Darum gehts
- Pyramiden von Gizeh: Überwältigendes Bauwerk und beliebtes Touristenziel
- Grand Egyptian Museum: Neues Juwel mit Tutanchamun-Sammlung
- Kairo: Millionenstadt mit 700 Jahre alter Zitadelle von Saladin
Das sollen Menschen vor 4500 Jahren gebaut haben? Diese Frage steht allen ins Gesicht geschrieben. Während die Kleider im warmen Wüstenwind flattern, die Sonne unbarmherzig vom Himmel brennt, mutet die Stimmung auf dem steinigen Plateau 15 Kilometer südlich von Kairo beinahe feierlich an. Die Pyramiden von Gizeh – Bauwerk oder Berg? Wer zum ersten Mal im Leben die Grabmäler der Pharaonen Cheops, Chephren und Mykerinos sieht, ist überwältigt. Wo drei Herrscher ihre letzte Ruhe fanden, herrscht heute reges Treiben: Es werden Souvenirs verkauft, Selfies geschossen, Tücher um Touristenköpfe gebunden, Kutschenfahrten und Pferderitte angeboten. Alles hat seinen Preis – aber ist verhandelbar. Die Währung? Cash und Tips. Wer sich diesem Jahrmarkt entziehen und der Ehrfurcht hingeben will, tut das bei einem Frühstück im «9 Pyramids». Die weite Terrasse des Restaurants bietet Blick auf die drei grossen Pyramiden samt ihren sechs kleineren «Schwestern», die auch zur Grabstätte gehören. Jetzt nur noch Fladenbrot mit Egga (eine Eierspeise) geniessen, zurücklehnen und den Erzählungen von Guide Ramadan Saber lauschen – so geht ein Crashkurs in Ägyptologie.
Um die Ewigkeit zu überdauern, gebaut, werfen die Pyramiden von Gizeh seit je Rätsel auf. Allein für den Bau der Cheops-Pyramide wurden geschätzt 2,3 Millionen Steinblöcke von durchschnittlich 2,5 bis 10 Tonnen aufeinandergestapelt. Ramadan Saber: «Stellt euch eine Herde von einer Million Elefanten vor. Das kommt dem Gewicht der Cheops-Pyramide ziemlich nah.» Die Seiten der ursprünglich etwa 147 Meter hohen und somit grössten Pyramide des Gizeh-Trios sind nach den vier Himmelsrichtungen ausgerichtet. Das Mass dieser Genauigkeit lässt sich bis heute nicht erklären. Bis 15’000 Arbeiter sollen in der frenetischen Bauphase der vierten Dynastie im Einsatz gestanden haben, einige von ihnen sind dabei zu Tode gekommen, «und sie wurden direkt vor den Pyramiden begraben. Am schönsten Ort auf Erden», erklärt Ramadan euphorisch. Stellt man sich den Seitenarm des Nils vor, der damals bis direkt ans Plateau von Gizeh reichte, ist das Rauschen von Palmwedeln, Wasser und Segeln im Wind beinahe hörbar. Selbst dem Ungläubigsten drängt sich hier die Präsenz einer Art göttlichen Macht auf.
Dieser Artikel wurde erstmals im «SI Travel» publiziert, einem Magazin der «Schweizer Illustrierten».
Dieser Artikel wurde erstmals im «SI Travel» publiziert, einem Magazin der «Schweizer Illustrierten».
Ein ägyptisches Juwel der Neuzeit findet sich nur zwei Kilometer von den Pyramiden entfernt in direkter Sichtweite: das Grand Egyptian Museum (GEM). Das monumentale Haus ist vollgepackt mit Artefakten – darunter zwei Sonnenboote von Cheops sowie die vollständige Sammlung von Tutanchamun mit etwa 5300 Objekten. In zwölf offenen, nach unten schräg abfallenden Galerien präsentiert sich Besucherinnen und Besuchern die ägyptische Hochkultur. Noch immer befindet sich das Mega-Museum in einer «Soft Opening»-Phase, denn die offizielle Eröffnung wurde erneut verschoben – auf das letzte Quartal 2025. Schon sehr lange am Gizeh-Plateau ausharren und auf Gäste warten musste Ramses II. Bereits zu Baubeginn wurde die 80 Tonnen schwere Statue des mächtigsten Pharaos Ägyptens hier platziert.
Der Ort hätte ihm gefallen: Wer das GEM betritt, sieht als Erstes ihn, den Elf-Meter-Riesen. Getreu der Sonnensymbolik der alten Ägypter, fällt durch eine von den Architekten geschaffene Wandöffnung zweimal im Jahr – am Geburtstag und am Tag seiner Thronbesteigung – ein Lichtstrahl direkt auf das Antlitz von Ramses II. Das Museum mit einem Guide zu entdecken, lohnt sich. Genauso wie genug Zeit einzuplanen für den Museumsshop und einen Abstecher zu Dolato, dort gibts buntes Mini-Eis am Stiel in zwölf Aromen.
Das ganz grosse Abenteuer wartet in Kairo Downtown. In der Stadt am Nil suchen sich alle ihren Weg: Fussgänger, Tuk-Tuks, Autos, Minibusse, Roller, Hunde und Katzen. Will man eine Strasse überqueren, heisst es: Mut zur Lücke – und sprinten. Ein Ort der Ruhe, weil autofrei, ist die Zitadelle von Saladin. Sie war etwa 700 Jahre lang der Regierungssitz Ägyptens und bietet eine grossartige Sicht über die Millionencity. Auch die Muhammad-Ali-Moschee mit elegantem Alabaster und von der Decke hängenden Lichtern ist einen Besuch wert. Im islamischen Kairo, wo in engen Gassen Läden, Cafés und Marktstände jeden sichtbaren Zentimeter Platz einnehmen und Karten absolut nutzlos sind, tauchen wir mit Ramadan ein in den Basar Khan al-Khalili. Hier singt Kupferschmied Sayed Liebeslieder, gibts unter Laternen Tweety aus Zuckerwatte, und im Al-Fishawy Café blubbern die Wasserpfeifen.
Gleitet kurze Zeit später die Felucca lautlos über den Nil, wandern die Gedanken dem Segel entlang der Abendsonne entgegen und kreisen um die Pyramiden, den stolzen Ramses II. und die Stadt, in der alles dicht und ständig in Bewegung ist. Kairo und ihre Pyramiden bleiben ein Rätsel.
- Anreise: Mit Edelweiss ab Oktober nonstop nach Gizeh. flyedelweiss.com
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- Grand Egyptian Museum: Ägyptens neustes Wunder. visit-gem.com
- Ramadan Saber: Reiseführer Deutsch facebook.com/ramadan.hebah
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