Wer in den Ferien Geld sparen will, muss nicht zwingend im Hostel übernachten oder das Zelt aufschlagen. Es geht auch gemütlicher: in einem richtigen Zuhause, mit Küche, Garten und manchmal sogar einem Auto. Die Gegenleistung? Man kümmert sich um die Haustiere der Besitzerinnen und Besitzer, während diese verreist sind. Meistens handelt es sich hier um Hunde oder Katzen, seltener um grössere oder ungewöhnlichere Tiere.
Das Prinzip nennt sich Housesitting oder Pet-Sitting. Während Pet-Sitting die Betreuung von Tieren bezeichnet, umfasst Housesitting eher die Betreuung eines Hauses oder einer Wohnung. Häufig gehören beide Aufgaben jedoch automatisch zusammen. Wer das Tier füttert und in den vier Wänden lebt, kümmert sich auch um die Blumen, den Garten oder die Post.
Tauche in ein anderes Leben ein
Das Schöne daran: Man kann für eine Weile in ein völlig anderes Leben eintauchen. Du wohnst in einer Stadtwohnung in Zürich und sehnst dich nach Ruhe? Dann hütest du vielleicht einen Hund in einem toskanischen Dorf. Dir fällt in der Studenten-WG die Decke auf den Kopf? Wie wäre es mit einem grossen Haus direkt am Meer? Oder du tauschst das beschauliche Zuhause in Niederrohrdorf gegen eine aufregende Stadtwohnung in Barcelona, wo zwei Katzen auf dich warten. Mit etwas Glück und Geduld ist vieles möglich. Das kunterbunte Online-Angebot macht Lust darauf, den Alltag einfach mal hinter sich zu lassen.
So funktioniert das Wohnen gegen Tierbetreuung
Über spezielle Internetplattformen finden Tierhalter und Betreuungspersonen zusammen. Die einen suchen jemanden, der sich während ihrer Abwesenheit um ihre Tiere kümmert. Die anderen möchten ein fremdes Land kennenlernen, ohne viel Geld für Übernachtungen auszugeben. So profitieren beide Parteien voneinander, Tiere und Pflanzen sind gut aufgehoben, die Kosten für eine Unterkunft entfallen.
In der Regel erhalten die Betreuungspersonen keinen Lohn. Stattdessen dürfen sie kostenlos im Haus oder in der Wohnung wohnen. Je nach Vereinbarung können sie auch den Garten, das Velo oder ein Auto nutzen. Anreise, Verpflegung und persönliche Ausgaben bezahlen sie jedoch normalerweise selbst.
Der Deal ist allerdings mehr als ein Gratisurlaub: Hunde müssen möglicherweise mehrmals täglich nach draussen, Katzen brauchen Futter und Pflege, vielleicht auch Medikamente. Auch Pflanzen oder der Garten können zur Verantwortung gehören. Wer tagsüber viel unterwegs sein möchte, sollte deshalb genau prüfen, welche Pflichten mit dem Aufenthalt verbunden sind.
Fünf Plattformen für die Suche
Wer Housesitting ausprobieren möchte, kann sich auf spezialisierten Internetseiten registrieren. Die Auswahl reicht von internationalen Vermittlern bis zu vergleichsweise günstigen Angeboten.
1. TrustedHousesitters: Auf TrustedHousesitters gibt es Angebote in zahlreichen Ländern. Die Plattform vermittelt Aufenthalte, bei denen Reisende Tiere betreuen und dafür bei deren Besitzern wohnen. Die Mitgliedschaft ist kostenpflichtig.
2. Nomador: Diese Plattform vermittelt Housesitting weltweit, mit vielen Möglichkeiten in Europa. Es gibt unterschiedliche Mitgliedschaftsmodelle. Wer nur für eine begrenzte Zeit sucht, sollte die Laufzeiten und Leistungen vergleichen.
3. MindMyHouse: Eine vergleichsweise günstige Alternative ist MindMyHouse. Die Plattform verbindet Hauseigentümer mit Betreuungspersonen aus verschiedenen Ländern. Die Sitter-Mitgliedschaft kostet laut Anbieter 29 US-Dollar für zwölf Monate.
4. HouseSitMatch: Auf dieser Seite finden sich ebenfalls Angebote für die Betreuung von Häusern und Haustieren. Je nach Mitgliedschaft unterscheiden sich die Leistungen und Kosten.
5. Housitters: Auch Houssitters lässt sich für die Suche nutzen. Die Plattform wirbt mit einem kostenlosen Angebot. Gerade bei jüngeren Vermittlungsseiten lohnt es sich, zuerst zu prüfen, wie viele aktuelle Inserate es für die gewünschte Region gibt.
Wichtig: Eine Mitgliedschaft garantiert noch keinen Aufenthalt. Beliebte Reiseziele und Ferienzeiten sind häufig gefragt. Wer flexibel ist, sich früh bewirbt und ein überzeugendes Profil erstellt, verbessert seine Chancen.
Auch auf Facebook gibt es Angebote
Es muss nicht immer eine kostenpflichtige Plattform sein. Auch auf sozialen Plattformen wie zum Beipsiel Facebook suchen Tierhalter ebenfalls nach Betreuung für ihre Ferien und Reisende nach einer Unterkunft auf Zeit.
Für die Suche eignen sich Begriffe wie «House Sitting Europe», «Pet Sitting Europe» oder «House Sitting Switzerland». Wer bereits ein bestimmtes Reiseziel im Auge hat, kann auch den Ländernamen ergänzen, etwa «House Sitting Spain» oder «House Sitting France».
Die Begriffe sind Suchvorschläge, keine Garantie für aktive Gruppen mit genau diesem Namen. Deshalb sollte man prüfen, wie aktuell die Beiträge sind, ob die Gruppe moderiert wird und ob die Inserate seriös wirken.
Der Vorteil: Hier ist der direkte Kontakt mit den Tierhaltern möglich, ohne dass eine Jahresmitgliedschaft nötig ist. Dafür ist besondere Vorsicht gefragt. Bei privaten Vermittlungen gibt es weniger bis gar keinen Schutz. Das ist definitiv der Vorteil von etablierten Plattformen.
Mit diesen Tipps klappt es eher
Ein überzeugendes Profil erstellen: Wer Erfahrung mit Tieren hat, sollte sie erwähnen. Fotos mit Haustieren und Referenzen aus früheren Einsätzen können helfen, Vertrauen aufzubauen.
Frühzeitig suchen: Gerade während der Schulferien und über Weihnachten sind attraktive Angebote gefragt. Wer sich nicht auf ein einziges Wochenende festlegt, hat bessere Chancen.
Zuerst in der Nähe anfangen: Ein erster Einsatz in der eigenen Region hilft, Erfahrungen und Bewertungen zu sammeln. Ausserdem lässt sich die Schlüsselübergabe leichter persönlich organisieren.
Alle Aufgaben klären: Wie oft muss ein Hund spazieren gehen? Dürfen die Tiere allein bleiben? Wer bezahlt Futter und Tierarztkosten? Darf das Auto genutzt werden? Solche Fragen sollten vor der Zusage beantwortet und schriftlich festgehalten werden.
Gratis wohnen heisst nicht gratis reisen
Die gesparte Unterkunft ist der grösste Vorteil, doch die übrigen Kosten bleiben. Dazu gehören die Anreise, Lebensmittel, mögliche Mitgliedschaftsgebühren und gegebenenfalls zusätzliche Versicherungen. Wer zum Beispiel für zwei Wochen Ferien hat, kann so viel Geld sparen. Bei einem kurzen Aufenthalt mit langer Anreise lohnt sich die Rechnung dagegen weniger. Und auch die Lage spielt eine Rolle: Ein abgelegenes Haus klingt romantisch, kann ohne Auto aber unpraktisch sein.
So schützt du dich vor bösen Überraschungen
Lerne die Gastgeber vorab per Videoanruf kennen und frage nach Referenzen oder Bewertungen. Bei privaten Angeboten gilt: Überweise kein Geld für Schlüssel, Kaution oder Vermittlung, ohne die Angaben geprüft zu haben.
Kläre zudem Notfallkontakte, Tierarztkosten und Versicherungsfragen. Eine Mitgliedschaft deckt nicht automatisch Schäden oder Reiseausfälle ab.
Für wen eignet sich das Sitting?
Housesitting eignet sich für Tierliebhaber, die zuverlässig sind und gerne länger an einem Ort bleiben. Wer viel spontan unterwegs sein möchte, könnte sich durch die Betreuungspflichten eingeschränkt fühlen. Für Paare, Alleinreisende oder Menschen, die online arbeiten, kann das Modell dagegen eine spannende Möglichkeit sein, ein Land abseits der üblichen Touristenpfade kennenzulernen. Und manchmal führt der Weg statt ins Hotel eben in ein schwedisches Dorf mit drei Katzen und ein paar Hühnern.
Du suchst jemanden für deine eigenen Haustiere?
Das Prinzip funktioniert natürlich auch umgekehrt: Wenn du selbst in die Ferien fährst und deine Tiere nicht in eine Pension geben möchtest, kannst du über solche Plattformen eine Betreuungsperson finden, die zu dir nach Hause kommt. So bleiben dein Hund oder die Katze in ihrer gewohnten Umgebung und müssen sich nicht an einen neuen Ort gewöhnen. Auch hier gilt: Aufgaben, Kosten und allfällige Versicherungsfragen am besten vorab klären.