Schneiden als Meditation
Wenn Papier zur tragbaren Kunst wird

Ein Abreisskalender, eine Schere und klassische Musik: Wo andere in riesigen Moodboards und Stoffmustern denken, beginnt Elisabeth Schwarzenbeck im Kleinstformat.
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Elisabeth Schwarzenbeck macht bei der Fertigung ihrer Seidenfoulards keine Kompromisse mit der schnellen Fashionwelt.
Foto: zVg

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Berner Künstlerin macht Papierschnitte zu exklusiven Seidenfoulards, Ausstellung ab August 2026
  • Über 1500 Papierschnitte seit 2018, meditativ und radikal modern
  • Foulards kosten 150–400 Franken, gefertigt in Como aus ökologischen Gründen
Valeska Jansen
Schweizer Illustrierte

Die 60-jährige Berner Grafikerin verwandelt simple Papierquadrate in opulente Seidenfoulards – eine Übersetzungsarbeit, die zeigt, dass das traditionelle Handwerk des Scherenschnitts fernab verstaubter Folklore radikal zeitgemäss sein kann. Wer Schwarzenbecks Atelier betritt, findet keine fertigen Textilentwürfe, sondern ein gewaltiges Archiv. Über 1500 Papierschnitte, alle exakt 11 mal 13 Zentimeter gross, sind seit 2018 entstanden.

Für sie ist das tägliche Schneiden fast meditativ, eine komplette Loslösung von Zweck und Ziel. Modische Trends spielen dabei keine Rolle. «Oft bin ich einfach in der Schnittlinie, folge ihr, versuche neue Wege zu finden», beschreibt sie den Zustand zwischen höchster Konzentration und Flow. «Nur gerade im Hier und Jetzt – im Papier mit der Schere, mit dem Bedürfnis nach Form. Leer, loslassen, Glück.» Die Schnitte funktionieren als autonome Werke, vor allem aber als riesige visuelle Bibliothek.

Keine Kompromisse mit der schnellen Modewelt

Ihre gestalterische Präzision kommt nicht von ungefähr: Schwarzenbeck bringt einen fundierten Background im Graphik Design mit, arbeitete für renommierte Ateliers und ist seit 2007 selbständig. Wenn sie ihre Papiersilhouetten schliesslich in die Textilien ihrer «Paloma»-Kollektion überführt, verändert sich der Massstab radikal. Dann übernimmt die Grafikerin das Steuer. «Beim Wechsel vom Papier zur Textilie erlaube ich mir alles», sagt sie. Motive werden skaliert, mit leuchtenden Farben versehen und vervielfältigt. Das einzige Kriterium, das am Ende zählt: Sie muss das fertige Foulard selbst tragen wollen. Auch bei der Fertigung macht sie keine Kompromisse mit der schnellen Modewelt.

Schwarzenbeck lässt die Seidentücher im norditalienischen Como produzieren – aus ökologischer Überzeugung, aber vor allem aus Respekt vor einer Textiltradition, die dort seit dem 15. Jahrhundert lebt. Dass die Entwürfe in Kleinserien (zwischen 150 und 400 Franken) auf den Markt kommen, ist kein künstlicher Hype um Limitierungen, sondern die ehrliche, finanzielle Realität eines Independent-Labels.

Wer den Ursprung dieser tragbaren Kunstwerke im rohen Zustand erleben will, bekommt im Spätsommer die Gelegenheit dazu: Vom 29. August bis zum 20. September 2026 zeigt das Schlösschen Vorder-Bleichenberg in Biberist SO eine Doppelausstellung. Unter dem Motto «Schwarz-Weiss, aber nuanciert» treffen Schwarzenbecks unkonventionelle Kleinstscherenschnitte auf die reduzierten Malereien von Peter Iseli. Ein Blick auf das blanke Papier – bevor die Motive den Sprung auf die grosse Seidenbühne machen.

Ab Ende August 2026 zeigt das Schlösschen Vorder-Bleichenberg Schwarzenbecks Scherenschnitte im Dialog mit Malereien von Peter Iseli.

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