Neue Hoffnung für Familien wie die von Amjad (7)
Kindheit gibts hier nur stundenweise

Zwischen zerbombten Häusern und zerstörten Leben suchen die Menschen in Syrien nach Resten von Alltag. Nach dem brutalen Bürgerkrieg und dem verheerenden Erdbeben hilft das Schweizerische Rote Kreuz Familien dabei, ihre Existenz wiederaufzubauen.
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Jeden Tag nach der Schule läuft der siebenjährige Amjad Al Hamada in Aleppo an den Trümmern vorbei, wo einst sein Zuhause stand.
Foto: SRK, Remo Nägeli
Silvana Degonda 

Der Weg von der Schule nach Hause dauert für Amjad Al Hamada keine zehn Minuten. Der Siebenjährige läuft wie jeden Mittag dieselbe Strasse im Süden der syrischen Stadt Aleppo entlang. Wie immer kommt er an einem grossen Trümmerfeld vorbei. Betonhaufen, verbogene Eisenstangen, dazwischen ein Schuh. «Da haben wir alle geschlafen.» Vor gut drei Jahren stand hier noch das Haus der Familie. In einer Februarnacht 2023 stürzte es ein, als das grosse Beben die Stadt traf. In Syrien verloren über 6000 Menschen ihr Leben, doppelt so viele wurden verletzt.

Die Familie überlebte, weil Mutter Kawthar Al Mohammad, 48, alle aus dem Bett schrie. «Wir hatten Glück, nur Glück», sagt sie. «Aber dieses Beben hat mich nie mehr losgelassen. Ich spüre das Zittern noch immer in mir.»

Ab 2011 herrschte in Syrien ein brutaler Bürgerkrieg. Mehr als eine halbe Million Menschen verloren ihr Leben, fast sieben Millionen Syrerinnen und Syrer sind ins Ausland geflohen. Auch nach dem Sturz des Diktators Bashar al-Assad durch islamistische Milizen im Dezember 2024 bleibt die Zukunft des Landes unsicher.

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redcross.ch/hilfe-Syrien

Das Schweizerische Rote Kreuz ist in rund 30 Ländern für die Verletzlichsten im Einsatz und leistet dort Nothilfe, beugt Katastrophen vor und stärkt die Gesundheit der Menschen.

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Starthilfe für ein eigenes Nähstudio

Heute lebt die Familie von Amjad Al Hamada nur wenige Querstrassen von der Ruine entfernt, im ersten Stock eines Blocks. Die Wände sind kalt, durch den Verputz ziehen sich Risse. Vor ein paar Wochen erhielt seine Mutter Kawthar Al Mohammad durch das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) eine Starthilfe, um ihr eigenes Nähstudio zu eröffnen. Zwei Nähmaschinen konnte sie kaufen und eine Solaranlage fürs Dach. «Wir sind erst am Anfang», sagt sie und zieht eine Naht durch den blauen Stoff. «Aber zum ersten Mal seit Jahren sehe ich eine Chance, dass wir selber wieder etwas aufbauen können.»

Hat wieder ein eigenes Einkommen: Kawthar Al Mohammad in ihrer Wohnung, wo sie ein Schneideratelier betreibt.
Foto: SRK, Remo Nägeli

Ein paar Strassen weiter lebt die Familie von Amer Ayan, 44. Wenn er aufsteht, stützt er sich mit beiden Händen auf den kleinen Klapptisch im Wohnzimmer. Bei einer Explosion auf dem Gemüsemarkt 2014 verletzten Splitter seinen Rücken, zerstörten sein Knie. «Im ersten Jahr konnte ich mich überhaupt nicht bewegen, lag einfach nur da», erzählt er. «Jetzt kann ich wenigstens ein bisschen gehen. Aber wer stellt schon einen Arbeiter ein, der so eingeschränkt ist?»

Auch seine Familie verlor ihr Haus, lebte mehrere Tage auf der Strasse, dann in verschiedenen Flüchtlingslagern. Jetzt wohnen sie in der Zweizimmerwohnung von Amer Ayans Bruder, der in die Türkei geflohen ist. Der zweitjüngste Sohn, Murad-Allah Ayan, 13, hat Leukämie. Alle zwanzig Tage muss er zum Arzt. Jede Kontrolle kostet 15 Dollar. «Es ist eine riesige Herausforderung», sagt Mutter Ezdihar Al Saud, 43, und streicht ihrem Sohn über die Haare. «Wir können uns nicht einmal eine ganze Gasflasche leisten. Wir füllen sie immer nach, damit wir wenigstens heute kochen können – morgen sehen wir dann weiter.»

«Meine Söhne sind mein ganzer Halt», sagt Ezdihar Al Saud über Murad-Allah, Yaser und Mohammad. «Ich hoffe, dass sie einmal ein sichereres Leben haben.»
Foto: SRK, Remo Nägeli

Mit Hilfe des SRK und des Syrisch-Arabischen Roten Halbmondes (SARC) konnte die Familie eine kleine Werk­statt mieten. Dort werden Knopflöcher für eine Hemdenfabrik genäht. Zwei der vier Söhne gehen morgens zur Schule, am Nachmittag helfen sie den Eltern im Betrieb. «Kindheit gibt es hier nur stundenweise», sagt Ezdihar Al Saud.

Umbruch in der Luft

Seit 2018 arbeitet das Schweizerische Rote Kreuz mit dem SARC zusammen: Sie stellen Wasser und Essen, Kleidung, Unterkünfte und kleine Startguthaben bereit. Amélie Courcaud, 45, koordiniert für das SRK die gemeinsamen Projekte. Die gelernte Pflegefachfrau aus Frankreich sagt: «Als ich vor zehn Jahren das erste Mal in Syrien war, wollten die Menschen nur weg.» Heute, nach dem Regimewechsel, spürt sie etwas Neues. «Aufbruchstimmung und Tatendrang liegen in der Luft. Die Leute wollen mit dem Wiederaufbau beginnen. Mit unserer Bargeldhilfe zum Start eines eigenen kleinen Geschäfts unterstützen wir sie dabei. Es ist der beste Ansatz in diesem Kontext.»

«Wir unterstützen die Menschen beim Wiederaufbau ihrer Lebensgrundlage»: Amélie Courcaud arbeitet für das Schweizerische Rote Kreuz in Syrien.
Foto: SRK, Remo Nägeli

Die Strukturen im ganzen Land sind brüchig: Öffentliche Spitäler funktionieren kaum, qualifiziertes Personal fehlt, eine Krankenversicherung existiert nicht. «Ohne den Syrisch-Arabischen Roten Halbmond wäre der Zugang zur Gesundheitsversorgung für viele unmöglich», sagt Amélie Courcaud. «Wenn es einen richtigen Zeitpunkt gibt, Syrien zu unterstützen, dann jetzt!»

Landminen im Garten

Eine Autostunde ausserhalb von Aleppo wohnen die Brüder Ahmad, 17, und Omar Al Ahmad, 15, mit ihren Eltern und fünf Geschwistern in einem kleinen Haus. Sie sind die beiden ältesten Söhne und gezeichnet vom Krieg. Omar Al Ahmad spielte vor fünf Jahren draussen mit einem Stein. Unter diesem lag eine Landmine. Die Explosion riss ihm mehrere Finger weg. «Ich kann meine Hand kaum mehr benutzen.» Sein Bruder Ahmad Al Ahmad verlor den Arm, als er beim Spielen eine defekte Stromleitung berührte. «Wenn der Strom nicht ausgefallen wäre, wäre ich gestorben», sagt er.

Die Brüder Omar und Ahmad Al Ahmad (r.) wurden beide schwer verletzt. In ihrem Dorf sind fünf Menschen durch Landminen gestorben.
Foto: SRK, Remo Nägeli

Die Familie war fünf Jahre lang auf der Flucht, zog von einem Lager ins nächste. Als sie zurückkam, waren die Felder von Minen übersät. «Hier war Frontgebiet», sagt der Vater Yaser Al Ahmad, 40. «Man lernt, auf jeden Schritt zu achten. Aber sicher ist man nie.» Seine beiden Söhne arbeiten als Tagelöhner in einer Fabrik und auf Baustellen. Mit der Unterstützung vom Roten Kreuz bezahlen sie Gesundheitskosten und reparieren das Haus: neue Fenster, ein wetterfestes Dach, eine Tür, die schliesst.

Die Zukunft Syriens ist ungewiss. Doch Menschen wie Kawthar Al Mohammad, Ezdihar Al Saud, Ahmad und Omar Al Ahmad beginnen, wieder zu planen, zu lernen, zu bauen. In jedem reparierten Dach, in jeder erzählten Geschichte steckt ein kleiner Beweis, dass dieses Land mehr ist als seine Ruinen.

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Dieser Beitrag wurde vom Ringier Brand Studio im Auftrag eines Kunden erstellt. Die Inhalte sind redaktionell aufbereitet und entsprechen den Qualitätsanforderungen von Ringier.

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