Wenn die KI lügt
Warum Senioren Fake News oft schwer erkennen

Gefälschte Videos, erfundene Gesundheitsversprechen und alarmierende Meldungen: Im Internet ist immer schwieriger zu erkennen, was stimmt. Besonders ältere Menschen können auf solche Inhalte hereinfallen. Doch die Gefahr betrifft uns alle.
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Besonders wirksam sind falsche Meldungen, die Angst oder Wut auslösen.
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Noch vor wenigen Jahren brauchte es viel Aufwand, um ein Foto oder Video überzeugend zu fälschen. Heute reichen oft wenige Sekunden und ein KI-Tool. Plötzlich sieht es so aus, als würde ein Politiker etwas sagen, das er nie gesagt hat. Oder ein angeblicher Arzt verspricht eine Wunderheilung. Was auf dem Bildschirm echt wirkt, kann frei erfunden sein.

Besonders anfällig für solche Manipulationen sind laut Fachleuten ältere Menschen. Das bedeutet nicht, dass sie grundsätzlich leichtgläubiger sind. Vielmehr haben viele von ihnen den Umgang mit digitalen Medien nie systematisch gelernt.

Vertrauen in Bilder und Nachrichten

«Die Manipulation von Informationen ist natürlich kein neues Phänomen», sagt Ilona Dąbrowska von der Maria-Curie-Skłodowska-Universität im polnischen Lublin. Propaganda und Falschmeldungen gibt es seit Jahrhunderten. Neu seien vor allem die technischen Möglichkeiten, das Tempo und die Reichweite, mit denen sich solche Inhalte verbreiten lassen. Künstliche Intelligenz werde dabei zu einem wichtigen Werkzeug.

Für viele ältere Menschen war das Fernsehen über Jahrzehnte die wichtigste Informationsquelle. Nachrichten wurden häufig als verlässliche Darstellung der Wirklichkeit wahrgenommen. Im Internet lässt sich diese Erwartung jedoch nicht einfach aufrechterhalten: Ein professionell wirkendes Video oder eine seriöse Webseite sind kein Beweis dafür, dass die Inhalte stimmen.

Zudem sind Falschmeldungen nicht immer komplett erfunden. Oft nehmen sie ein tatsächliches Ereignis und verdrehen dessen Bedeutung. Olga Wałkuska vom polnischen Analysezentrum für Desinformation NASK erklärt, dass etwa russische Einflusskampagnen reale Informationen in einen irreführenden Zusammenhang stellen. So entsteht ein falscher Eindruck, obwohl einzelne Angaben stimmen können.

Warum sich Falschmeldungen so schnell verbreiten

Soziale Netzwerke und Messenger wie Facebook und WhatsApp spielen eine wichtige Rolle. Gerade in Gruppen, in denen sich ältere Menschen austauschen, tauchen zwischen harmlosen Grussbildern auch manipulierte Inhalte auf. Dazu gehören etwa dramatische Behauptungen über angeblich bevorstehende Kürzungen von Renten oder Sozialleistungen.

Besonders wirksam sind Meldungen, die Angst oder Wut auslösen. «Inhalte, die starke Emotionen hervorrufen, sind besonders erfolgreich», sagt Eliza Żurawska von der polnischen Faktencheck-Organisation Demagog. Wer sich über eine Nachricht empört, kommentiert sie eher, klickt auf «Gefällt mir» oder schickt sie an Bekannte weiter. Dadurch steigt ihre Reichweite.

Eine Untersuchung von Bartosz Rębak zur Medienkompetenz älterer Menschen kommt zu einem auffälligen Ergebnis: Menschen über 65 Jahre teilten in sozialen Netzwerken siebenmal häufiger Links zu Webseiten mit Falschmeldungen als die jüngsten Altersgruppen. Das bedeutet nicht, dass alle Seniorinnen und Senioren gleichermassen betroffen sind.

Wenn die eigene Filterblase zur Falle wird

In sozialen Netzwerken finden Menschen oft Gleichgesinnte. Wer sich regelmässig mit Personen austauscht, die dieselbe Meinung vertreten, bekommt vor allem Inhalte zu sehen, die die eigene Sicht bestätigen. Fachleute sprechen von einer Informationsblase.

Was dort häufig geteilt und von anderen bestätigt wird, wirkt irgendwann glaubwürdig. Auch politische Falschinformationen können so leichter Fuss fassen, etwa Beiträge, die Stimmung gegen die Ukraine machen. Das gemeinsame Empören schafft ein Gefühl der Zugehörigkeit. Gleichzeitig sinkt die Wahrscheinlichkeit, andere Perspektiven einzubeziehen oder Behauptungen kritisch zu hinterfragen.

Desinformation kann das Vertrauen in Behörden, Medien und staatliche Institutionen schwächen. Werden Informationen zunehmend als manipuliert oder grundsätzlich unglaubwürdig wahrgenommen, leidet auch die öffentliche Diskussion.

Besonders heikel: falsche Gesundheitsinformationen

Für ältere Menschen ist Desinformation rund um die Gesundheit besonders riskant. Im Netz kursieren angebliche Wundermittel, fragwürdige Behandlungsmethoden und Behauptungen, schwere Krankheiten liessen sich mit Hausmitteln heilen. Manche Beiträge raten von Impfungen ab oder verbreiten Verschwörungstheorien über die Medizin.

Ein Problem sind falsche Expertinnen und Experten. Betrüger geben sich als Ärzte aus, nutzen medizinisch klingende Begriffe oder verwenden Bilder bekannter Persönlichkeiten. Ein weisser Kittel oder ein vertrautes Gesicht ist jedoch kein Beleg für fachliche Kompetenz. Auch echte Aussagen können aus dem Zusammenhang gerissen oder manipuliert werden.

Die Folgen können ernst sein: Wer falschen Gesundheitsversprechen glaubt, verzögert möglicherweise eine notwendige Behandlung oder verzichtet auf sinnvolle medizinische Massnahmen. Bei Gesundheitsfragen ist es deshalb wichtig, Behauptungen kritisch zu prüfen und sich an qualifizierte Fachpersonen zu wenden.

KI-Fälschungen erkennen: Was hilft?

KI-generierte Bilder, Stimmen und Videos werden immer überzeugender. Sich allein auf den eigenen Eindruck zu verlassen, reicht deshalb nicht. Auch auffällige Bildfehler oder unnatürliche Stimmen sind kein zuverlässiger Test.

Wer eine Meldung überprüfen will, sollte sich fragen:

  • Wer steckt dahinter? Gibt es eine nachvollziehbare Redaktion, ein Impressum oder eine seriöse Organisation als Quelle?
  • Berichten andere darüber? Findet sich dieselbe Information bei mehreren unabhängigen Medien?
  • Ist die Meldung aktuell? Alte Bilder und Videos können mit einer falschen Geschichte erneut verbreitet werden.
  • Soll ich wütend oder ängstlich werden? Besonders schockierende Meldungen und Aufforderungen, sofort zu handeln, sind ein Grund zur Vorsicht.
  • Lässt sich die Behauptung überprüfen? Bei Gesundheitsthemen helfen unabhängige medizinische Quellen oder eine Nachfrage bei der Ärztin oder dem Arzt.

Digitale Bildung für alle Generationen

Ilona Dąbrowska sieht einen wichtigen Teil der Lösung in der Medienbildung. Während Kinder und Jugendliche zunehmend lernen, digitale Inhalte kritisch zu beurteilen, dürften ältere Generationen nicht vergessen gehen.

Ein neues Smartphone oder Tablet zu schenken, reicht nicht aus. Wer damit Zugang zu praktisch allen Informationen im Internet erhält, muss auch lernen, Quellen einzuschätzen und Manipulationen zu erkennen. Kinder und Enkel können helfen, indem sie gemeinsam mit älteren Angehörigen Nachrichten überprüfen und zweifelhafte Inhalte besprechen.

Doch Desinformation kann Menschen jeden Alters treffen. Entscheidend ist deshalb eine einfache Gewohnheit: Nicht alles glauben, was überzeugend aussieht, und nicht alles weiterleiten, was starke Gefühle auslöst. Denn im Internet ist nicht unbedingt das wahr, was am echtsten wirkt.

Dieser Artikel erschien erstmals auf Onet.pl.

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