Darum gehts
- Junges Paar renoviert 100-jähriges Haus in St. Margrethen selbst
- Modernisierung mit Erhalt des ursprünglichen Charakters und Aussicht über den Bodensee
- Umbau kostet 50'000 Franken für die Küche, fast alle Arbeiten selbst ausgeführt
Das ganze Haus von Chiara Rusch (31) und Sebastiaan den Breeijen (31) ist noch eingerüstet. Das wird auch noch einige Zeit so bleiben. Bisher wurden erst die unteren beiden Etagen isoliert. Seit zwei Wochen hat das junge berufstätige Paar gerade Ferien und nutzt diese freie Zeit intensiv für seine Umbauarbeiten an seinem über 100-jährigen Haus auf dem Hügel oberhalb von St. Margrethen SG. Gleichzeitig konnten sie Blick den aktuellen Stand des ambitionierten Umbauprojekts zeigen.
Ein Meilenstein beim Totalumbau
Seit dem ersten Besuch von Blick vor rund einem Jahr hat sich einiges getan. Wohnte das Paar vorher im oberen Stockwerk in einer einfachen Wohnung und baute das Erdgeschoss um, lebt es seit Mai im frisch umgebauten Erdgeschoss der Liegenschaft «Oberer Gletscherhügel», einer ehemaligen Pension des nahen Restaurants. Der Umzug ins Erdgeschoss ist ein Meilenstein für das Paar bei seinem gigantischen Totalumbau in Eigenregie: «Das ist schon schön, wenn man nach all der Arbeit endlich in den modernen Räumen nach den selbst erstellten Plänen und Wünschen wohnen kann», sagt den Breeijen. Der gelernte Zimmermann hat inzwischen seine Weiterbildung zum diplomierten Bau- und Projektleiter abgeschlossen – neben seinem Job in einem Architekturbüro und dem privaten Umbauprojekt.
Fertig eingerichtet ist noch nicht alles, weil aktuell die Arbeiten im oberen Stockwerk und im Dachgeschoss laufen, wo die beiden vorher wohnten. Dort sollen später, neben weiteren Räumen, das Schlafzimmer und ein weiteres Badezimmer hin. «Wir haben da verschiedene Ideen für die Nutzung der Zimmer, wie Gästezimmer und Büro. Unter dem Dach wollen wir es loftartig offenlassen. Die Holzdecke soll sichtbar bleiben», erklärt Chiara Rusch. Kinderzimmer sind im Obergeschoss ebenfalls eingeplant. Vorläufig ist aber der Umbau ihr Baby, die Familienplanung muss warten.
Modernes Liebhaberobjekt mit ursprünglichem Charakter
Zurzeit sind Büro und Schlafzimmer im Erdgeschoss, wo auch der offene Wohn-Essbereich mit dem neuen Bad und der grosszügigen modernen Küche ist. Alle neuen Fenster sind seit dem Winter auf dieser Ebene montiert und bieten eine wunderbare Aussicht über den Bodensee. Bei den grossen Fensterfronten bietet sich auch Platz zum Sitzen. «Wir sitzen gern nach der Arbeit am Fenster und geniessen die Aussicht», sagt Rusch. Der etwa 120-jährige Holzboden der ehemaligen Pension wurde von Rusch und den Breeijen aufgefrischt und in mühsamer Arbeit neu im Erdgeschoss verlegt – jetzt schafft er dort eine warme Atmosphäre. Erhalten blieb auch der ursprüngliche Kachelofen. Ziel der Hausbesitzer ist es, das Liebhaberobjekt optisch und energetisch zu modernisieren, aber gleichzeitig den Charakter der Liegenschaft zu erhalten.
Auf Kurs bei Kosten und Zeitplan
Das Paar liegt mit seinem Umbauprojekt gut im Zeitplan, investiert dafür aber seine komplette Freizeit und arbeitet oft bis tief in die Nacht. «Bei den Vorarbeiten für die Fenster im Winter wurde es eng. Da haben wir von morgens um sieben bis am folgenden Morgen um fünf Uhr praktisch durchgearbeitet», sagt den Breeijen. Die Bauarbeiten im Winter, zeitweise ohne Fenster und der neuen Heizung, empfand auch Rusch als Herausforderung. «Bei nur acht Grad am Morgen vom warmen Bett aufzustehen, war hart.»
Finanziell ist die junge Bauherrschaft ebenfalls noch auf Kurs. Einzig bei der Küche reichten die geplanten 50’000 Franken nicht ganz aus. Da wollten sie aber auch keine Abstriche machen, weil beide gern kochen und Gäste einladen. «Dieses kleine Defizit können wir andernorts wieder einsparen», ist den Breeijen überzeugt.
Bis auf die Installationen der Haustechnik führen die Hausbesitzer fast sämtliche Arbeiten auf ihrem Bau selber aus und sparen so erhebliche Kosten. «Familie und Freunde helfen aber immer wieder», so den Breeijen. Dafür ist das junge Paar dankbar. Die sozialen Kontakte kämen durch ihr umfassendes Umbauprojekt in der Freizeit und ihre Jobs etwas zu kurz, bedauert Rusch. «An Hochzeiten und Feiern von Familien und Freunden nehmen wir gern teil und nehmen uns die Zeit, doch wir können nicht an allen Freizeitaktivitäten und Ausflügen wie früher dabei sein. Dafür haben wir ein offenes Haus und einen gefüllten Kühlschrank und freuen uns, wenn Familie und Freunde bei uns vorbeischauen», so Rusch. Ihr Umfeld habe dafür aber Verständnis, meint das Paar. Viele von ihnen verfolgen auch die Baufortschritte auf Instagram unter «hillhouserenovations», wo das Paar Bilder und Videos vom Baustellenleben und seinem Umbauprojekt postet.
Tränen und Beziehungspflege
Gegenseitiges Verständnis ist aber auch für das Paar selbst und die Beziehung nötig. «Wir mussten uns als Team bei den Bauarbeiten erst finden. Für Romantik bleibt bei der Arbeit keine Zeit», sagt Rusch. Mit Dreck und harter körperlicher Arbeit kann sie gut umgehen, musste sich aber erst an den härteren Umgangston der Handwerker und ihres Partners auf der Baustelle gewöhnen. «Mit seiner Prophezeiung, dass dieses Projekt uns Schweiss, Blut und Tränen kostet, lag Sebastiaan richtig», sagt sie. Schweiss fliesst bei allen Tätigkeiten am Bau, Blut, bis auf kleinere Schnitte und Kratzer, bisher nur wenig. Aber gelegentlich seien auch Tränen geflossen, wenn beide erschöpft waren.
Die Kraft der Liebe
Beziehungspflege ist dem Liebespaar bei aller Arbeit am Haus, die noch vor ihnen liegt, sehr wichtig. «Die Freiheit nehmen wir uns, dass wir auch einmal alles stehenlassen und eine kurze Wanderung oder eine Velotour in der Gegend machen. Oder Zeit für uns nehmen und ausdiskutieren, wenn etwas nicht rundläuft und uns belastet», sagt den Breeijen. Oft seien es auch Freudentränen vor Stolz und Dankbarkeit gewesen, vor allem, wenn die beiden gemeinsam bei einem Glas Wein Bilder ihrer bisher geleisteten Bauarbeiten anschauen. Da seien so viel Emotionen in ihrem gemeinsamen Projekt, die sich kaum beschreiben lassen, ist sich das Paar einig – und wirft sich immer wieder liebevolle Blicke zu. Kein Zweifel, aus dem Paar wurde ein Team, das bei aller Arbeit, Mühsal und Baustellenärger die Liebe nicht aus den Augen verloren hat. Und durch das gemeinsame Umbauprojekt noch enger verbunden und gestärkter ist als zuvor. Das gibt Chiara Rusch und Sebastiaan den Breeijen auch Kraft für die nächste Bauetappe.