz wurden im September 2025 angeliefert und an einem einzigen Tag auf dem vorbereiteten Fundament aufgebaut. Rund zwei Monate später war auch der Innenausbau inklusive der Installationen und Anschlüsse für Kanalisation, Wasser und Strom fertig. «Mein Haus ist wie eine fünfte Wohnung zum Bauernhaus. Wasser und Strom sind dort angehängt», erklärt der Bauherr.
Noch vor seinem Einzug Ende November hat Jungo einen Tag der offenen Tür für Interessierte in seinem Tiny House organisiert. «Das Interesse war sehr gross und viele waren erstaunt, wie grosszügig mein Tiny House innen wirkt.» Das liegt auch daran, dass sein zweistöckiges Mini-Haus mit einer Höhe von rund sechs Metern bis unter das steile Dach offen ist. In der oberen Etage mit der Galerie hat Jungo seinen Schlafbereich mit raffinierten Stauraumlösungen statt Schränken. Im Erdgeschoss hat er eine Küchenzeile aus gepressten dunklen Holzfaserplatten und Abdeckung aus Blech, sowie seinen Ess- und Wohnbereich. Bei der grossen Fensterfront mit Ausgang zur Terrasse hat Jungo seinen Lieblingsplatz. «Auf meinem Daybed bin ich am liebsten, lese ein Buch oder geniesse einfach den Ausblick in die Natur.»
Clevere Details für optimale Nutzung auf wenig Wohnfläche
Geheizt wird das Tiny House mit einem Schwedenofen im Erdgeschoss. Roman Jungo: «Ich verwende Pellets oder Holz aus meinem eigenen Waldstück. Mit einer App kann ich den Ofen mit der Heizung steuern.» In einem Schrank ist die ganze Haustechnik eingebaut. Ein weiteres cleveres Detail ist sein Garderobenschrank mit Schiebetür. Die Schiebetür dient gleichzeitig als Türe zum geschmackvollen Badezimmer mit WC, Lavabo und grosszügiger Dusche mit Aussicht. In speziell platzsparenden Mini-Schränken kann Jungo im Bad alles ordentlich verstauen. «Ich brauche zum Aufräumen und putzen in meinem kleinen Haus kaum Zeit», sagt Jungo. Für ihn sind 40 Quadratmeter Wohnfläche ausreichend. Er konnte seinen Traum für rund 330’000 Franken und vielen Eigenleistungen in der Realität umsetzen und ist happy mit dem Resultat. «Es strahlt eine Ruhe aus, ist schlicht, einfach, aber geschmackvoll. Ich konnte alles ganz nach meinem Geschmack ohne Kompromisse umsetzen.»
Prototyp für allfällige weitere Mini-Häuser
Ob er auf seinem Grundstück noch weitere Mini-Häuser bauen will, lässt Jungo offen. Platz wäre genug und mit seinem Tiny House hat er einen Prototyp geschaffen, der ohne weiteres als Vorbild für weitere Tiny Houses dienen könnte. «Das sollen später meine Nachfolger entscheiden. Ich und mein Tiny House hinterlassen einen kleinen Fussabdruck. Das Terrain blieb darum unverändert und das Haus hat keinen Keller. Alles ist so konzipiert, dass es bei einem allfälligen Rückbau kaum Spuren hinterlassen würde.»