Ein Forschungsteam der Universität Lausanne und der Vogelwarte Sempach untersuchte die Brutpflege von Schleiereulen in der Westschweiz. Mittels GPS- und Beschleunigungssensoren wurden 68 Brutpaare während der Aufzucht ihrer Jungen ununterbrochen beobachtet. Die Auswertung zeigt, dass die elterliche Zusammenarbeit sehr flexibel ist, wie die Schweizerische Vogelwarte Sempach am Mittwoch mitteilte.
Grundsätzlich sind die Männchen die Hauptversorger der Familie, wie die in der Fachzeitschrift «iScience» veröffentlichte Studie zeigt. Die Weibchen steuerten im Schnitt 27 Prozent der Beute bei. Ihr Anteil an der Futterbeschaffung stieg jedoch an, wenn die Leistung des Männchens nachliess, etwa durch weniger Jagdversuche oder eine geringere Erfolgsquote. Auch wenn das Männchen mehr Beute für sich selbst frass, erhöhte das Weibchen seinen Jagdeinsatz. In Gebieten mit guten Jagdbedingungen war der Beitrag der Weibchen geringer.
Paare, bei denen die Versorgung der Jungen gleichmässiger aufgeteilt war, trafen sich häufiger am Nest und koordinierten ihre Jagdzeiten. Bei diesen Paaren jagten die Weibchen die ganze Nacht hindurch, ähnlich wie die Männchen. War die Arbeitsteilung hingegen unausgeglichen, stellten die Weibchen ihre Jagdaktivitäten früher in der Nacht ein.
Diese flexible Arbeitsteilung wirkt sich direkt auf den Nachwuchs aus. Wo die Zusammenarbeit der Schleiereulen-Eltern besonders gut funktioniert, haben Jungtiere bessere Überlebenschancen bis zum Flüggewerden
Besonders profitierten laut der Untersuchung die spät geschlüpften und somit kleinsten Nestlinge. Deren Gewicht und Flügelwachstum wurden durch den erhöhten Einsatz der Mutter deutlich gefördert.
In der Schweiz bewohnt die Schleiereule laut der Vogelwarte das Mittelland nördlich der Alpen, wo zwischen 200 und 1000 Paaren brüten. Die Vogelart gilt als potenziell gefährdet.
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